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Kronach

Zwei Bauanträge mit reichlich Zündstoff

Beide Projekte sind umstritten, beide betreffen Fischbach: Wahrend sich die Kronacher Räte mit einem neuen Pferdestall noch anfreunden konnten. zeigte man sich Thema Umspannstation weniger kompromissbereit.



Auf diesem Grundstück soll oben zwischen zwei Häusern in Hinterstöcken ein Reitplatz mit Pferdestall entstehen. Vorne rechts neben dem Hochspannungsmast wäre die Zufahrt. Foto: Karl-HeinzHofmann  

Kronach - Zwei Projekte, mit denen sich der Bau-, Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsausschuss der Stadt Kronach in der Sitzung am Donnerstag herumgeschlagen hat, werden die Stadträte wohl noch länger beschäftigen. Zum einen handelt es sich um einen Bauantrag für die Errichtung einer 110 KV-Umspannstation im Osten der Fischbacher Flur. Zum anderen geht es um einen Vorbescheid für die Errichtung eines Pferdestalls mit Reitplatz und Pferdeweiden in Hinterstöcken, ebenfalls in Fischbach.

Laut Stadtplaner Daniel Gerber bestünden gegen Letzteres keine grundsätzlichen planungsrechtlichen Einwände. Wo sonst solle ein Pferdestall entstehen können, wenn nicht im ländlichen Bereich und an einem Ortsrand, meinte der Stadtplaner. Er regte aber an, dass im Zuge eines Baugenehmigungsverfahrens der Stellplatznachweis dem gegebenenfalls größeren zukünftigen Nutzungsumfang anzupassen sei.

Hans Simon (SPD) sah die Lage trotzdem etwas problematischer, da der Stall sehr nahe an ein Wohngebiet grenze. Er schlug daher vor, den Pferdestall etwas zurück zu versetzen, um etwas mehr Abstand von den angrenzenden Wohnungen zu halten.

In diesem Vorschlag stimmte auch Dritter Bürgermeister Bernd Liebhardt (CSU) ein, der meinte, es müsse grundsätzlich geklärt werden, was machbar sei. Auch Winfried Lebok (CSU) schloss sich dem Vorschlag an, den Stall etwas weg vom Wohngebiet zu versetzen.

Claudia Wellach (CSU) brachte hingegen den von Anwohnern schriftlich eingereichten Bedenken großes Verständnis entgegen. Auch sie sehe eine Belästigung der Anwohner durch diese Pferdehaltung.

Stadtplaner Gerber erörterte, dass die Stadt nur über planungsrechtliche Gründe zu befinden habe, alles andere wie beispielsweise Immissionsschutz und andere mögliche Beeinträchtigungen seien vom Landratsamt als der Genehmigungsbehörde zu beurteilen. Er wies dabei auf vorliegende Schreiben der Anwohner hin. Diese äußerten ihre Bedenken in erster Linie über die befürchtete Geruchsbelästigung, aber auch einen Bachlauf und die Zu- und Abfahrt sehe man problematisch.

Das Gremium beschloss einstimmig, das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen, allerdings unter der Voraussetzung, dass die Privilegierung vorliegt und eine immissionsschutzrechtliche Überprüfung keine Hinderungsgründe ergibt. Zudem wurde vorgeschlagen, den Pferdestall etwas weiter vom Wohngebiet zu versetzen, Platz gebe es auf dem Grundstück genug um einen neunmal sieben-Meter großen Stall unterzubringen, hieß es.

Ein wesentlich größeres Projekt bildet der Antrag auf Errichtung einer 110 KV-Umspannstation. Daniel Gerber informierte, dass die Firma Münch ecoCharge aus Rugendorf einen Bauantrag für ein Grundstück in der Gemarkung Fischbach vorlegte. Das geplante Umspannwerk dient zur Einspeisung von regenerativ gewonnenem Windkraftstrom aus dem Windkraftwerk Rugendorf und ist für die Aufnahme und die Einspeisung von weiteren Photovoltaikanlagen (PV) der Firma Münch vorgesehen. Die Dimension beläuft sich auf eine Länge von 50,45 Meter und eine Breite von 17,50 und mit Blitzschutz auf eine Höhe 18,50 Meter. Das Umspannwerk, das von Bayernwerk gefordert wird, könne als Nebenanlage zu den stromerzeugenden Windkraft- und PV-Anlagen angesehen werden.

Der Einspeisungspunkt am geplanten Standort erfolgte nach Aussage der Firma Münch als Vorgabe durch das Bayernwerk. Nach Baugesetzbuch sind im Außenbereich Vorhaben nur zulässig, wenn öffentliche Belange nicht entgegenstehen, die ausreichende Erschließung gesichert ist und wenn es die Nutzung der Wind- oder Wasserenergie dient. Als Nebenanlage des vom Verwaltungsgerichtshof München genehmigten Windparks Rugendorf könnte die Umspannstation somit wohl unter die oben genannte Privilegierung fallen.

Ob im konkreten Fall der beantragten Errichtung der Umspannstation öffentliche Belange entgegenstehen oder nur beeinträchtigt werden, kann die Stadt Kronach allein nicht entscheiden. Hierzu sollten im Rahmen eines Bauleitplanverfahrens Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange eingeholt werden. Insbesondere sei nach Aussage von Stadtplaner Gerber zu prüfen, ob die folgenden Belange entgegenstehen. Schädliche Umwelteinwirkungen, Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege, Beeinträchtigung/Eigenart der Landschaft und ihrem Erholungswert.

Neben dem durch die Stadt Kronach im Genehmigungsverfahren stets abgelehnten Windpark Rugendorf soll die Umspannstation weiteren angekündigten PV-Anlagen (außerhalb der Gemarkung Kronach) mit einer Kapazität von 90 Megawatt (MW) dienen. Zum Vergleich zog Gerber die PV-Anlage Knellendorf heran die 1,8 MW leiste. Gegen diese Dimensionen von PV Anlagen bestünden erhebliche Bedenken aus Teilen der Bevölkerung. Bisher würden die Flächen landwirtschaftich genutzt. Das Bauvorhaben wäre nach derzeitigem Kenntnisstand abzulehnen, soweit Stadtplaner Gerber.

Das Gremium erteilte dem Bauherrn Mario Münch das Wort. Dieser stellte klar, dass der Standort von Bayernwerk auserkoren und einige weitere vorher geprüft wurden. Seine Projekte in den Landkreisen Kronach und Kulmbach würden von den Bürgermeistern der fünf betroffenen Kommunen unterstützt.

Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) meinte, dass man auf breiter Basis über so ein Projekt entscheiden werde. Das heißt, man wolle die Bürger durch ein Bauleitplanverfahren mitnehmen. Ähnlich äußerten sich Bernd Liebhardt, Tino Vetter (FW), Klaus Simon (SPD), der eher noch für einen Bürgerentscheid plädierte, Martina Zwosta (FL) und Hans Simon. Winfried Lebok meinte dazu: "Kronach wird weder mit Strom aus dem Projekt versorgt, noch befinden sich Standorte auf Kronacher Gebiet,"

Die Bürgermeisterin und der Stadtplaner schlugen dem Investor vor, vorerst den Antrag zurückzuziehen. Münch aber erklärte angesichts der Investitionssumme werde er keinen Rückzieher mehr machen. Dem Beschlussvorschlag von Daniel Gerber, jetzt den Antrag abzulehnen, stimmte das Gremium zu. Der Antrag wird an das Landratsamt weitergereicht.

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Karl-Heinz Hofmann
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Veröffentlicht am:
26. 06. 2020
14:42 Uhr

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Karl-Heinz Hofmann

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26. 06. 2020
14:42 Uhr



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