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Kronach

Teurer Ausflug zur Mitwitzer Kirchweih

Ein Brandenburger wird in bierseliger Laune handgreiflich. Weil er zuvor provoziert wurde, verhängt das Gericht eine deutlich mildere Strafe.



Teurer Ausflug zur Mitwitzer Kirchweih  

Kronach - Was der übermäßige Konsum frankenwäldischen Bieres so alles anrichten kann, wenn es in eines Spreewälder Munde gerät, mussten im August des vergangenen Jahres zwei Monteure aus Brandenburg bei der Mitwitzer Kirchweih erfahren: Sie gerieten sich derart in die Haare, dass einer von beiden seinem Arbeitskollegen mit einem Faustschlag ausknockte. Dies hatte für den Mann am Donnerstagnachmittag eine Vorstellung vor dem Amtsgericht Kronach zur Folge. Richter Christoph Lehmann verurteilte ihn letzten Endes zu einer Geldstrafe von 2100 Euro wegen Körperverletzung.

Der beschuldigte 35-Jährige aus dem Kreis Oberspreewald-Lausitz wollte einen bereits ergangenen Strafbefehl von 120 Tagessätzen zu 45 Euro nicht akzeptieren. Seinen Angaben zufolge hat sich sein Kollege am 26. August 2018 im Zuge des Kirchweih-Besuchs nach "vier oder fünf Bier" und einigen Schnäpschen nicht mehr zügeln können und sei - auch gegenüber zwei Kerwa-Gästen - ausfällig geworden. Dabei sollen auch fremdenfeindliche Äußerungen seitens des Geschädigten gefallen sein. Mit den Worten "Reicht das jetzt nicht?" habe der Beschuldigte seinen Zechkumpanen vergeblich zum Gehen animieren wollen. Doch die Situation habe sich weiter zugespitzt. So soll der Geschädigte den Angeklagten und dessen Kind beleidigt haben. Das hatte zur Folge, dass dem Beklagten sprichwörtlich die Hutschnur gerissen sei und er zu einem Schlag ausgeholt habe. "Wenn er getrunken hat, dann wird er richtig eklig", unterstrich der 35-Jährige. An einen gezielten Faustschlag indes vermochte er sich nicht mehr zu erinnern. "Jemand hat mich plötzlich festgehalten. Erst dann habe ich das realisiert. Ich war ja selber geschockt", schilderte er die von ihm angerichtete Misere. Er selbst habe auf Nachfrage des Richters hin an dem Tag "drei oder vier Bier" getrunken.

Ein geladener Zeuge, der hinter dem Zapfhahn des Schankwagens die Querelen der beiden Herren aus nächster Nähe miterlebte, bestätigte die lautstarke Auseinandersetzung. "Es gab Streit wegen des Heimgehens", erinnerte er sich. Auch den Faustschlag ins Gesicht des Geschädigten habe er gesehen. "Das war wie ein Knockout. Er ist freiweg umgefallen." Zusammen mit weiteren Besuchern habe man den Beschuldigten hernach bis zum Eintreffen der Polizei festhalten können. Die Folge für das Opfer: eine klaffende Platzwunde am Hinterkopf, die er sich durch den Aufschlag auf dem Asphalt zugezogen hatte und die in der Frankenwaldklinik behandelt werden musste. Der Geschädigte indes hatte keinerlei Erinnerung mehr: "Ich bin erst im Krankenwagen aufgewacht", gab er zu Protokoll.

Staatsanwalt Mario Geyer forderte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 45 Euro, wobei er dem Beschuldigten die Provokationen seitens des Geschädigten sowie Begehung der Tat unter Alkoholeinfluss zugutehielt. Einen Freispruch hingegen wollte die Verteidigung erreichen - mit der Begründung, dass dadurch nur das Kind des Angeklagten verteidigt worden sei. "Das kann ich mir selbst mit viel Fantasie nicht vorstellen", gab der Vorsitzende hierzu bei der Urteilsbegründung zu verstehen.

Mit einer verminderten Tagessatzhöhe von 35 Euro folgte er dem Antrag des Staatsanwaltes. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Autor

Jürgen Malcher
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Veröffentlicht am:
14. 06. 2019
12:02 Uhr

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14. 06. 2019
12:02 Uhr



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