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Kronach

Wenn nur Schatten bleiben

Eine Ausstellung des ADAC widmet sich einem traurigen Thema: dem Tod Jugendlicher im Straßenverkehr. Derzeit ist die Schau in der Berufsschule zu sehen.



Waren beeindruckt von der Ausstellung (von links): Marieluise Munding (Lorenz-Kaim-Schule), Vorstandsmitglied Thomas Dill und Vorstandsvorsitzender Herbert Behlert (beide ADAC Nordbayern), stellvertretender Landrat Gerhard Wunder, 2. Bürgermeisterin Angela Hofmann, Schulleiter Rudolf Schirmer (Lorenz-Kaim-Schule) und Polizeioberrat Markus Welisch. Foto: Heike Schülein  

Kronach - "Schatten - Ich wollte doch leben!" Diesen Titel trägt die Wanderausstellung des ADAC, die am Dienstag in der Kronacher Lorenz-Kaim-Schule eröffnet wurde. Eindringlich stellt sie sechs Schicksale junger Menschen vor, die bei Verkehrsunfällen ums Leben kamen.

Wanderausstellung

Seit dem Auftakt im Jahr 2012 in Nordbayern konnten bereits über 102 000 Jugendliche die Ausstellung an 73 Schulen sehen. In Kronach verbleibt sie bis zum 21. Februar. Danach wandert sie durch weitere nordbayerische Schulen.


Benni war eine Frohnatur; aktiv in allem, kannte kaum Ruhe, pendelnd zwischen Schule, Sport, Familie, Musik und Freunden - Immer so, als hätte er keine Zeit zu verlieren. Auf dem Heimweg nach zwei actiongeladenen Tagen schläft er nachts am Steuer seines Autos ein, prallt gegen einen Baum und verstirbt wenige Stunden später im Krankenhaus. Benni wurde 19 Jahre alt.

Sein Schicksal und das fünf weiterer junger Menschen, die bei Verkehrsunfällen - als Fahrer oder Beifahrer, mit dem Moped oder Auto, selbst verursacht oder durch Fremdverschulden - tödlich verletzt wurden, nimmt die ADAC-Wanderausstellung "Schatten - Ich wollte doch leben!" in den Blick. Im Mittelpunkt stehen sechs lebensgroße, geschwärzte Figuren. Bewegende Texte erzählen vom Unfallhergang sowie persönliche Hintergründe. Als Boten aus dem Schattenreich sollen sie Gleichaltrige vor einem ähnlichen Schicksal warnen. Besonders betroffen macht die Tatsache, dass sich jeder Unfall real ereignet hat. Seit Dienstag sind die Silhouetten im ersten Stock der Kronacher Berufsschule zu sehen, um wachzurütteln, zum Nachdenken anzuregen und Anlass für Gespräche zu geben.

"Mit der Ausstellung möchte der ADAC auf das erhöhte Risiko, dem Fahranfänger ausgesetzt sind, aufmerksam machen und das Bewusstsein für eine sichere, umsichtige und defensive Fahrweise stärken", betonte Thomas Dill, Vorstandsmitglied Verkehr, Technik und Umwelt des ADAC Nordbayern. Das Risiko, im Alter von 18 bis 24 Jahren einen Unfall zu verursachen, daran beteiligt zu sein oder zu verunglücken, sei enorm hoch. "Insbesondere kurz nach Bestehen des Führerscheins hat man noch nicht viel Fahrpraxis, überschätzt manchmal sein eigenes Können und ist vielleicht leichtsinnig oder unvorsichtig", mahnte er.

In Deutschland sei 2018 ein ganzer Kinosaal voll junger Menschen im Straßenverkehr ums Leben gekommen - 364 junge Männer und Frauen. Fast zwei Drittel der selbst verursachten Unfälle, bei denen Fahranfänger tödlich verunglückten, geschahen, weil diese die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren - aufgrund unangepasster Fahrweise und Geschwindigkeit oder eines zu geringen Abstands zum Vordermann. Ein weiteres Gefahrenpotenzial breite sich immer mehr aus: Ablenkung im Straßenverkehr. Gedankenloses Tippen am Smartphone während der Fahrt berge besonders große Gefahren und zähle heute zu den häufigsten Ursachen schwerer Verkehrsunfälle. "Bereits zwei Sekunden Ablenkung bei 50 km/h bedeutet nahezu 28 Meter im Blindflug", verdeutlichte er, dass ein einziger, kurzer Moment der Ablenkung katastrophale Folgen haben könne. Studien gehen davon aus, dass mittlerweile mehr Menschen im Straßenverkehr durch Ablenkung getötet werden als durch Alkohol. Deshalb gelte neben "Don’t drink and drive" auch "Don’t text and drive". Vom Tod eines jungen Menschen seien rund 250 Personen betroffen - von den Rettungsorganisationen bis hin zu Freunden und Angehörigen.

Viel Lob für die bewegende Ausstellung fanden Kronachs stellvertretender Landrat Gerhard Wunder und Polizeioberrat Markus Welisch von der Polizeiinspektion Kronach. Die Politik mache sich, so Wunder, viele Gedanken, wie man Sicherheit im Straßenverkehr verbessern könne. Hierzu zählten der Disco-Bus, der Freischießen-Express und auch das neue Mobilitätskonzept. Er bat die anwesenden jungen Leute, von diesen Angeboten rege Gebrauch zu machen und dies auch an ihre Freunde weiterzugeben.

Laut Welisch ist die Ausstellung ein gutes Mittel, um junge Menschen für Gefahren zu schärfen. Im Einsatzgebiet der Polizeiinspektion Kronach waren im vergangenen Jahr junge Leute an 208 Verkehrsunfällen beteiligt. Glücklicherweise gab es keine Todesfälle; aber acht Schwerverletzte und 39 Leichtverletzte. In 69 Fällen waren sie die Hauptunfallverursacher. Die Gründe seien zu hohe Geschwindigkeit, mangelnder Abstand, die Ablenkung mit dem Handy, Alkohol- und Drogenkonsum sowie Übermüdung gewesen. Rund 100 der Verunfallten waren alkoholisiert; 40 standen unter Drogeneinfluss. "Anders als in Ballungszentren sind bei uns junge Leute auf das eigene Fahrzeug angewiesen, um zum Ausbildungsbetrieb zu kommen und auch in der Freizeit", erklärte Schuldirektor Rudolf Schirmer, der die vielen Ehrengäste zur Ausstellungseröffnung willkommen geheißen hatte.

Die Ehrengäste sowie die bei der Eröffnung anwesenden Azubis zeigten sich bewegt von der von Marlene Schlund konzipierten Ausstellung - so auch Lukas Lorber, Azubi zum Mechatroniker mit Fachhochschulreife im zweiten Lehrjahr. Ein Bekannter von ihm starb mit 19 Jahren bei einem Verkehrsunfall. "Seitdem mache ich mir mehr Gedanken als vorher, rücksichtsvoller, bewusster und passiver zu fahren", räumt er ein.

Autor

Heike Schülein
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Veröffentlicht am:
12. 02. 2020
11:54 Uhr

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Autor

Heike Schülein

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Veröffentlicht am:
12. 02. 2020
11:54 Uhr



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