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Länderspiegel

Ein Königreich für einen Führerschein

Peter Fitzek wurde ohne Papiere am Steuer erwischt. Das Oberhaupt des "Königreiches Deutschland" ficht das nicht an.



"König von Deutschland" vor Gericht
Der selbst ernannte "König von Deutschland", Peter Fitzek, im Gerichtssaal. Foto: Hendrik Schmidt   » zu den Bildern

Hof - Nach einer guten Stunde faucht die Anwältin den Oberstaatsanwalt an. "Sie brauchen gar nicht so zu stöhnen. Sie werden hierfür gut bezahlt!" Armin Zuber, der Oberstaatsanwalt am Landgericht Hof, schüttelt die Einlassung von Christin Konrad ab und fordert pikiert einen Vermerk im Protokoll. Zuber wollte stöhnen. Zwei Stunden sollte er einer Majestät zuhören. Die - korrekt sei "Peter, Menschensohn des Horst und der Erika, aus dem Hause Fitzek" - hatte viel einzuwenden gegen den Vorwurf, er sei mit einem BMW ohne Führerschein mit 163 Sachen über die A 9 bei Berg (Landkreis Hof) gebrettert, obwohl dort Tempo 100 gilt.

Termin

Die Verhandlung wird am Freitag um 9 Uhr am Landgericht Hof fortgeführt.

 

Darum geht es: Fahren ohne Fahrerlaubnis. In der Berufungsverhandlung. Was in den Gerichtssälen nebenan eine Sache von einer halben Stunde ist, wird beim selbst ernannten König des Königreichs Deutschland zu einer anderen Nummer. Acht bewaffnete Polizisten passen auf, die Aktenstapel sind geschätzte 30 Zentimeter hoch, das Gericht setzt drei Tage an - voraussichtlich. Fahren ohne Fahrerlaubnis.

 

Fitzek hat es zu einer gewissen Berühmtheit gebracht im Land, weil er sich in Wittenberg 2012 zum König krönen ließ und fortan meinte, Herr über ein neun Hektar großes Gebiet zu sein. Ein Reich mit Administration, mit Rentenkasse und - "falls Not am Mann ist" - einer Deutschen Garde. Und damit war die Kulisse des ersten Prozesstages schillernd aufgerichtet. Denn: "Ich hatte einen Führerschein des Königreichs Deutschland." Einer seiner "bestallten Beamten" habe das Papier ausgestellt. Und dann hatte der 53-Jährige noch einen Touristenführerschein aus Paraguay in der Hinterhand. Den hatte im ersten Verfahren vor drei Jahren am Amtsgericht Hof ein Gutachter schon als Fälschung zerpflückt. Der Angeklagte spricht plötzlich von einem zweiten - der bestimmt echt sei.

Fitzek, heute mit bunten Vögeln auf himmelblauem Hemd, über dem ein langer schwarzer Pferdeschwanz baumelt, lächelt über Stunden hinweg, zitiert wortgetreu Paragrafen und lässt sein Auditorium an seinen Kenntnissen der Korintherbriefe teilhaben. Denn gottgewollt sei nicht nur seine Herrschaft über sein Reich, das vor zwei Jahren ein großes Polizeiaufgebot zwangsgeräumt hat. Auch die Paraguay-Papiere seien eine Fügung. Denn wenn schon niemand die Echtheit seines Reich-Führerscheins anerkennen wolle - voilà.

Es geht um etwas. Fünf Monate ohne Bewährung hatte das Amtsgericht über ihn verhängt. Daher die Berufung - teilweise. "Ich verliere Prozesse absichtlich, um in die nächste Instanz zu kommen", erklärt er. Um dann in insgesamt dreistündiger Redezeit vom harmlosen Ansinnen seines Wirkens zu reden. Er habe den Staat ausgerufen, weil nicht mehr alles gepasst habe in der Bundesrepublik. Weil er es besser haben wolle, für sich und seine Bürger. "Chronisch gesund" sollen sie alle werden unter seiner Ägide.

Vorsitzende Richterin Anke Schattner hört zu. Gelegentlich wirft sie ein, dass sie die Erklärungen über den UN-Sicherheitsrat, den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, Palästina und den Kosovo nicht mehr mit dem Verfahrensgegenstand in Verbindung bringen kann. Fahren ohne Fahrerlaubnis. Und Peter Fitzek lässt sie wissen, dass sie ihn an einer andere Richterin erinnere, die so "ehrlich, herzlich und herzerwärmend" sei.

Aber das angebliche Staatsoberhaupt lässt nicht mit sich handeln. Er zieht die Sezession des Königreichs von der Bundesrepublik in ein legales Feld der Staatsjuristerei. Und im Glauben, dass sein Staat real existiert, sei alles, was folgt, rechtens - auch sein Führerschein. Damit sei jedweder Vorsatz vom Tisch. Er und seine Anwältin verstricken Richterin Anke Schattner in eine Argumentationsflut, bis eine Fangfrage auftaucht, bei der die Richterin mit einem unvorsichtigen "Ja" die Abspaltung des Königreiches Deutschland gutgeheißen hätte - die Richterin stutzt, und pariert. Ja, sie glaube, dass er glaube, dass er geglaubt hätte, im Recht gewesen zu sein.

Daneben sitzt Pflichtverteidiger Jürgen Schmidt. Mehr tut er nicht. Warum, klärt Peter Fitzek in der Pause. "Der ist ein Anwalt des Systems. Ich werde ihn bloß nicht los", wettert der verkannte König. Nur am Ende rührt sich Schmidt und fragt seinen Mandanten, welche Staatsangehörigkeit er denn besessen habe, bevor er Staatsoberhaupt geworden ist. Das Oberhaupt fragt nach der Relevanz. Abgang Schmidt.

Fitzek kämpft mit stoßweise Papier und viel Eloquenz gegen seine Verurteilung. Die würde in einer Haft münden. Und das, weil der gelernte Koch mit einem angeblichen Einkommen als Staatsoberhaupt von rund 320 Euro, kein Unbekannter in deutschen, bundesdeutschen Gerichten ist. Sieben Einträge im Zentralregister tauchen auf. Darunter Körperverletzung, Verstoß gegen das Waffengesetz und schon zwei Mal "Fahren ohne". Da holt der 53-jährige Angeklagte weit aus. Er sei vieles, ein König und Oberhaupt samt seiner "fleischlichen Existenz", aber schuldig sei er in kaum einem der Fälle. Dazu müsse man wissen, dass er lange Zeit juristisch unwissend gewesen sei. Peter Fitzek: "Ich habe auch Verhandlungen provoziert, bin manchmal ein bisschen zu schnell gefahren, weil ich Gerichtsverfahren üben wollte."

Lesen Sie dazu auch: "Spinner" mit Waffenschein >>>

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Veröffentlicht am:
23. 06. 2019
11:47 Uhr

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23. 06. 2019
11:47 Uhr



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