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Länderspiegel

Ein gefährlicher Zeuge

Vier Polizisten in Zivil verfolgen in Hof die Aussage eines mutmaßlichen Betrugsopfers. Sie sollen für die Sicherheit eines Angeklagten sorgen.



Wegen Elmar P. wurden im Landgericht am Montag Hof die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Foto: Joachim Dankbar
Wegen Elmar P. wurden im Landgericht am Montag Hof die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Foto: Joachim Dankbar  

Nicht nur bei manchen Angeklagten, sondern auch bei manchem Zeugen ist die Frage angebracht, warum sie eigentlich noch auf freiem Fuß sind. Zum Beispiel Elmar P.: Der 40-Jährige aus Berlin ist einer der mutmaßlichen Geschädigten des Betrüger-Duos Gerd M., 71, und Thorsten B., 46. Er soll zwischen 2014 und 2015 insgesamt 150 000 Euro mit angeblichen Devisenspekulationen verloren haben, die offenkundig nur in der Fantasie der beiden Angeklagten stattgefunden hatten. Elmar P. soll aber auch seinem Freund Thorsten B. im Zorn über das verlorene Geld 2016 drei Finger der linken Hand fast abgetrennt haben.

Weil er in der vorigen Woche in einer Verhandlungspause wieder drohend auf Thorsten B. zugetreten war, hatte das Gericht für den gestrigen Verhandlungstag verschärfte Sicherheitsvorkehrungen angeordnet. Extra für Elmar P. nahmen zusätzlich vier Polizisten in Zivil an der Verhandlung teil. Der ehemalige Fallschirmspringer bestreitet zwar vehement, etwas mit Thorsten B.s Fingern zu tun zu haben, doch er hat in seinem Leben schon eindringlich bewiesen, zu was er fähig ist.

Im Februar 2006 wurde der ehemalige tschetschenische General Magomed Balaev, 38, am Kurfürstendamm in einen Transporter gelockt. Noch während der Fahrt über den Kudamm soll Balaev mit einem Kabel erdrosselt worden sein. Um genug Platz beim Morden zu haben, hatten die Täter den späteren Ermittlungen der Kripo zufolge extra die mittlere Sitzbank des Transporters ausgebaut. Der tote Tschetschene wurde danach in einem Wald in Brandenburg verscharrt. Dafür wurde Elmar P. 2007 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes verurteilt. Die Berliner Zeitungen beschäftigten sich damals monatelang mit dem spektakulären "General-Mord" auf der Flaniermeile.

Der Bundesgerichtshof hob später das Urteil wieder auf und verwies die Angelegenheit zurück an eine andere Kammer des Landgerichts Berlin. Dessen Richter wollten im Jahr 2009 Presseberichten zufolge nicht ausschließen, dass das Opfer Magomed Balaev seinerseits Elmar P. über Wochen bedroht hatte und 100 000 Euro für Leibwächter-Dienste eintreiben wollte. In dieser "zermürbenden Situation" habe Elmar P. sich entschlossen, den General durch ein Kidnapping einzuschüchtern. Auch eine verminderte Schuldfähigkeit sei nicht auszuschließen. Deshalb bekam Elmar P. am Ende der neuen Hauptverhandlung nur noch zehneinhalb Jahre wegen Totschlags.

Weniger gut für ihn: Hat er wirklich die Finger von Thorsten B. fast abgetrennt, dann geschah dies während einer laufenden Bewährung. Elmar P. war nach Informationen unserer Zeitung das letzte Drittel seiner Haftstrafe zur Bewährung vorläufig erlassen worden. Das neuerliche Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung läuft bei der Staatsanwaltschaft Berlin.

Zudem ist Elmar P. nach eigenen Worten ein enger Freund des Berliner Kampfsportlers Aram M., auch er einer der Geschädigten von Gerd M. und Thorsten B. Aram M. wird verdächtigt, 2016 einen Rivalen in der Berliner Drogenszene mit einer Autobombe umgebracht zu haben. Seitdem ist er abgetaucht. Zuvor hat er Elmar P. beauftragt, sich um seine finanziellen Angelegenheiten zu kümmern.

In Hof beklagte Elmar P., wie kunstvoll ihn die beiden Angeklagten hinters Licht geführt hätten. Gerd M. habe ihm von der Freundschaft zum Schlagerstar Helene Fischer erzählt, die ebenso wie M. in der ehemaligen Sowjetunion geboren ist. Als er davon sprach, dass seine Mutter für Helene Fischer schwärme, habe Gerd M. ohne mit der Wimper zu zucken Backstage-Pässe für ein Konzert besorgt. "Zwei Tage später waren die da", berichtete Elmar P.

Thorsten B. sei ein begnadeter Verkäufer "für alles und jeden". Er habe ihm sogar angeboten, Pate eines seiner Kinder zu werden. Da er "ein ausgesprochener Familienmensch" sei, habe er sich fortan als "Bruder" von Thorsten B. gefühlt. Das endete an dem Tag, als ihm Gerd M. einen SMS-Wechsel mit Thorsten B. zeigte, in dem ihn dieser als "dämlichen Russen" bezeichnete.

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Joachim Dankbar

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Veröffentlicht am:
05. 02. 2018
20:24 Uhr

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05. 02. 2018
20:24 Uhr



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