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Länderspiegel

Agrar-Experten fordern naturnahe Förderpolitik

Bei einer Anhörung im Agrarausschuss des Landtags haben mehrere Experten ein Umsteuern in der EU-Agrarpolitik empfohlen.



München - Bei einer Anhörung im Agrarausschuss des Landtags haben mehrere Experten ein Umsteuern in der EU-Agrarpolitik empfohlen. Gerade um landwirtschaftliche Familienbetriebe zu stützen, aber auch um neuen Herausforderungen beim Umwelt- und Klimaschutz gerecht zu werden, sollten die Direktzahlungen an die Landwirte schrittweise hin zu einer gezielten Förderung gesellschaftlicher Leistungen in die sogenannte "2. Säule" umgeschichtet werden. Im Vergleich zu anderen Bundesländern nehme Bayern mit dem Kulturlandschaftsprogramm und dem Vertragsnaturschutz schon eine führende Rolle ein, doch wären auch im Sinne der besseren Akzeptanz bäuerlichen Wirtschaftens in der Bevölkerung noch klarere Schwerpunktsetzungen wünschenswert.

Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter, erklärte, wenn sich an der Lage der Landwirte wirklich etwas ändern solle, "dann muss man die Grundausrichtung der Agrarpolitik hinterfragen". Die zu einseitig auf die Senkung der Produktionskosten ausgerichtete Förderpolitik sei "ausgereizt". Nötig wäre, die Marktstellung der Landwirte zu verbessern und die Fördergelder stärker an gesellschaftliche Leistungen wie den Naturschutz oder das Tierwohl zu koppeln.

Hubert Heigl von der Landesvereinigung Öko-Landbau forderte einen "grundsätzlichen Wandel". Die Bauern würden sich immer schneller "im Hamsterrad der effizienten Produktion" drehen, der Blick auf eine nachhaltige Landwirtschaft sei im Fördersystem zu gering ausgeprägt. Als Ziel gab er an, den Fördertopf für Umwelt-, Landschafts- und Klimaleistungen von derzeit rund 50 auf 70 Prozent aller an die Landwirte ausgezahlten Fördergelder zu erhöhen. Dies unterstützte Sebastian Lakner vom Thünen-Institut für Ländliche Räume. Die flächenbezogenen Direktzahlungen würden große Betriebe bevorzugen und hätten eine immer intensivere Landwirtschaft zur Folge.

Auch Matthias Borst vom Bayerischen Bauernverband sprach sich für eine Aufstockung der Mittel in der "2. Säule" aus, die von der Hälfte der bayerischen Landwirte genutzt werde, betonte aber die Bedeutung der Direktzahlungen zur Absicherung der bäuerlichen Einkommen. Schließlich dienten diese vor allem dazu, den Landwirten die höheren Produktionskosten im Vergleich zum Weltmarktniveau zu ersetzen. Insgesamt müsse die bewährte Zwei-Säulen-Förderung erhalten bleiben. Auch Josef Weiß von der Landesanstalt für Landwirtschaft sprach sich für den Fortbestand der Direktzahlungen aus. Bei Nebenerwerbsbauern trügen diese mit bis zu 90 Prozent zum Gewinn bei. Ohne diese Einkünfte würden wohl viele Höfe komplett aufgegeben.

Nach Angaben des EU-Agrarexperten Michael Niejahr sehen die aktuellen Pläne der EU-Kommission für eine Agrarreform die Umschichtung von Direktzahlungen in Richtung der Familienbetriebe vor. Zudem soll es mehr Anreize in Sachen Umwelt- und Klimaschutz geben. Den EU-Mitgliedsstaaten will die Kommission mehr Gestaltungsspielraum beim Mitteleinsatz einräumen. Diese sollen je nach regionalem Bedarf selbst entscheiden können, ob der Förderschwerpunkt mehr auf den Direktzahlungen oder der Agrarumweltförderung liegt.

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Jürgen Umlauft
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Veröffentlicht am:
06. 11. 2019
19:42 Uhr

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Jürgen Umlauft

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06. 11. 2019
19:42 Uhr



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