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Länderspiegel

Bargeld ist doch schneller als Karte

Bezahlen mit Bargeld gilt Kritikern als umständlich und zeitraubend. Doch Verzögerungen an der Ladenkasse entstehen nicht unbedingt durch das Kramen im Geldbeutel nach Scheinen und Münzen.



Bargeld und EC-Karte
Der Studie zufolge sind Zahlungen mit Schein und Münze rund sieben Sekunden schneller als mit Karte und Eingabe der PIN-Nummer. Foto: Arne Dedert   Foto: dpa

Lange Schlangen an der Ladenkasse nerven viele Verbraucher. Doch ausgerechnet das von Kritikern als umständlich gescholtene Bargeld ist einer Studie zufolge vergleichsweise schnell.

«An der Ladenkasse ist die Barzahlung noch immer das schnellste und kostengünstigste Zahlungsmittel», sagte Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann am Dienstag in Frankfurt. Das gilt teilweise sogar im Vergleich zum kontaktlosen Bezahlen mit der Karte quasi im Vorbeigehen.

Eine durchschnittliche Barzahlung an der Ladenkasse dauert gut 22 Sekunden und kostet rund 24 Cent je Transaktion, wie aus der Untersuchung der Deutschen Bundesbank und des Handelsinstitutes EHI hervorgeht. Zahlungen mit Schein und Münze sind damit rund sieben Sekunden schneller als mit Karte und Eingabe der PIN-Nummer, beim Einsatz des Plastikgeldes mit Unterschrift sind es sogar 16 Sekunden. Ausgewertet wurden mehr als 3000 Bezahlvorgänge in 15 Geschäften im Herbst und Sommer 2017.

Mittlerweile kann man in Deutschland in fast allen Supermärkten auch mit dem Smartphone oder der Karte kontaktlos seine Rechnung begleichen. Die Studie berücksichtigte diese Entwicklungen durch eine Simulation. Demnach dauert das kontaktlose Bezahlen mit Karte bei Beträgen bis 25 Euro, für die in der Regel keine PIN eingegeben werden muss, nur 15 Sekunden. Größere Summen haben dagegen weiterhin eine Kassierzeit von knapp 30 Sekunden.

Der Untersuchung zufolge liegen Barzahlungen und die Girocard (EC-Karte) bei den Kosten für den Handel nicht weit auseinander. Zahlungen bis 50 Euro sind demnach mit Schein und Münzen günstiger, weil hier die Fixkosten im Schnitt geringer sind. Bei höheren Beträgen ist die Girocard die günstigere Variante. Am teuersten sind demnach Kreditkarten bis etwa einem Euro je Transaktion. Zu den Kosten zählen unter anderem Gebühren für Kartenanbieter, Kosten für das eigene Personal, Geldtransport sowie Anschaffung und Wartung von Kartenterminals. Die Gesamtkosten der Zahlungsverfahren belaufen sich für den Einzelhandel auf 5,432 Milliarden Euro jährlich.

Nach wie vor hängen die Bundesbürger an Scheinen und Münzen. Von jährlich rund 20 Milliarden Transaktionen im Einzelhandel erfolgen die meisten mit Cash. «Drei von vier Zahlungen an der Ladenkasse werden in bar abgewickelt», sagte Beermann. Vor allem bei kleinen Beiträgen greifen die Menschen zu Scheinen und Münzen. Größere Anschaffungen, zum Beispiel das neue Sofa, werden dagegen eher mit Karte bezahlt.

Ob kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone oder der Karte dem Bargeld den Rang abläuft, lässt sich derzeit schwer absehen. Nach Einschätzung von Euro Kartensysteme, ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Kreditwirtschaft, bringt die neue Technologie die Karte auch in Bereiche, die bisher reine Bargelddomänen waren, wie etwa Bäckereien. Der für Bargeld zuständige Bundesbank-Vorstand sieht es ganz pragmatisch: «Der Bürger entscheidet, wie er zahlen will.»

Mehr als die Hälfte der Verbraucher kann sich laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom nicht vorstellen, auf Bargeld zu verzichten. Zugleich wächst allerdings der Anteil derjenigen, die mit Karten und mobil mit dem Handy bezahlen: 44 Prozent der Bundesbürger würden nach eigener Aussage inzwischen auch komplett auf Scheine und Münzen verzichten.

Fast jeder Dritte hat der Umfrage zufolge schon mindestens einmal mit dem Handy oder einer Computeruhr bezahlt - vor allem im Supermarkt. «Schon bald werden sich auch bei uns digitale Bezahlformen durchsetzen», prognostizierte Bitkom-Präsident Achim Berg jüngst.

Das mobile, kontaktlose Bezahlen spare Zeit und reduziere lange Schlangen an Kassen oder Fahrkartenautomaten, warb Berg. Wer noch nicht mobil bezahlt, hat der Umfrage zufolge allerdings häufig Sicherheitsbedenken.

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dpa

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Veröffentlicht am:
08. 11. 2019
15:49 Uhr

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08. 11. 2019
15:49 Uhr



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