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Lichtenfels

Prozess um Mord mit Bierkrug: Sogar Verstorbene kommen zu Wort

Im Prozess um eine lange zurückliegende Bluttat hat das Gericht mit Problemen zu kämpfen. Zum Beispiel bei der Zeugen-Vorladung.



Coburg/Lichtenfels - Im Prozess um eine 28 Jahre zurückliegende Bluttat in einem Asylbewerberheim in Weismain (Landkreis Lichtenfels) gab die Strafkammer des Landgerichts Coburg unter dem Vorsitz von Richter Christoph Gillot am Montag schon seit Jahren verstorbenen Zeugen eine Stimme.

Ein rumänischer Staatsbürger soll 1992 in dem Heim in Weismain einen Mitbewohner ermordet haben. Die Polizei fand den toten Landsmann des heute 63-jährigen Angeklagten blutüberströmt in seinem Bett. Der Beschuldigte soll mit einem Bierkrug den Schädel seines schlafenden Opfers eingeschlagen haben. Wegen der Arglosigkeit des Opfers und des brutalen Vorgehens des Täters hat die Coburger Staatsanwaltschaft Mordanklage erhoben. Der 63-Jährige, der erst 2019 aufgrund eines internationalen Haftbefehls in Rumänien verhaftet worden war, sagt, dass er unschuldig sei.

Bei der Vorladung von Zeugen hat das Gericht mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zum einen sind Zeugen, die seit Jahren im Ausland leben, schwer zu finden. Die Corona-Pandemie erschwert ihr Erscheinen in Coburg zusätzlich. Zum anderen ist eine ganze Reihe in Frage kommender Zeugen bereits verstorben, etwa der frühere Hausmeister des Asylbewerberheims und der Wirt einer Kneipe in Burgkunstadt, wo der Angeklagte verkehrte.

Richter Gillot ließ die Aussage des verstorbenen Wirts gegenüber der Polizei verlesen. Demnach war der Beschuldigte damals aufgefallen, weil er seinen eigenen Schnaps mit in das Lokal gebracht habe. Er sei zwar großzügig damit umgegangen, habe Gästen und dem Wirt selbst davon angeboten. Der habe ihm jedoch klargemacht, dass dies in einem Lokal alles andere als üblich sei. Beeindrucken lassen habe sich der Gast davon nicht sonderlich, habe er doch mitunter nicht nur Hochprozentiges mitgebracht, sondern immer mal wieder auch eine Brotzeit. Einmal sei er in die Kneipe mit einer verbundenen Hand gekommen. Inwiefern dies etwas mit der Ermordung des Asylbewerbers zu tun hatte, blieb am Montag offen. Offenkundige Spuren, etwa Blut, seien an dem lange in der Asservatenkammer aufbewahrten Krug nicht zu entdecken gewesen, sagte ein Polizist: "Das Tatwerkzeug erschien sauber." Auf Fotos vom Tatort sei der Bierkrug noch blutverschmiert gewesen. Das "saubere" Tatwerkzeug erschwert auch in Zeiten der DNA-Analysen die Arbeit der Ermittler.

Weitere vier Verhandlungstage sind geplant. Plädoyers und Urteil sollen voraussichtlich am 15. Juli ab 13 Uhr erfolgen.

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Mathias Mathes
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Veröffentlicht am:
16. 06. 2020
16:14 Uhr

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Mathias Mathes

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Veröffentlicht am:
16. 06. 2020
16:14 Uhr



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