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Lichtenfels

Weniger Alkohol ist besser

"Alkohol nur trinken, wenn man sich wohl fühlt, keine Probleme hat und auch dann nur in kleinen Mengen". Diesen Rat gibt Dr. Michael Schwarzkopf.



Michael Schwarzkopf.
Michael Schwarzkopf.  

Lichtenfels - "Alkohol nur trinken, wenn man sich wohl fühlt, keine Probleme hat und auch dann nur in kleinen Mengen". Diesen Rat gibt Dr. Michael Schwarzkopf. Der promovierte Pädagoge verfügt nicht nur über jahrelange Praxis in der Abhängigenarbeit, er weiß auch aus eigener Erfahrung, was es heißt, alkoholkrank zu sein. Knapp 50 Besucher sind zu seinem Vortrag am Dienstagabend in den großen Sitzungssaal des Landratsamtes gekommen. Manch einer spricht die Problematik mit großer Offenheit an. In welchen Dimensionen das Thema in der Bundesrepublik akut ist, das macht Jugendamtsleiter Achim Liesaus anhand von Zahlen deutlich. Demnach hatten 9,5 Millionen Deutsche schon einmal in riskanter Weise Kontakt mit Alkohol. 1,3 Millionen Menschen sind abhängig.

Wie Abhängigkeit entsteht

In seinem Vortrag möchte Schwarzkopf, der in seinem ersten Beruf Lehrer an einer Grundschule war, aufzeigen, wie eine Alkoholabhängigkeit entsteht, ihre Behandlung und Maßnahmen zur Vorbeugung. Es fange mit kleinen Mengen an und werde immer mehr. "Als ich mich einmal rasieren wollte, zitterte meine Hand und ich hatte Schweiß auf der Stirn", berichtet Schwarzkopf. Doch anstatt seiner Ehefrau zu beichten, "da schau her ich zittere, ich kann nicht mehr unterrichten", haben sich seine Abwehrkräfte mobilisiert. "Ich bin doch kein Alki, ich schlaf doch nicht unter einer Brücke", sagte etwas in ihm. Doch schon lange vor der körperlichen Abhängigkeit sei er gefühlsmäßig abhängig gewesen.

Der Referent sprach von inneren und äußeren Einflüssen. Als Bub mit 15 Jahren habe er in einer Art Mutprobe vor den Augen des Lehrers und der Schulkameraden eine Maß Bier auf Ex gelehrt. Alle klatschten Beifall, bewunderten ihn und Schwarzkopf hatte den ersten Rausch seines Lebens. Später im Studium bekam der Alkohol unbewusst "eine Aufgabe". Er habe aus Einsamkeit getrunken, aus Angst, Niedergeschlagenheit. Bei Prüfungsängsten half nicht Bier allein, es musste schon Schnaps sein. Eines musste Schwarzkopf leidvoll am eigenen Leibe erfahren: Der Alkohol kann ein komplettes Leben bestimmen. "Freizeit gibt es für einen Abhängigen nicht mehr, die ist mit dem entsorgen des Leerguts und der Sorge um den Nachschub ausgefüllt." Infolge seiner Abhängigkeit verlor er seinen Arbeitsplatz, seine erste Frau ließ sich scheiden.

Therapie

In einem ersten Therapieschritt muss sich der Abhängige bewusst werden, welche Störfaktoren es in seinem Leben gibt. Schließlich muss er erkennen, was er in Zukunft nicht mehr erleben möchte. Bei Schwarzkopf war es der Arbeitsplatzverlust, die Scheidung und der Moment der Todesangst, den er während einer Entziehungskur erlebte. Auch nach einer erfolgreichen Therapie lauern auf einen Abhängigen ein Leben lang zwei Gefahren. Das erste Glas und wenn das Gefühl nach Alkohol überhand nimmt. "Wenn der Saufdruck übermächtig wird, braucht man eine Entspannung", sagt Schwarzkopf. Er hat sie mit einer speziellen Atemtechnik und einer eigenen Strategie gefunden. Heilbar ist eine Abhängigkeit nicht, sie kann nur durch eine lebenslange Abstinenz zum Stillstand gebracht werden. Dem Besucher seines Vortrags gibt Schwarzkopf drei suchtvorbeugende Verhaltenstipps mit auf dem Weg. Alkohol nur trinken, wenn man es selbst will. Niemals aus Gruppendruck trinken. Gelöst werden die Probleme durch Saufen nicht. "Stattdessen alternative Kompetenzen einsetzen. Der Vortrag fand im Zuge der bundesweiten Aktionswoche "Alkohol? Weniger ist besser!" statt. gst

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Veröffentlicht am:
26. 05. 2011
00:00 Uhr

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26. 05. 2011
00:00 Uhr



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