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Kronach

Teure Selbstjustiz

Ein 56-Jähriger machte einer Kollegin ein unmoralisches Angebot. Die Rache ihres Freundes: eine Prügelattacke. Nun kam die Sache vor Gericht.



Teure Selbstjustiz  

Kronach - Wer ein Gesetz bricht, wird bestraft. Dass dies mit Schmerzen verbunden sein kann, musste ein 56 Jahre alter Mann heuer im Februar feststellen. Weil er sich einer 35-jährigen Arbeitskollegin gegenüber sexuelle Anzüglichkeiten geleistet hatte - er bot ihr 100 Euro für ein Schäferstündchen -, rastete ihr Lebensgefährte aus. Er malträtierte den 56-Jährigen derart, dass dieser nahezu zehn Wochen an den Folgen der Prügelattacke zu leiden hatte. Dafür musste sich der rasende Geliebte nun am Donnerstag vor dem Strafgericht des Amtsgerichts Kronach unter Vorsitz von Richter Christoph Lehmann verantworten. Dieser verurteilte den Schläger wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe sowie einer Geldauflage von 3000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung.

Nach Überzeugung von Staatsanwältin Julia Haderlein soll der Beschuldigte am 27. Februar sein Gegenüber dreimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben und den daraufhin zu Boden gegangenen 56-jährigen Geschädigten mit Tritten gegen Körper und Kopf derart traktiert haben, dass dieser das Bewusstsein verlor. Infolge dieses Gewaltexzesses erlitt der Geschädigte neben Rippenprellungen auch Platzwunden im Gesicht und Hämatome am ganzen Körper.

Der bereits einschlägig wegen Gewaltdelikten vorbestrafte Anlagenführer, der hinsichtlich seines momentanen Wohnortes und seines Familienstandes nebulöse Angaben machte, stellte die Begebenheit als Notwehrsituation dar. So habe sich der Geschädigte in Rage gewaltsam Zutritt zur Wohnung des Beschuldigten verschaffen wollen und sei dabei handgreiflich geworden. "Ich habe nur mein Hausrecht verteidigt", bekräftigte der Angeklagte. Für die massiven Verletzungen des Geschädigten kredenzte er folgende Erklärung: Diese könne sich das Opfer nur infolge eines Treppensturzes im Haus zugezogen haben. "Und warum hat die Polizei dann im Treppenhaus kein Blut entdeckt? Das passt alles nicht zusammen", hielt die Anklagevertreterin dagegen. Auf zähes Nachfragen des Vorsitzenden und der Vorhaltung einer Zeugenaussage hin räumte er häppchenweise Schläge gegen das Gesicht des Opfers ein; doch diese wollte er nur zu Verteidigungszwecken geführt haben. Die unterstellten Tritte gegen den Kopf bestritt der Angeschuldigte.

Der 35-jährigen Lebensgefährtin blieb aufgrund der Tatsache, dass sie lediglich nach türkischem Recht mit dem 33-Jährigen verheiratet ist, eine Aussage nicht erspart. Sie erläuterte ausführlich die als ehrverletzend empfundene Vorgeschichte und stützte die Darstellungen ihres Lebensgefährten weitestgehend. Bezüglich der entscheidenden Momente legte sie allerdings auffallende Gedächtnislücken an den Tag. "Ich habe nur gesehen, dass er blutet und Hilfe geholt", gab sie zu Protokoll. "Irgendjemand hat hier gelogen", bemerkte der Richter.

Voller Belastungseifer präsentierte der Geschädigte dann seine Geschichte: Eine "Schlüpfrigkeit" gegen die 35-Jährige am Tatvortag räumte er kleinlaut ein. Und zwecks einer Entschuldigung habe er die Wohnung des Paares aufgesucht, sei dort aber vom Geschädigten mit üblen Beschimpfungen empfangen worden. Insgesamt "15 bis 20 Minuten" habe der Angeschuldigte in der Folge im und vor dem Haus ein wahres Trommelfeuer an Faustschlägen und Tritten auf ihn einprasseln lassen. Die Anzahl der Hiebe bezifferte er dabei auf "über 100". Eine unbeteiligte Nachbarin, die den Gewaltexzess von ihrem Wohnungsfenster aus beobachtet hatte, relativierte dies bei ihrer Zeugenvernehmung: Ihr zufolge habe der Angeklagte den 56-Jährigen am Kragen festgehalten und mindestens drei massive Faustschläge gegen dessen Gesicht geführt, sodass dieser zu Boden stürzte. Tritte gegen das Opfer indes habe sie nicht wahrgenommen, denn "ich habe dazwischen nach meinem Kuchen im Ofen geschaut". Nach kurzer Zeit habe sie den Geschädigten am Boden liegen sehen. "Ich dachte nur, jetzt ist er tot", schilderte sie ihren Eindruck.

Diese Zeugenaussage nahm die Staatsanwältin letztendlich zum Anlass, um in ihrem Schlussvortrag die potenzielle Lebensgefahr durch die Faustschläge herauszustellen und eine zehnmonatige Bewährungsstrafe plus Geldauflage wegen gefährlicher Körperverletzung zu fordern. Verteidiger Frank Jungkunz sah lediglich eine einfache Körperverletzung als erwiesen an und plädierte auf eine Geldstrafe im Ermessen des Gerichts. Der Vorsitzende folgte der Argumentation Haderleins weitestgehend; dabei honorierte er das Teilgeständnis, übte zugleich jedoch massive Kritik aufgrund der fehlenden Reue und am Verhalten des Beklagten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig

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Jürgen Malcher
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Veröffentlicht am:
22. 11. 2019
15:52 Uhr

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Jürgen Malcher

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22. 11. 2019
15:52 Uhr



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