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Lichtenfels

Garantiert veganfreie Kabarettkost

Diese Frau selbst ist der pure Wahnsinn. Und so lautet auch das Programm der Gruberin, die sich in Lichtenfels wieder einmal gekonnt in Rage redet. Sehr zur Freude ihrer Fans.



Die Gruberin, die Powerfrau vom Bauernhof, rechnet mit Kopfhör-Müttern, Veganern und der MeToo-Debatte ab. Und das Publikum in Lichtenfels dankt es ihr mit stehenden Ovationen.
Die Gruberin, die Powerfrau vom Bauernhof, rechnet mit Kopfhör-Müttern, Veganern und der MeToo-Debatte ab. Und das Publikum in Lichtenfels dankt es ihr mit stehenden Ovationen.  

Lichtenfels - "Gott mit dir, du Land der Bayern" tönt es aus den Lautsprechern, Luftaufnahmen von lieblichen bayerischen Landschaften sind zu sehen. Dann betritt Monika Gruber die Bühne und begrüßt ihr Publikum in der ausverkauften Lichtenfelser Stadthalle. Von Hof, Schweinfurt, Würzburg, Fürth sind sie gekommen, um dem blonden Gift und Superweib vom Bauernhof in Oberbayern zu Füßen zu liegen. Und mit ihrer Herkunft kokettiert sie auch während des gesamten Programms: Die "Großkopferten" aus der Großstadt hätten ja keine Ahnung, dass nur Landeier wie sie am Oktoberfest den bayerischen Ochsen am Spieß von der preußischen Sau unterscheiden können. Oder wie auf dem Bauernhof in Erding die Whirlpooltechnik "von acht sauerkrautfurzenden Familienmitgliedern" im gleichen Badewasser ersetzt werde.

Mit ihrer extrem hohen Sprechfrequenz, ihren polemisierenden Parodien und Persiflagen löst die Gruberin wahre Begeisterungsstürme aus. Mit bestens austarierter, bestechender Gestik und Mimik betört sie das Publikum, sie spielt mit ihren Fans.

"Was ist bloß los mit unserer Welt?", bedauert sie etwa: Influenza infizierte Blogger seien plötzlich Influencer sind und Sascha Hehn werde als Traumschiffkapitän vom Musikantenstadl-Silbereisenzwerg ersetzt. Dessen schauspielerischen Qualitäten dürfe man aber nicht unterschätzen, zumal er jahrelang den Mann an Helene Fischers Seite mimen durfte, ätzt die Gruberin. Und weiter: Klimawandel, soziale Überhitzung und überbordernde Toleranz, die sich sofort ins Gegenteil pervertiere, prägten unsere Tage. Die Gruberin geht dabei auch hart mit der Kinderwagen schiebende Kopfhörermutti-Fraktion ins Gericht. Diese Frauen könnten sich den Kinderpsychologen sparen, wenn sie statt mit Thermomix und Alexa einfach mal mit ihren Kindern sprechen würden. Von heutigen Erziehungsmethoden der Eltern zeigt sich die Gruberin halt wenig begeistert. Einen Geburtstag für einen zweijährigen im Happywonderland zu feiern, erzeuge bei ihr nur noch Kopfschütteln - könne man doch das Kind auch in den hauseigenen Sandkasten scheißen lassen. Mit ihrem typischen rollenden R redet sie sich zunehmend in Rage und fordert die verzogenen Schrazen zu mehr Respekt auf.

Sie wettert weiter über bis zur Halskrause tätowierte "Tunnelohrindividuen", deren Ohrringe wie Espressountertassen anmuten. Oder über die Quinoa und Tobinambur fressende Veganerin, die ihre Tofu-Weißwurst genießen will. Das sei nichts anderes, als wenn sie sich "den Leberkas aus Brokkoli schnitzt".

Angesichts des alltäglichen Grauens bleibe ihr und ihrer Frau Mama nichts anderes übrig, als den düsteren psycho- und sozialgeschädigten Tatorten und deren Kommissaren zu entrinnen und in die rosarote Welt der Rosamunde Pilcher und Inga Lindström einzutauchen.

Die Krönung des Abends stellt dann der Gruber-Papa dar, der ganz in ballonseidenem Trainingsanzug frisch vom Karteln aus der Kneipe kommt. Auf die Frage "Liebst du mich?" beteuert er: "Ich habe es doch bei der Hochzeit gesagt, wenn es sich ändert, sage ich Bescheid!"

Freilich, so ist der bayerische Humor. Dessen lapidare Einfachheit spiegelt sich auch in den kulinarischen Vorlieben der oberbayerischen Thermomixhasserin wider. Cremes und Pürees sind der Gruberin zuwider. Selbst im hohen Alter könne man schließlich auch noch zahnlos ein Schnitzel lutschen. Currywurst, viel Fleisch und Toast Hawaii bahne sich so ungeniert den Weg in ihren Magen. Auch brauche sie keine Action im Urlaub, allein das Vor und Zurück der Wellen würde sie erholen lassen.

Überhaupt ganz viel Unmut löst bei ihr die MeToo-Debatte aus. Kein Wunder, wenn Frau mittlerweile depressiv werde, wenn Komplimente oder Drinksspendieren ausblieben. Die älteren Herren einschließlich ihr Vater wüssten noch, wie das gehe, trauerte sie alten Zeiten nach. Was bliebe Frau da anderes übrig, als in südlichere Macho-Gefilde zu fliehen? Und ganz wehmütig lautet ihr Abschiedscredo passend zum Programm: "Mir ist, als war‘s erst gestern g‘wesen - Wahnsinn!"

Autor

Birgit Kunig
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
04. 02. 2019
16:52 Uhr

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Birgit Kunig

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04. 02. 2019
16:52 Uhr



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