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Lichtenfels

Die Kelten kommen zurück

Am Staffelberg wird ein über 2000 Jahre altes Tor rekonstruiert. Es soll die keltische Kultur am Obermain sichtbar werden lassen. Jetzt haben die Grabungen begonnen.



So ähnlich könnte das Keltentor auf dem Staffelberg aussehen. Die Grabungen am Fuße des Berges sollen jetzt zu einem Bauplan führen.	Grafik: W. Hegel
So ähnlich könnte das Keltentor auf dem Staffelberg aussehen. Die Grabungen am Fuße des Berges sollen jetzt zu einem Bauplan führen. Grafik: W. Hegel   » zu den Bildern

Bad Staffelstein - Wanderer, die den Staffelberg via Fußweg von Bad Staffelstein aus erklimmen möchten, müssen einen Umweg in Kauf nehmen. Denn der Weg führt gegenwärtig mitten durch eine Ausgrabungsstelle. Die Ausgrabungsstelle für ein Keltentor, das vor gut 2000 Jahren an dieser Stelle stand, und die nun mit einem Bauzaun gesichert ist.

Die Kelten

Als Kelten bezeichnete man seit der Antike Volksgruppen der Eisenzeit in Europa. Der Begriff Kelten geht auf griechische Überlieferungen aus dem 6. und 5. Jahrhundert vor Christus zurück. Als gesichert gilt, dass die Kelten nie ein geschlossenes Volk bildeten. Die Stämme siedelten von den Quellen der Donau bis zum Hinterland von Marseille.

Die Kelten betrieben Ackerbau und Viehzucht. Auf kleinen umzäunten Äckern wurden Emmer, Dinkel,Gerste und Hirse, aber auch Saubohnen, Erbsen und Linsen angebaut.

Sie gelten als Vorreiter bei der Weiterentwicklung des Wagens. Sie erfanden Drehschemellenkung und Federung. Auch in der Metallverarbeitung waren sie sehr geschickt.

Grabfundebelegen den ausgedehnten Handel der Kelten mit allen Völkern des antiken Europa. Exportiert wurden zum Beispiel Eisen, Holz, Salz, Waffen, Werkzeuge und Prunkwagen, aber auch Textilien und Schuhe. Importiert wurden Glas, Wein und andere Luxusgüter.

Die Keltischen Stämme übernahmen das Geldwesen von Griechen und Römern, ab Ende des 3. Jahrhunderts vor Christus prägten sie eigene Goldmünzen.

Quelle: Wikipedia

 

"Bis letztes Jahr waren wir nicht sicher, ob das Bauwerk keltisch ist oder aus der Neuzeit stammt", erklärt der leitende Archäologe Dr. Markus Schussmann am Freitag zum Beginn der offiziellen Grabungsarbeiten am Fuß des Staffelbergs. Aber die Experten fanden Belege.

 

Nägel aus Eisen, bis zu neun Zentimeter lang, Beschlagbänder, Bleche, Scherben, die zu keltischen Töpfen gehören. Alles über 2000 Jahre alt. Und Teile eines Trophäenschädels, der mutmaßlich zur Abschreckung an einem der Torpfosten hing. Seit Gewissheit über den keltischen Ursprung besteht, treibt der Landkreis Lichtenfels das Vorhaben voran.

Landrat Christian Meißner spricht von einem außergewöhnlichen Projekt, mit dem der Landkreis das Leben der Kelten am Obermain erfahrbar machen möchte. Und von einem wuchtigen Zeichen. Allerdings. Das Tor, ein sogenanntes Zangentor, bei dem Ankömmlinge von rechts und links in die Zange genommen werden konnten, ist etwa sieben Meter breit und drei bis dreieinhalb Meter hoch. Zudem gehen trichterförmig zwei etwa 20 Meter lange Mauern ab.

Meißner appelliert an alle, den Ausgrabungszaun zu respektieren. Der Landkreis werde die Bevölkerung über die Funde auf dem Laufenden halten, auch in einem Blogg.

Wie das Tor genau aussehen wird, lässt sich noch nicht sagen. In einem ersten Schritt soll bis Oktober das Torgebäude aufgedeckt werden. Anschließend werden die Mauern freigelegt. Sobald die exakten Grundrisse dokumentiert sind, kann ein Bauplan erstellt werden. Einiges steht jetzt schon fest: Die Kelten verbauten gewaltige Balken aus Eichen, etwa 40 mal 40 Zentimeter stark. Derartige Balken sollen auch bei dem Zangentor wieder Verwendung finden. Die Bayerischen Staatsforsten, die das Projekt unterstützen , haben bereits mit dem Einschlag von Eichenbäumen begonnen.

Kelten lebten schon über 100 Jahre vor Christus auf dem Staffelberg. Sie bauten eine richtige Anlage mit oberer und unterer Stadt, ein sogenanntes Oppidum. Etwa 30 bis 50 Jahre vor Christi Geburt verließen sie den Berg am Obermain. Warum, ist noch nicht erforscht. Das Zangentor wurde auf jeden Fall in Brand gesteckt, wie die Überreste verraten. Schussmann: "Das kann von einer kriegerischen Handlung herrühren. Es kann aber auch sein, dass die Kelten freiwillig gegangen sind und niemanden etwas hinterlassen wollten. Wir wissen es nicht."

Dr. Andreas Büttner vom Landesamt für Denkmalpflege begrüßt das Projekt. An die Geschichte der Kelten erinnerten am Staffelberg bislang nur ein paar unauffällige Tafeln und ein verstecktes Mauerstück. Der Landkreis Lichtenfels habe eine Idee entwickelt, die Geschichte anschaulich zu vermitteln und verständlich zu machen. Bei dem Tor zum Maintal hin dürfte es sich um den größten Zugang zu der keltischen Stadt handeln.

Der Autor Helmut Vorndran, der die keltische Kultur am Staffelberg in seinem Roman "Isarnon" kenntnisreich beschreibt, hat sich Keltenbauwerke in ganz Europa angesehen: "Ein originalgetreues keltische Zangentor gibt es nirgends, das ist einmalig."

Kommentar Seite 12

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Martin Fleischmann

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Veröffentlicht am:
13. 04. 2018
17:08 Uhr

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Martin Fleischmann

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13. 04. 2018
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