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Kronach

Tritte gegen Kopf: Bewährung für Schläger-Komplizin

Drei Frauen geraten in Marktrodach aneinander. Am Ende liegt eine von ihnen schwer verletzt auf dem Boden. Nun ist der Fall juristisch aufgearbeitet.



Bewährung nach Schlägerei vor der Diskothek  

Kronach - Garstige Szenen haben sich Anfang Februar des letzten Jahres morgens gegen 4.30 Uhr im Innenbereich und auf dem Parkplatz einer Marktrodacher Diskothek abgespielt. Drei stark alkoholisierte Frauen waren erst verbal und schließlich körperlich aneinandergeraten. Dabei sollen zwei der Damen ihre bereits am Boden liegende Kontrahentin mit Schlägen und Fußtritten gegen den Kopf malträtiert haben.

Nachdem die 24-jährige Haupttäterin vor dem Landgericht Coburg bereits im September 2018 zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden war (die NP berichtete), wurde am Freitag ihrer 21-jährigen Komplizin vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Kronach unter dem Vorsitz von Jugendrichter Jürgen Fehn der Prozess gemacht. Zudem soll die Angeklagten im Zuge des Prozesses in Coburg ein falsches Zeugnis abgegeben haben. Nach knapp vier Stunden verkündete der Vorsitzende das Urteil: eine einjährige Bewährungsstrafe nebst Teilnahme an einem sozialen Trainingsprogramm sowie ein Schmerzensgeld in Höhe von 1500 Euro an die Geschädigte wegen gefährlicher Körperverletzung und uneidlicher Falschaussage.

Gleich zu Prozessbeginn wurden die von Oberstaatsanwalt Martin Dippold vorgebrachten Vorwürfe eingeräumt. Demnach trat die beschuldigte Altenpflegerin dem Opfer zweimal gegen den Hinterkopf, nachdem sie ihr zuvor einen Schlag versetzt hatte. Zum Tatzeitpunkt hatte sie nach eigener Aussage drei Cola-Weizen und sechs Bier intus. Verteidiger Jochen Kaller relativierte bezüglich der gestandenen Falschaussage: "Ihr wurde etwas vordiktiert, um die damalige Haupttäterin zu entlasten." Zudem habe deren Freund immensen Druck auf die Beklagte ausgeübt.

Offen blieb indes, wer der geschädigten, ebenfalls 21-jährigen Krankenschwester nach einem Wortgefecht im Innenbereich der Disko aus kurzer Distanz eine Bierflasche ins Gesicht geschleudert hat. Ihre eigene Flasche habe sie zu diesem Zeitpunkt schon abgegeben, versicherte die Beschuldigte. Da das Opfer selbst - wohl auch wegen einer damals gemessenen Blutalkoholkonzentration von 2,12 Promille - sowohl bei der Polizei als auch im Gerichtssaal widersprüchliche Angaben hierzu machte, blieb dieser Punkt strittig. Dennoch: Durch die körperlichen Misshandlungen erlitt die junge Frau Hämatome im Gesicht, eine Gehirnerschütterung und eine Schädel- sowie Halswirbelsäulenprellung; für mehrere Tage war sie arbeitsunfähig.

Seitens eines Vertreters der Jugendgerichtshilfe wurde der Angeklagten trotz einiger familiärer Schwierigkeiten eine positive Sozialprognose bescheinigt. "Ich kann an ihr keine schädlichen Neigungen feststellen. Sie wird unsere Gemeinschaftsordnung in keiner Weise stören", so sein Fazit.

"Die Auseinandersetzung war geprägt von einem vorherigen Zickenkrieg mit gegenseitigen Provokationen und viel Alkohol", resümierte Oberstaatsanwalt Dippold. Kein gutes Haar an der Beklagten ließ er hinsichtlich ihrer Falschaussage: "Das war keine Disco-Veranstaltung mehr, sondern ein Schwurgericht. Und sie stellt sich da hin und sagt eiskalt die Unwahrheit." Seine Forderung: ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung, ein soziales Trainingsprogramm und 2000 Euro Geldauflage. Verteidiger Kaller war sich gewiss: "Das war ein absoluter Ausreißer meiner Mandantin. Sie wird die Justiz zukünftig nicht mehr beschäftigen." Eine achtmonatige Bewährungsstrafe und 1000 Euro an die Geschädigte erachtete er als angemessen. "Es tut mir alles furchtbar leid, was ich angerichtet habe", bat die 21-Jährige um Verzeihung.

Mit dem Urteil wählte das Gericht einen Mittelweg aus den beiden Forderungen. In Richtung der Verurteilten beklagte Richter Fehn eine sich verändernde Qualität von Gewalt: "Wenn früher jemand am Boden lag, dann war es genug. Aber heute geht man da nochmal hin und tritt nach." Das Urteil ist rechtskräftig. Zivilrechtliche Schadensersatzansprüche des Opfers sind für die Altenpflegerin aber noch nicht ausgeschlossen.

Autor

Jürgen Malcher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
29. 03. 2019
17:46 Uhr

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Jürgen Malcher

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Veröffentlicht am:
29. 03. 2019
17:46 Uhr



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