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Länderspiegel

Drohender Felssturz: Falscher Alarm in Kurort

Erleichterung herrscht nach dem Fehlalarm vom Sonntag. Allerdings schlug bei einer Nachbarin im Januar ein Felsbrocken ein.



Am Sonntag wurden in Bad Berneck sieben Personen aus ihren Häusern evakuiert.   Foto: red » zu den Bildern

Bad Berneck - Aufatmen in Bad Berneck: Die Warnung vor einem drohenden Felssturz, die zur Evakuierung von sieben Personen aus ihren Häusern geführt hatte, war nach Experteneinschätzung vom Montag falscher Alarm. Ganz ohne Risiko ist es aber dennoch nicht, sich direkt unter dem Kurhausfelsen aufzuhalten.

Tanja Vicente ist das Ganze ein bisschen unheimlich. Die Bad Berneckerin arbeitet in dem Juweliergeschäft schräg unterhalb des Felsens, der mit seinem kleinen Überhang etwas bedrohlich wirkt. Erst vergangene Woche habe eine Kundin sie gefragt, ob sie sich nicht vor einem Felssturz fürchtet, erzählt sie. "Der Fels bleibt dort, wo er ist", habe sie geantwortet. Dann, am Sonntagnachmittag, habe ein Bekannter sie verständigt, dass an der Felswand etwas vorgeht. Noch vor der Feuerwehr sei sie vor Ort gewesen, habe die Stelle von der Eisenleite gegenüber aus gesucht und gefunden und sei zu dem Ergebnis gekommen: Das Juweliergeschäft unterhalb liegt weiter rechts, also außerhalb der Gefahrenzone. "Sonst hätte ich nicht ruhig schlafen und heute auch nicht zur Arbeit gehen können."

Bürgermeister Jürgen Zinnert war privat auswärts unterwegs, als ihn die Warnung eines Anwohners kurz vor 14 Uhr am Handy erreichte. Es sei eine "Gesteinsmasse in der Größe eines Hauses" in Bewegung geraten, hieß es. Er habe telefonisch Feuerwehr-Ehrenkommandant Wolfgang Maisel gebeten, die Stelle in Augenschein zu nehmen. Der habe nach einem Blick vom Pfarrer-Kneipp-Weg aus bestätigt: Es sehe nicht mehr so aus, wie es mal war. Daraufhin alarmierte der Bürgermeister Kreisbrandrat Hermann Schreck und machte sich selber auf den Weg.

Die Feuerwehr rückte mit der Drehleiter aus Gefrees an, mit der Drohne der Feuerwehr Benk wurde die Stelle im Fels fotografiert. Ein Experte des geologischen Dienstes des Landesamtes für Umwelt von der Außenstelle in Hof war gegen 17 Uhr vor Ort, besah sich die Stelle und die Drohnenbilder. Der Geologe habe zwar keinen großen Gesteinsabgang bestätigen, ein Risiko aber auch nicht ausschließen können. So habe man sich sicherheitshalber entschlossen, die beiden Familien unterhalb der Stelle - zwei Paare und drei Kinder - zu evakuieren. Sie hätten die Nacht jeweils bei Bekannten verbracht, sagte Zinnert. Die Firma Schicker wurde gebeten, am Montag vorsichtshalber auf Sprengungen im nahen Steinbruch zu verzichten. Weil die Formation aus dem Basaltgestein Diabas insgesamt stabil wirkte, sei die Straße nicht gesperrt worden. "Am Ende des Tages war die Lage weit weniger dramatisch, als man anfangs befürchten musste", sagte Zinnert.

Was die Entscheidung schwierig machte: Der stark zerklüftete Kurhausfelsen war vor zwei Jahren mit drei Fangzäunen und einer Stahlarmierung gesichert worden, die damaligen Fotos aber liegen wegen eines Rechtsstreits derzeit beim Anwalt, nicht im Rathaus. So konnten die Experten sie am Sonntag nicht zum Vergleich heranziehen. Das wurde am Montagvormittag nachgeholt. Mitarbeiter der Firma, die den Fels vor zwei Jahren gesichert hatten, seien zu dem Schluss gekommen, dass es "keinerlei Veränderungen zu 2017 gegeben hat", sagte Zinnert am Montagmittag. Die Evakuierung wurde aufgehoben.

Trotz aller Erleichterung: Ganz ungefährlich ist es unter dem Kurhausfelsen nicht, deshalb wurden vor zwei Jahren die Sicherungen gegen Steinschlag angebracht. Gerüchten zufolge könnte es auch Zusammenhänge mit zunehmendem Lastwagenverkehr oder Sprengungen im Steinbruch geben. Zinnert glaubt, dass Witterungseinflüsse und eindringendes Wasser die Ursache für Steinschläge sind.

Einschlägige Erfahrungen mit dem Thema hat Sibel Gümüs gemacht, deren Haus wenige Meter neben den evakuierten Gebäuden liegt. Sie zeigt einen etwa 80 Zentimeter langen und 40 Zentimeter breiten Gesteinsbrocken, der zwischen ihrem Haus und der Felswand liegt. Der Brocken sei im Januar auf ihrem Hausdach aufgeschlagen. Passiert sei weiter nichts, die beschädigte Stelle ist immer noch mit Plastikfolie abgedeckt. Angst, in ihrem Haus zu leben habe sie jetzt nicht, sagt sie auf Nachfrage. Nur hinter das Haus, wo immer noch der schwere Brocken liegt, gehe sie nicht mehr gerne.

Autor

Peter Rauscher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 07. 2019
08:22 Uhr

Aktualisiert am:
01. 07. 2019
17:20 Uhr

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Autor

Peter Rauscher

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Veröffentlicht am:
01. 07. 2019
08:22 Uhr

Aktualisiert am:
01. 07. 2019
17:20 Uhr



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