Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Länderspiegel

Das BKA gibt bei der Suche nicht so schnell auf

Ungeklärte Tötungsdelikte, Straftäter und Vermisste stehen auf der Fahndungsliste des Bundeskriminalamtes. Manche Fälle liegen schon lange zurück.



Der Vormarsch der sozialen Netzwerke habe auch die öffentliche Fahndung verändert, vor allem in Sachen Datenschutz, erklärt das BKA. Foto: Silas Stein/dpa
Der Vormarsch der sozialen Netzwerke habe auch die öffentliche Fahndung verändert, vor allem in Sachen Datenschutz, erklärt das BKA. Foto: Silas Stein/dpa  

Wiesbaden - Die Leiche der zehnjährigen Adelina aus Bremen wurde 2001 gefunden. Auch rund 17 Jahre nach dem Sexualmord ist die Tat ungeklärt - aber nicht vergessen. Das Bundeskriminalamt (BKA) bittet nach wie vor auf seiner öffentlichen Fahndungsliste um Hinweise. Der Fall "Adelina" zählt zu den ältesten in der Reihe, die im Internet rund 50 Einträge umfasst. Es wird nach Straftätern und Vermissten gesucht - ebenso nach Zeugen von Verbrechen und nach Menschen, die etwas über die Identität von Leichen wissen.

Welcher Fall auf die Liste kommt, entscheiden Gerichte, wie das BKA in Wiesbaden erklärt. Dabei geben die Richter auch vor, ob ein Gesuchter mit vollem Namen genannt werden darf. Angesichts der Medienwirksamkeit sei die Öffentlichkeitsfahndung keine Standardmaßnahme, sondern werde jeweils für den Einzelfall geprüft, heißt es vonseiten der Behörde. Es müsse besonders sorgfältig abgewogen werden zwischen einer möglichst effektiven Tätersuche einerseits und den Persönlichkeitsrechten andererseits.

Der Vormarsch der sozialen Netzwerke habe auch die öffentliche Fahndung verändert, vor allem in Bezug auf den Datenschutz, erklärt das BKA. "Fahndungsaufrufe in digitalen Medien - insbesondere bei Facebook oder Twitter - erfordern daher umfangreichere Prüfungen als dies bei klassischen Medien der Fall war."

Von der Bundesdatenschutzbeauftragten Andrea Voßhoff kommen mahnende Worte. "Gerade die Öffentlichkeitsfahndung greift intensiv in die Grundrechte ein", erklärt ihr Sprecher. "Insbesondere gilt dies bei der Veröffentlichung von Bildern im Internet." Einmal publizierte Daten könnten von Dritten kopiert und weiter verbreitet werden. "Wird ein Verdacht später entkräftet, bleibt der oder die Betroffene trotzdem als gesuchte Person im Internetgedächtnis gespeichert."

Datenschutz bedeute nicht, dass die Suche nach Beschuldigten nicht möglich wäre, erläutert Voßhoff. In Einzelfällen komme es jedoch durchaus zum unverhältnismäßigen Einsatz der Öffentlichkeitsfahndung. Die Datenschützerin fordert, Fahndungsdaten nicht unreglementiert Dritten zu überlassen. Die Ermittlungsbehörden müssten sicherstellen, dass sie weiter auf die Daten einwirken und sie beispielsweise auch löschen können.

Beim Erfolg einer öffentlichen Fahndung ist die Bandbreite groß: Die Spanne liegt zwischen wenigen Stunden und reicht bis hin zu mehrjährigen ergebnislosen Suchen, wie das BKA berichtet. Statistiken gebe es nicht. Die Ermittler verweisen auf eine Erhebung des ZDF zum 50-jährigen Bestehen der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY... ungelöst", als eine Aufklärungsquote von rund 40 Prozent ermittelt worden sei.

Öffentlichkeitsfahndungen können der Polizei nach den Erfahrungen des BKA auf ganz unterschiedliche Art und Weise helfen: Mal kommt ein wichtiger Hinweis von Zeugen, mal provozieren sie beim Straftäter einen Fehler - und manchmal stellen sich die Gesuchten auch selbst, weil der Druck zu stark wird.

Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg sei auch die Empathie, die durch den Aufruf erzeugt wird. Das Mitgefühl der Menschen mit den Opfern ist beispielsweise dann besonders groß, wenn Kinder sexuell missbraucht wurden. "Daher wird ein großes mediales Interesse erzeugt und die Vervielfältigung der Fahndung erhöht sich um ein Vielfaches", teilt das BKA mit. Seit 2017 seien nach Missbrauchsfällen dreimal mit Öffentlichkeitsfahndungen die mutmaßlichen Täter gesucht worden. In jedem dieser Fälle wurde binnen 24 Stunden ein Verdächtiger ermittelt.

Lange zurückliegende Taten können manchmal mit Hilfe der Bevölkerung noch geklärt werden, so die Erfahrungen des BKA. Nicht nur im Fall "Adelina" bleiben daher Aufrufe teils viele Jahre bestehen. Die Suche nach dem wegen fünffachen Mordes gesuchten Norman Volker Franz - ein Fall aus den 90er-Jahren - wurde sogar im Februar 2018 mit einer neuen Stimmensequenz aktualisiert. dpa

 

 

Lesen Sie dazu auch die Artikel zum Fall Heike H. >>>

 

Autor

Andrea Löbbecke
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 10. 2018
21:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andrea Voßhoff Bundesdatenschutzbeauftragte Bundeskriminalamt Datenschutz Datenschützer Deutsche Presseagentur Facebook Fahndungen Grabung bei Naila Medienwirksamkeit Persönlichkeitsrecht Polizei Twitter Tötungsdelikte Verbrecher und Kriminelle Vermisste ZDF
Wiesbaden
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Die Öffnung der Straße sorgte im vergangenen Jahr für Aufsehen in Naila. Letztlich fanden die Ermittler aber keine Hinweise auf menschliche Überreste.

04.10.2019

Wie geht es weiter im Fall Heike H.?

Der Nailaer Vermisstenfall beschäftigt die Ermittler weiter. Sie arbeiten intensiv daran, das Schicksal der jungen Frau 30 Jahre nach ihrem Verschwinden aufzuklären. » mehr

Der Polizeibericht in der Wochenendausgabe unserer Zeitung vom 7./8. Februar 1987 geht auf den Vermisstenfall Heike H. ein.

10.10.2018

Seit einem Abend in der Diskothek fehlt jede Spur

Heike H. hat am 4. November 1986 ihr Elternhaus auf "ungewöhnliche Weise" verlassen. So meldete es die Polizei damals. Was geschah mit ihr? Der Fall wird derzeit neu bewertet. » mehr

Walter Lübcke

Aktualisiert am 17.06.2019

Mordfall Lübcke: Tatverdächtiger soll aus Lichtenfels stammen

Die Bundesanwaltschaft geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der mutmaßliche Täter soll im Umfeld der NPD tätig gewesen sein. » mehr

Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Polizei München, gab am Montag Details zu der Suche nach einer 41-jährigen Frau und ihrer Tochter bekannt. Am Wochenende ist von der Münchner Mordkommission der Ehemann (ein Foto von ihm im Bildhintergrund) festgenommen worden.	Foto: Sven Hoppe/dpa

22.07.2019

Eine Vermisstensuche wird zum Mordfall

Seit mehr als einer Woche fehlt von einer 41-Jährigen und ihrer Tochter jede Spur. Die Polizei glaubt an Mord und nimmt den Ehemann der Frau fest. » mehr

"Er fühlt sich durch das Urteil gerecht behandelt": Boujemaa L. (vorne, Mitte) ist mit dem Urteil einverstanden. Foto: Daniel Karmann/dpa

30.09.2019

Sophia Lösches Mörder akzeptiert Urteil

Das Urteil im Fall der getöteten Anhalterin ist rechtskräftig. Der Täter will zu seiner Schuld stehen. Der Bruder des Opfers sieht eine ganz andere Motivation. » mehr

Polizist

08.07.2019

Polizisten im Einsatz treffen immer öfter auf Hass und Gewalt

Die Zahlen des Innenministeriums erreichen Höchstwerte. Es gab fast 4400 Delikte. Minister Herrmann nennt die Entwicklung erschreckend. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Kirchweih Lahm

Kirchweih Lahm | 15.10.2019 Lahm
» 16 Bilder ansehen

Oktobermarkt in Ebern

Oktobermarkt in Ebern | 14.10.2019 Ebern
» 12 Bilder ansehen

Schauübung der Kronacher Feuerwehr

Schauübung der Kronacher Feuerwehr | 14.10.2019 Kronach
» 13 Bilder ansehen

Autor

Andrea Löbbecke

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 10. 2018
21:24 Uhr



^