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Kronach

Zug-Schläger muss in die Psychiatrie

Der 23-Jährige wird zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Einen versuchten Mord erkennt das Gericht nicht.



Zug-Schläger muss in die Psychiatrie
 

Coburg/Kronach - Der 23-Jährige, der im August letzten Jahres im Zug zwischen Kronach und Steinbach am Wald einen Behinderten bis zur Bewusstlosigkeit zusammengeschlagen hat, ist am Mittwoch am Landgericht Coburg zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt wurden. Er wird allerdings nicht ins Gefängnis kommen, sondern zur Behandlung in eine geschlossene psychiatrische Klinik.

"Es ist niemandem geholfen, wenn der Täter ohne Therapie aus dem Gefängnis kommt", betonte der Vorsitzende Richter Christoph Gillot in seiner Urteilsbegründung. Strafe müsse sein, sei aber gerade in diesem Fall nicht alles. Der Richter verwies auf ein Sachverständigengutachten, das dem 23-Jährigen eine Persönlichkeitsstörung attestiert. Unbehandelt sei er eine Gefahr für die Allgemeinheit. Es drohten massive Gewaltdelikte, die dem jungen Mann schließlich die dauerhafte Sicherheitsverwahrung einbrächten. Nachdem er selbst einer Therapie zugestimmt habe, gebe es durchaus Erfolgsaussichten.

Gillot erinnerte aber auch an das Opfer. "Wir haben es mit einem außergewöhnlichen Fall zu tun, der nachdenklich macht." Der Angeklagte, "ein trainierter Kickboxer", habe über zwei Minuten auf einen nach einem Autounfall behinderten Menschen eingeschlagen und eingetreten. Die psychischen Folgen für das 29-jährige Opfer seien schwerwiegend. Kaum habe er wieder ins Leben zurückgefunden, habe ihm der Täter Zuversicht und Selbstvertrauen auf brutale Weise genommen. "Eindrucksvoll und anrührend" habe die Mutter die schwierige Situation der Familie geschildert. Glück im Unglück sei, dass zumindest die körperlichen Verletzungen ohne dauerhafte Folgen geblieben seien.

Eindeutig sei die Beweislage, habe doch eine Überwachungskamera im Zug das massive Eindringen des 23-Jährigen auf sein Opfer aufgezeichnet (die Neue Presse berichtete). Nur mit dem Kopf schütteln konnte Richter Gillot, dass keiner der Mitreisenden eingegriffen habe. Massiv kritisierte der Richter zudem die Strategie eines der Verteidiger. Das Vorgehen sei teilweise "völlig unerträglich" gewesen. Gillot sprach von einem "Missbrauch der Möglichkeiten des Rechtsstaats. Ein Verfahren, das in drei Verhandlungstagen hätte abgeschlossen werden könne, habe sich so auf zwölf Prozesstage ausgedehnt. Die Antragsflut des Verteidigers sowie die Strategie, den Beschuldigten selbst als Opfer dazustellen, wollte schließlich sogar der 23-Jährige nicht mehr mit tragen. Er trennte sich nach neun Verhandlungstagen von dem Anwalt.

Die schwere Persönlichkeitsstörung des Angeklagten veranlasste die Kammer, nicht wie Oberstaatsanwalt Christopher Rosenberg auf versuchten Mord zu erkennen. Zu einem zielgerichteten Handeln aus niederen Beweggründen sei der 23-Jährige nicht in der Lage gewesen. Vielmehr sei er aufgebracht gewesen, nachdem er von einem Mädchen auf dem Kronacher Freischießen einen Korb bekommen hatte. Zudem sei er frustriert gewesen, weil er damit rechnete, in tiefer Nacht von Steinbach am Wald noch rund zehn Kilometer zu seiner Wohnung in Tettau laufen zu müssen. Auch ein Tötungsvorsatz liege nicht vor. Das Gericht stellte eine gefährliche Körperverletzung fest. Dem Opfer muss der Täter 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Autor

Mathias Mathes
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Veröffentlicht am:
17. 06. 2020
15:22 Uhr

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Mathias Mathes

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17. 06. 2020
15:22 Uhr



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