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Kronach

Wie der Wald der Zukunft aussieht

Die WBV Kronach- Rothenkirchen feiert in Neukenroth ihr 50-jähriges Bestehen. Dabei blickt man nicht nur zurück, sondern es gibt auch Tipps für den Forst-Umbau.



WBV-Vorsitzender Georg Konrad (links) dankte dem Präsidenten der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Olaf Schmidt, der die Festrede bei der 50-Jahr-Feier der WBV Kronach-Rothenkirchen gehalten hatte. Foto: Friedwald Schedel  

Neukenroth - Der Frankenwald der Zukunft wird nach Meinung von Olaf Schmidt von Tanne und Douglasie geprägt sein. Aber auch Laubbaumarten sollen für einen stabilen Mischwald sorgen. Der gebürtige Tettauer Schmidt ist Präsident der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Bei der 50-Jahr-Feier der Waldbesitzervereinigung (WBV) Kronach-Rothenkirchen hielt er am Sonntag in der Neukenrother Zecherhalle die Festrede. Dabei erinnerte er daran, wie der Frankenwald einst ausgesehen hatte und wagte einen Blick in die Zukunft.

Auszeichnungen

Vorsitzender Georg Konrad ehrte Geschäftsführer Wolfgang Schirmer für 20-jährige und Manuela Jung für 15-jährige Tätigkeit für die WBV Kronach-Rothenkirchen.

 

Der natürliche Wald in der Region wäre ein Buchenwald, sagte Schmidt. Dieser Laubbaum habe bis 1000 Jahre nach Christus dominiert, ebenso Tanne, Eibe und Eiche. "Der Wald ist ein Spiegelbild der Nutzung durch den Menschen. Brennholz, Bauholz, Flößerei, Köhlerei, Harznutzung, Streunutzung kennzeichnen dies", erklärte der Präsident. "Die Vorfahren haben ums Überleben gekämpft und mussten den Wald nutzen. Das Nadelholz ließ sich gut flößen. Die Buche war zu schwer, um sie flößen zu können. Deshalb gab es den Umschwung vom Laubwald zum Nadelwald." Die Buche sei ausgerottet worden, weil sie auch für die Pottasche zur Glasschmelze in den Glashütten gebraucht wurde. "Jahrhundertelang war die Tanne die führende Baumart, weil sie wuchskräftig ist", verdeutlichte Schmidt.

 

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts habe die Fichte ihren Siegeszug angetreten, weil nicht mehr nur einzelne Stämme genutzt wurde, sondern Kahlschlag erfolgte. "Die Kahlschlagswirtschaft ist der Tanne nicht förderlich. Die Fichte ist unkompliziert in der Bestandsgründung und liefert ein vielseitiges Holz. Innerhalb von 80 Jahren ging der Tannenanteil von einem Viertel auf unter zwei Prozent zurück. Im Klimawandel ist die Tanne vielleicht eine Baumart, die uns hilft", sagte Olaf Schmidt.

"Die heißen Sommer führen zu einer Änderung im Wasserhaushalt", erklärte er. In den vergangenen 30 Jahren sei die Jahresdurchschnittstemperatur stark gestiegen, man habe in Oberfranken fast schon Weinbauklima. 28 bis 29 Tage pro Jahr hätten die Bäume hier Trocken-Stress, weil zu wenig Regen falle. "Deshalb brauchen wir den Waldumbau mit mehreren Mischbaumarten", sagte der Präsident. "Weißtanne und Douglasie können die Fichte nicht ersetzen." Man brauche Baumarten, die sowohl Wärme im Sommer als auch Fröste im Winter vertragen. "Wir müssen den Wald zu klimastabilen Mischwäldern umbauen. Die Borkenkäfer sind in jedem Fichtenwald und schlagen nach Sturmwürfen und bei Trockenheit zu." Der Wald sei für die gesamte Gesellschaft wichtig. Deshalb brauchten Waldbesitzer die Unterstützung der Gesellschaft. Olaf Schmidt schloss mit einem abgewandelten Luther-Zitat: "Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch eine Tanne pflanzen."

Nach einem Dankgottesdienst schloss sich der Festakt in der Zecherhalle an. WBV-Vorsitzender Georg Konrad blickte zurück: 1969 wurde die WBV Kronach-Rothenkirchen von 36 Waldbesitzern gegründet. Heute zähle sie mehr als 1500 Mitglieder. Den Reigen der Grußworte eröffnete die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber per Videobotschaft. Sie dankte der WBV für ihre Leistung und versprach, dass die Politik die Waldbesitzer nicht alleine lasse. Gemeinsam wolle man die grüne Lunge Bayerns in eine gute Zukunft zu führen.

Ein großer Teil der Wälder befinde sich in Privateigentum und werde von Tausenden von Familien bewirtschaftet, sagte Stockheims Bürgermeister Rainer Detsch. Das Kapital in Wald und Flur solle vermehrt und an künftige Generationen weitergegeben werden. "Damals wie heute braucht es eine starke Gemeinschaft wie die WBV", betonte Detsch.

Landrat Klaus Löffler lobte, die WBV Kronach-Rothenkirchen sei die größte im Kreis Kronach und habe in den vergangenen 50 Jahren viel geleistet. Bayernweit habe man hier die größten Herausforderungen. Die 547 Millionen Euro des Bundes für den Waldumbau in den nächsten vier Jahren würden nicht reichen.

"Ihr seid so fit und jung wie nie", würdigte Wolfgang Schultheiß, Vorsitzender der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken (FVO), die WBV. Die Holzpreise seien zurzeit so niedrig, dass sie nicht einmal die Erntekosten deckten, bedauerte er. Viele Waldbesitzer in Franken hätten im kleinstrukturierten Privatwald schon aufgegeben. Schultheiß brachte eine Prämie für die Räumung von Schadflächen ins Gespräch. Man werde eine höhere Förderung auflegen, damit die Leute pflanzen und die Naturverjüngung voranbringen. Dies gehe wegen bürokratischer Hemmnisse viel zu langsam. Die Politik müsse die Waldbesitzer motivieren, forderte Schultheiß.

Michael Schmidt, Leiter der Forstbehörde in Stadtsteinach, bezeichnete die WBV als professionell aufgestellten Dienstleister. Man sei froh, dass es die Waldbesitzervereinigungen gibt. Er überreichte ein kleines Mammutbaum-Pflänzchen.

Auch 2. WBV-Vorsitzender Markus Wich stellte heraus, dass man den Waldumbau vorantreiben und klimatolerante Baumarten anbauen müsse: "Die nachhaltige Forstwirtschaft nutzt dem Wald. Wir als Waldbesitzer sind besondere Naturschützer, weil unser Handeln von der Liebe zum Wald geprägt ist." Der Festakt wurde von den Kronacher Jagdhornbläsern unter der Leitung von Klaus Rohleder musikalisch umrahmt.

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Friedwald Schedel
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Veröffentlicht am:
11. 11. 2019
17:18 Uhr

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Friedwald Schedel

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Veröffentlicht am:
11. 11. 2019
17:18 Uhr



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