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Länderspiegel

Drogen, Falschgeld und Darknet

Ein "dicker Fisch" ist der Kripo ins Netz gegangen. Der 37-jährige Kulmbacher sitzt aufgrund schwerer Strafvorwürfe seit Ende Mai in Untersuchungshaft.



Ende Mai klickten die Handschellen: Ein 37-jähriger Kulmbacher steht im Verdacht der Geldfälschung und des Drogenhandels. Der Mann ist für die Polizei kein Unbekannter, das Gefängnis ist ihm nicht fremd.
Ende Mai klickten die Handschellen: Ein 37-jähriger Kulmbacher steht im Verdacht der Geldfälschung und des Drogenhandels. Der Mann ist für die Polizei kein Unbekannter, das Gefängnis ist ihm nicht fremd.   Foto: dpa

Kulmbach - Es war ein von vielen Menschen in der Umgebung beachtetes Spektakel, als am 29. Mai die Kripo in einer Wohnsiedlung in Kulmbach einen Mann festnahm und ihn abführte. Stundenlang, berichten Zeugen, sei die Wohnung des 37-Jährigen durchsucht worden. Bis heute sei er nicht zurückgekehrt. Das wird wahrscheinlich auch noch eine Weile so bleiben. Der Kulmbacher sitzt in Untersuchungshaft. Die Bayreuther Staatsanwaltschaft macht ihm schwere Strafvorwürfe. Gegen ihn läuft ein Verfahren wegen des Verdachts der Geldfälschung und des Handels mit nicht geringen Mengen Betäubungsmitteln, bestätigte Staatsanwalt Jochen Götz jetzt gegenüber der Frankenpost .

Auf die Spur gekommen sind dem Kulmbacher die Ermittler des Bayreuther Kommissariats Cybercrime. In der letzten Maiwoche hatte sich der Verdacht gegen den Mann so weit erhärtet, dass die Beamten in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft zugreifen konnten. Inzwischen, sagt die Kripo, habe man dem 37-Jährigen Straftaten im Zusammenhang mit Falschgeld, darunter auch konkrete Bezahlvorgänge mit falschen Scheinen in Kulmbach, nachweisen können. In der Wohnung des Mannes wurde auch eine beträchtliche Menge an Rauschgift sichergestellt.

Der Mann sei bereits Ende 2018 im Rahmen einer Falschgeld-Ermittlung in den Fokus der Cyber-Polizisten geraten, heißt es. Staatsanwalt Jochen Götz berichtet, was es damit auf sich hatte. Im Darknet habe der Mann eine beträchtliche Menge falscher Geldscheine geordert. Eine an den Kulmbacher adressierte Lieferung per Post aus dem europäischen Ausland sei aber nicht mehr zugestellt, sondern bereits zuvor in einem Briefzentrum abgefangen worden. Herausreden kann sich der Mann aber wohl kaum: Die Polizei habe mindestens in einem Fall einen in Kulmbach in den Verkehr gebrachten Geldschein dem 37-Jährigen zuordnen können. Der 50-Euro-Schein sei zunächst nicht als falsch erkannt worden. Aber als die Polizei sich daran machte, den Weg des Scheins zurückzuverfolgen, habe die Spur eindeutig zu dem Kulmbacher geführt, sagt der Bayreuther Staatsanwalt.

Die Suche nach der Herkunft der von Kulmbach aus in einem Nachbarland bestellten Scheine habe die Spezialisten für Internetkriminalität in den nicht-öffentlichen Bereich des Internets, das sogenannte Dark-net, geführt, berichtet Polizeisprecherin Anne Höfer. Sie verweist, ebenso wie auch Staatsanwalt Götz darauf, dass die Ermittlungen noch weiter laufen.

Als die Kripo Ende Mai an einem Mittwoch vor der Tür des Kulmbachers stand, hatten die Beamten nicht nur einen Durchsuchungsbefehl, sondern auch schon einen Haftbefehl in der Tasche. In diesem Zusammenhang entdeckten die Fahnder auch rund 250 Gramm Cannabis in der Wohnung, die in einem gutbürgerlichen Siedlungsgebiet liegt.

Seit Ende Mai sitzt der 37-Jährige jetzt hinter Gittern und wird sich auf einen Prozess einstellen müssen. Es wird für ihn nicht der erste sein. Der Mann, das bestätigte Staatsanwalt Götz, ist erheblich vorbestraft. Auch das Gefängnis ist nicht neu für ihn.

Eine seiner Taten hatte im Jahr 2008 über Kulmbach hinaus Schlagzeilen gemacht. Im März vor elf Jahren war er am Karfreitag an einem, wie die Polizei es seinerzeit ausdrückte, "äußerst heimtückischen und brutalen Raubüberfall" am Kulmbacher Flugplatz beteiligt und war wegen gefährlicher Körperverletzung und schwerer räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren sowie zu einer Zwangstherapie verurteilt worden. Der damals 25-Jährige hatte zusammen mit einem zwei Jahre jüngeren Freund einen Mann aus Pegnitz zum Flugplatz gelockt, der sich dort eigentlich ein Schäferstündchen mit zwei minderjährigen Mädchen erhofft hatte. Die jungen Frauen waren nicht erschienen. Stattdessen traf der Pegnitzer auf deren Freund und dessen Bekannten. Die beiden vermummten Männer setzten ihrem Opfer schwer zu, schlugen mit einem Baseballschläger und Fäusten auf den Mann ein und zwangen ihn, sich auszuziehen. Dann raubten sie die Geldbörse des Mannes und ließen ihn nackt und schwer verletzt zurück. Der Versuch, mit der geraubten EC-Karte auch das Konto zu plündern, scheiterte. Das Opfer hatte seinen Peinigern eine falsche PIN-Nummer gesagt. Die Fahndung erregte großes Aufsehen. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei aus Nürnberg war beteiligt gewesen, weil auch eine Schusswaffe im Spiel war. Die hatte der jetzt 37-jährige Kulmbacher damals auf sein Opfer gerichtet, als er dessen Geldbeutel gefordert hatte.

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
05. 07. 2019
00:00 Uhr

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Melitta Burger

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05. 07. 2019
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