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Kurze Verunsicherung

Der Skandal um Fipronil-belastete Eier ist noch nicht vollständig aufgearbeitet. Trotzdem lassen sich bereits Lehren daraus ziehen. So ist offensichtlich, dass die EU-weite Zusammenarbeit in Sachen Lebensmittelsicherheit immer noch Mängel aufweist.



Von Werner Ludwig
Von Werner Ludwig  

Der Skandal um Fipronil-belastete Eier ist noch nicht vollständig aufgearbeitet. Trotzdem lassen sich bereits Lehren daraus ziehen. So ist offensichtlich, dass die EU-weite Zusammenarbeit in Sachen Lebensmittelsicherheit immer noch Mängel aufweist. In einem gemeinsamen Markt, in dem jeder überallhin liefern kann, dürfen Informationen über möglicherweise gesundheitsgefährdende Produkte nicht, wie in Belgien, wochenlang in der Schublade liegen. Klar ist auch, dass noch so strenge Vorschriften rücksichtslose Geschäftemacher nicht davon abhalten können, zu unerlaubten Mitteln zu greifen. So gelangte wohl auch das Insektengift in ein an sich harmloses Präparat zur Bekämpfung von Geflügelmilben. Das erinnert an die
Futterpanscherei beim Dioxin-Skandal im Jahr 2011.

 

Wenn in der Ernährungsbranche etwas schiefläuft - sei es durch Nachlässigkeit oder kriminelle Energie - steht regelmäßig die gesamte Nahrungsproduktion am Pranger. Tatsächlich liegt hier auch manches im Argen - etwa in der Tierhaltung, wo längst nicht alle Ställe so aussehen, wie sie aus Sicht des Tierschutzes sollten. Als Folge der Massenproduktion sind bei Problemen sofort viele Verbraucher betroffen. Und schließlich lehrt die Erfahrung, dass die Wahrscheinlichkeit von Mauscheleien mit wachsendem Kostendruck steigt.

Daraus abzuleiten, dass früher alles besser war, wäre aber ein Trugschluss. Denn die Qualität der Lebensmittel ist heute in vielerlei Hinsicht höher als in früheren Zeiten, als etwa gravierende Hygienemängel weit häufiger vorgekommen sind. Auch die Belastung mit Pflanzenschutzmittel-Rückständen ist seit Jahren rückläufig. Zudem funktioniert die Information der Verbraucher im Fall des Falles - mal abgesehen von der Schlamperei in Belgien - mittlerweile recht gut. Jeder kann via Internet schnell erfahren, welche Produkte möglicherweise bedenklich sind. Auch die Herkunft einzelner Lieferungen lässt sich schneller ermitteln. Wenn Menschen in den Industrieländern heute durch Lebensmittel zu Schaden kommen, dann vor allem durch Über- und Fehlernährung.

 

Trotzdem ist die Aufregung groß, wenn ein Skandal ans Licht kommt. Das liegt auch daran, dass viele Verbraucher keine Ahnung mehr haben, woher ihre Nahrung kommt. Sie müssen darauf vertrauen, dass in einer langen Produktionskette jeder sauber gearbeitet hat. Sobald es einen Grund gibt, daran zu zweifeln, ist dieses Vertrauen dahin. Andere interessieren sich ohnehin kaum für die Herkunft, solange die Auswahl groß und die Preise niedrig sind. Doch auch diese Gruppe lässt sich durch Skandale verunsichern - seien die tatsächlichen Risiken wie jetzt bei Fipronil auch noch so klein. Allerdings hält dieser Zustand selten lange an. Die meisten von denen, die nun die etwas teureren Eier aus der Region kaufen, werden sich bald wieder beim Discounter eindecken - und sie haben auch ein Recht darauf, auch dort einwandfreie Ware zu erhalten.

 

Das System, nach dem Produktion und Vertrieb von Lebensmitteln heute organisiert sind, ist letztlich das Ergebnis täglicher Entscheidungen von Millionen von Kunden. Die Konsumenten haben es in der Hand, Erzeugnisse aus der Region ohne weite Transportwege zu kaufen. Sie können auch gezielt nach Fleisch fragen, das nach höheren Tierschutzstandards produziert wurde. Das bringt mehr, als sich lautstark über Skandale aufzuregen - und kurz darauf wieder auf Lebensmittel-Schnäppchenjagd zu gehen.

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Werner Lud
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Veröffentlicht am:
09. 08. 2017
00:00 Uhr

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Werner Lud

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09. 08. 2017
00:00 Uhr



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