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Lichtenfels

Die große Welt der kleinen Dinge

Für seinen Miniaturkosmos hat Matthias Zirkelbach extra ein Grundstück gekauft und ein Häuschen gebaut. Auf 20 Quadratmetern spielt der begeisterte Modelleisenbahner das reale Leben nach - bis ins letzte Detail.



Matthias Zirkelbach kuppelt eine Lok an einen historischen Waggon. Fotos: Andreas Welz
Matthias Zirkelbach kuppelt eine Lok an einen historischen Waggon. Fotos: Andreas Welz   » zu den Bildern

Buch am Forst - Einmal im Leben eine Fahrt mit dem legendären Orient-Express unternehmen, mit dem Krokodil durch die Schweizer Alpen schnaufen - diesen Traum haben sicher viele Eisenbahnfans. Matthias Zirkelbach aus Buch am Forst erfüllt sich diesen Traum jeden Tag, und dafür braucht er lediglich ein paar Schritte durch den Garten zu gehen, zu seinem "Hauptbahnhof in Buch".

In dem eigens für seine Modellbahnanlage gebauten Häuschen taucht er in eine faszinierende Miniwelt ein. Seit mittlerweile knapp zehn Jahren baut der passionierte Modelleisenbahner dort eine Landschaft auf, die das Herz eines jeden Gleichgesinnten höher schlagen lässt.

Die Anlage im Karton

Doch die Geschichte fängt viel früher an. Als Sechsjähriger schenkte ihm sein Großvater eine Märklin-Eisenbahn mit Dampflok und vier Waggons. "Es war nur ein Kreis mit zwei Weichen", erinnerte er sich. Der heute 43-Jährige hat dann bäuchlings auf dem Boden gelegen, alles aufgebaut und die Bahn immer im Kreis fahren lassen. Mit zwölf Jahren war dann plötzlich Schluss mit der Begeisterung. Die Mutter packte die Anlage in einen Karton und verstaute sie auf dem Dachboden.

Mittlerweile hatte er geheiratet und trat in als Handwerksmeister in den Familienbetrieb ein. Eine Wende trat ein, als Sohn Samuel mit vier Jahren in einem Kaufhaus eine Modelleisenbahn erblickte und glänzende Augen bekam. Der Vater stieg auf den Dachboden, packte die alten Kartons auf und plötzlich war sie wieder da, die Begeisterung für die Modelleisenbahn. Das Kind im Manne erwachte, unbewusst heilte er in seinem erwachsenen Leben eine kleine Seelenecke.

Der kleine Kreis von damals reichte nicht aus und es folgten Schienen, Weichen, Loks und Waggons. Zuerst werkelte er in einer Garage, aber auch dort wurde es langsam eng. Schließlich erwarb der inzwischen passionierte Modelbahnbauer ein Nachbargrundstück und baute dort sein Eisenbahnhaus. Hier konnte er seine Leidenschaft austoben. Auf 20 Quadratmetern entstand eine große Welt der kleinen Dinge.

Das Wunderland ist akribischer Modellbau, mit Miniaturautos, bei denen Blinker, Warnblinker und Fernlicht funktionieren. So wie die in der Wirklichkeit funktionierenden Dinge. Die Spurbreite der Hauptbahn ist H0, der Maßstab also eigentlich 1:87. Aber dann würden die Türme zu hoch, das Fußballfeld zu groß oder die Burgruine zu mächtig. Also hat er dezent geschummelt. "Es geht ja nicht um einen akkuraten Nachbau real existierender Welten, sondern um die Konstruktion von Fantasie-Welten", machte er deutlich.

Die Entdeckungsreise auf der 20 Quadratmeter großen Anlage ist phantastisch. Aus der Epoche drei bis vier, also aus den 50er- und 60er-Jahren, gibt es neben der Hauptbahn eine Nebenbahn in der Spur N (neun Millimeter) und eine Grubenbahn mit Spur Z (Maßstab 1:220). Matthias als Genießertyp und ausgefuchster Tüftler schätzt die Märklin Z: Der Reiz dieser filigranen Kleinigkeiten entfaltet sich selbst auf engstem Raum großartig. Denn bei aller umgesetzten Präzision wartet die Baugröße mit fast grenzlosem Fahr- und Spielspaß auf. In dem Bergwerk bewegt ein Wasserrad die Fördereinrichtung, im Schacht fährt ein Bergmann in den Stollen und oben kreist die ratternde Grubenbahn. Die ganze Anlage ist digital vernetzt.

450 Waggons

Vom Schaltpult oder von einzelnen Schaltstellen kann das Wunderland gesteuert werden. Die Sammlung besteht aus 160 Triebköpfen, E-, Diesel- oder Dampfloks mit 450 Waggons. An vier Zentral-Stationen und in drei Schattenbahnhöfen stehen Züge bereit, ihre Reise durch die Miniaturwelt anzutreten. Es geht vorbei an einem Fußballplatz wo der Pressefotograf mit der Kamera in Aktion ist. Am Dorfplatz plätschert der Brunnen, die Burgruine grüßt von weitem und darunter breitet sich der Stausee aus. Die Feuerwehr löscht einen Wohnhausbrand, täuschend echt sind die Wasserstrahlen der C-Rohre. Das ist für dem Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Buch am Forst besonders wichtig. Am Feuerwehrhaus findet gerade ein Dorffest statt. Auf der Bank neben dem Gerätehaus prosten sich die Gäste zu. Alles ist in Bewegung und ein ausgeklügeltes Beschallungssystem macht alles erlebbar: Das Läuten der Kirchenglocke, die Feuerwehrsirene, die Einheitsglocke an der Bahnschranke bimmelt oder ein Glockenspiel läutet eine bekannte Melodie. Vom Hauptbahnhof ertönt die Stimme: "Achtung am Gleis vier, zurückbleiben, der Zug fährt ab".

Doch auch viele skurrile Besonderheiten sind zu sehen. Im Kornfeld vergnügt sich ein Liebespaar, eine Liebesdienerin lädt in ihrem Wohnwagen zum Schäferstündchen ein, im Bauernhof steigt ein Pferd auf, der Maler streicht ein Haus und der Jäger schießt mit hellem Blitz den Hirsch. Daneben fällt der Holzmacher eine Tanne, die zitternd zu Boden kracht. Und darüber kreist ein Storch an einer unsichtbaren Leine um seinen Horst.

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Von Andreas Welz
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Veröffentlicht am:
15. 09. 2015
00:00 Uhr

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Von Andreas Welz

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15. 09. 2015
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