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Kronach

Wehende Fahnen in Wallenfels

Fronleichnam ist das größte Fest in der Flößerstadt. Etwas ganz Besonderes ist das Fahnenschwingen auf der Schwedenbrücke. Das findet sogar der ehemalige Papst Benedikt XVI.



Wehende Fahnen in Wallenfels   » zu den Bildern

Wallenfels - Blumenschmuck wird geordert, Marschieren geübt, Waffen werden an die Soldaten ausgegeben und Altäre aufgestellt - an den Tagen vor dem Fronleichnamsfest ist ganz schön was los in Wallenfels. Nirgends im Landkreis wird dieser Tag so groß gefeiert wie hier. Im Mittelpunkt des Geschehens steht eine große Prozession. "Los geht es früh morgens mit dem Antreten der Kompanie", weiß Ortsheimatpfleger Franz Behrschmidt. Die Soldaten holen den Bürgermeister, den Schwedenfähnrich sowie den Schwedenleutnant zu Hause ab. Nach dem Festakt werden diese drei Männer auch wieder heimbegleitet.

Die Prozession selbst führt an vier Altären vorbei. Doch nicht jedes Jahr sind es dieselben: "Zwei Altäre wechseln sich von Jahr zu Jahr ab. Bei ungeraden Jahreszahlen, wie 2015, ist der Johannes-Altar dran", erklärt Franz Behrschmidt. Der wurde einst von einem Wallenfelser geschnitzt, nachdem dieser heil aus dem Krieg heimgekehrt war. Er wird traditionell in der Nähe des Flößerhauses aufgestellt. Der zweite Altar auf dem Weg steht bei der Gaststätte Home-Rudl. "Der wurde erst kürzlich restauriert und kommt zum ersten Mal seitdem zum Einsatz", berichtet der Ortsheimatpfleger. Im Anschluss geht es zum ebenfalls frisch restaurierten Altar bei der Bäckerei Schauer. Dieser wurde 1920 geschnitzt und stammt aus Oberammergau.

Bevor es schließlich zum Stadt-Altar auf dem Rathausplatz geht, wo auch die heilige Messe gefeiert wird, steht ein ganz besonderer Brauch an: das Fahnenschwingen auf der Schwedenbrücke. "So etwas gibt es nur hier. Das ist wirklich einzigartig", sagt Franz Behrschmidt. Die Tradition gehe auf ein im 30-jährigen Krieg verliehenes Ehrenrecht zurück, das an den heldenhaften Mut der Wallenfelser erinnern soll. "Der Schwedenfähnrich ist stets der jüngste Stadtrat", erklärt er. Heuer ist das Sven Hofmann. Er darf die Fahne auf der Brücke schwingen. Im Anschluss daran kommt der Priester hinzu und erteilt den Segen in alle vier Himmelsrichtungen und es werden drei Strophen des Wallenfelser Heimatliedes gesungen. "Das ist immer Gänsehaut pur", findet Behrschmidt.

Wie wichtig den Wallenfelsern ihr Fronleichnamsfest ist, zeigt sich an ihrem großen Engagement. So seien die Altäre alle in Privatbesitz. Dass sich die Besitzer um Blumen und anderen Schmuck kümmern, sei für sie selbstverständlich. Der Zeuß-Altar, der in diesem Jahr nicht zum Einsatz kommt, gehöre beispielsweise Behrschmidts Cousin. "Teilweise sucht der schon ein Jahr vorher nach geeigneten Birken als Schmuck", erzählt der Ortsheimatpfleger. Doch nicht nur das: Als der Altar vor einigen Jahren saniert werden musste, habe sein Cousin alles aus eigener Tasche bezahlt und sich geweigert, Spenden anzunehmen. Die Restaurierung eines anderen Altars habe mehr als 12 000 Mark gekostet. "Das konnte mit nur drei Spenden finanziert werden", betont Behrschmidt. Viele Privatleute stellten an Fronleichnam sogenannte Maien, also kleine Bäumchen, an ihren Häusern auf. "In den vergangenen Tagen war quasi ganz Wallenfels auf den Beinen", lacht er. Als Franz Behrschmidt im Herbst 2010 bei einer Begegnungsreise nach Rom die Gelegenheit hatte, kurz mit dem damaligen Papst Benedikt XVI. zu sprechen, hat er ihm von Fronleichnam in Wallenfels erzählt. "Er sagte, das sei wirklich etwas ganz Besonderes. Und ich habe entgegnet: 'Ja, Heiliger Vater.' Das war ein wahnsinnig bewegender Moment für mich", erinnert er sich.

Beim Fronleichnamszug sind alle örtlichen Vereine mit ihren Fahnen vertreten. Die größte Gruppe sind die Soldaten mit rund 100 Mann. "Vorher müssen wir die Waffen ölen und sie an ihre Träger ausgeben", erklärt Kammerwart Günther Stöcker. Er betont, dass die Gewehre selbstverständlich unbrauchbar seien. Dennoch führt er genau Buch, wer eines mitgenommen hat. Schließlich müssen sie hinterher auch wieder abgegeben werden. Den Überblick zu behalten sei da gar nicht so einfach, da einige Mitglieder inzwischen auch eigene Waffen besäßen.

"Dass wir an Fronleichnam mitlaufen, ist alte Tradition", sagt Günther Stöcker stolz. Das Allerheiligste werde vom Himmelkommando der Soldaten flankiert. Rund 20 bis 25 Trommler, 16 Mann von der Marine und 20 bis 25 von der Infanterie gehörten außerdem zur Truppe. Der Trommlerzug probe seit rund drei Wochen für den heutigen Tag. "Und unsere jüngeren Mitglieder üben das Marschieren und den Gewehrgriff."

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Von Julia Knauer
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Veröffentlicht am:
03. 06. 2015
00:00 Uhr

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Von Julia Knauer

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03. 06. 2015
00:00 Uhr



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