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Frage des Tages

Die Leserfrage

Die Sache mit dem Home-Office

Die Corona-Krise hat die Arbeitswelt ordentlich durcheinandergerüttelt: Viele Arbeitnehmer mussten während des Lockdowns ins Home-Office wechseln - und ganz viele sind immer noch dort. Denn Social Distancing, das Abstand halten, ist ein wichtiger Faktor im Kampf gegen die Pandemie.



Doch wer daheim arbeitet, hat auch Unkosten. Etliche Fragen gingen in der Redaktion ein, welche Auswirkungen das Homeoffice in der Steuererklärung für 2020 haben könnte. "Wenn jemand von seinem Arbeitgeber aus Home-Office machen muss, kann er oder sie das dann bei der Einkommensteuer angeben?", fragte etwa ein Betriebsrat nach.

Wir reichten diese Frage an Teresa Geisler weiter, sie ist Steuerberaterin bei der Ecovis AG. Die Fachfrau weiß, dass aufgrund der Corona-Krise nach wie vor viele im Home-Office arbeiten und nicht im Betrieb ihres Arbeitgebers. "Da stellt sich natürlich die Frage, ob sie jetzt Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich geltend machen können", sagt die Steuerberaterin.

Doch leider sei das so einfach gar nicht möglich. "Anteilige Miete oder Heizkosten lassen sich nur dann absetzen, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellt und kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. So steht es im Gesetz." Trotz Corona wird dies in den meisten Fällen nicht der Fall sein. Nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Heimarbeit wegen einer behördlichen Auflage, könnte sich der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit ins heimische Arbeitszimmer verlagern.

Anstatt eines unbegrenzten Abzugs der tatsächlichen Kosten ist ein beschränkter Abzug der Kosten bis zu 1250 Euro wahrscheinlicher, erklärt die Steuerberaterin. "Voraussetzung hierfür ist zunächst, dass dem Mitarbeiter kein anderer Arbeitsplatz für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit zur Verfügung steht. Ein anderer Arbeitsplatz steht aber nur dann zur Verfügung, wenn der Mitarbeiter ihn auch tatsächlich nutzen kann." Wurde, wie in vielen Fällen die Betriebsstätte aufgrund von Corona vom Arbeitgeber geschlossen, steht dem Arbeitnehmer der eigentliche (Büro-)Arbeitsplatz nicht mehr für dessen Tätigkeit zur Verfügung. Infolgedessen entfalle die Sperrwirkung des anderen Arbeitsplatzes, so Geisler. "In diesen Fällen ist der beschränkte Werbungskostenabzug bis 1250 Euro grundsätzlich eröffnet."

Damit das Finanzamt die Aufwendungen anerkennt, sind zusätzlich folgende Anforderungen zur privaten Mitbenutzung zu beachten. Ein Zimmer, das zwar büromäßig eingerichtet ist, aber darüber hinaus als Spiel-, Gäste- oder Bügelzimmer genutzt wird, lehnen die Finanzämter als Arbeitszimmer sehr häufig ab. Denn die Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers muss ausschließlich oder nahezu ausschließlich zu betrieblichen oder beruflichen Zwecken erfolgen. Geisler: "Schon eine private Mitnutzung ab zehn Prozent ist schädlich. Eine Aufteilung in betrieblich oder beruflich veranlasste Aufwendungen und privat veranlasste Kosten ist leider nicht zulässig." Auch wenn der Finanzminister das bereits gefordert hat, die Finanzverwaltung habe bisher leider keine Erleichterung zu den momentan geltenden Grundsätzen veröffentlicht und hält somit an ihren strengen Voraussetzungen fest.

"Wichtig beim Thema Home-Office ist zudem: Der Steuerpflichtige muss nachweisen, dass ihm kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht", erklärt Geisler weiter. "Am besten ist es, der Arbeitnehmer lässt sich dies von seinem Arbeitgeber bescheinigen."

Und dann ist noch in einem Punkt Vorsicht geraten: "Wer Steuern sparen will mit dem häuslichen Arbeitszimmer, muss das Thema Pendlerpauschale auf dem Radar haben." Normalerweise könnten Arbeitnehmer für die Fahrt zur Arbeit pro Arbeitstag 30 Cent pro Entfernungskilometer als Werbungskosten bei den Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit von der Steuer absetzen. Werde der Arbeitnehmer aufgrund von Corona über einen längeren Zeitraum in seinem Home-Office tätig, ist die Zahl der tatsächlichen Arbeitstage im Betrieb unter Umständen deutlich geringer als im Vorjahr. "Damit reduzieren sich dann leider auch die berücksichtigungsfähigen Kosten für die Pendlerpauschale", erklärt Geisler abschließend. K. D. Foto: Ecovis

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Veröffentlicht am:
25. 06. 2020
00:00 Uhr

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25. 06. 2020
00:00 Uhr



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