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Länderspiegel

Eine völlig wertlose Aufnahme?

Der Hofer Rechtsanwalt Jörg Meringer verweist auf das sprunghafte Verhalten von Ulvi K. Nach der bekannten Tonband-Aufnahme habe dieser erneut seinen Vater beschuldigt.



Bayreuth/Lichtenberg - Erst in der vergangenen Woche hat das Amtsgericht Bayreuth entschieden, dass die Staatsanwaltschaft Bayreuth die Tonbandaufnahme eines abgehörten Gesprächs zwischen dem ehedem verurteilten und später freigesprochenen Ulvi K. und dessen Vater für ihre weiteren Ermittlungen im Fall Peggy benutzen darf. Dennoch werde diese Tonaufnahme für das Verfahren "niemals eine Rolle spielen", dies sagte der Hofer Rechtsanwalt Jörg Meringer auf Anfrage unserer Zeitung. Der Grund dafür sei das völlig sprunghafte und unglaubwürdige Aussageverhalten von Ulvi K.

Wie berichtet, hatte Ulvi K. 2002 - ein Jahr nach dem Verschwinden von Peggy Knobloch - seinen Vater für ein Gespräch besuchen dürfen. Dieser war damals kurzzeitig inhaftiert, weil er - nach Aussagen seines Sohnes - im Verdacht stand, an der Entsorgung der Leiche der neunjährigen Schülerin beteiligt gewesen zu sein. Bei dem überwachten Gespräch beteuerte Ulvi K. leidenschaftlich, dass jener Manuel S. an der Tat beteiligt gewesen sei, gegen den die Kripo Bayreuth heute ein Ermittlungsverfahren führt.

Jörg Meringer, der Verteidiger von Manuel S. ist, weist darauf hin, dass Ulvi K. noch am selben Tag seine Aussage schon wieder geändert habe. Den beiden Polizeibeamten, die ihn nach dem überwachten Gespräch wieder ins Krankenhaus Bayreuth brachten, habe er gesagt, dass sein Vater die Leiche fortgeschafft habe. Diese Behauptung haben die beiden Polizisten in einem Aktenvermerk festgehalten, der Teil der Ermittlungsakten sei. "Das ist also eine völlig wertlose Aufnahme, sie beweist gar nichts", sagt Meringer.

Fünf Tage später habe Ulvi K. übrigens bei einer Tatrekonstruktion in Lichtenberg noch einmal seinen Vater belastet. Wer die Akten studiere, gewinne den Eindruck, dass Ulvi K. immer genau das aussage, was sein jeweiliger Gesprächspartner am liebsten höre.

Auf diese Wesenheitseigenheit ihres Mandanten weist auch Hanna Henning, Rechtsanwältin von Ulvi K., immer wieder hin. Ihr geistig und intellektuell schwer beeinträchtigter Mandant habe gleichwohl ein großes Talent, sich Geschichten auszudenken, mit denen er sein jeweiliges Gegenüber beeindrucken wolle.

Die umstrittene Tonbandaufnahme hatten Beamte der Bayreuther "Soko Peggy" bei ihren neuerlichen Ermittlungen potenziellen Zeugen in Lichtenberg vorgespielt. Dagegen hatte Henning Einwände beim Amtsgericht Bayreuth erhoben. Nach ihrer Auffassung gehört die Tonaufnahme zum Verfahren gegen Ulvi K., der 2014 in einem Wiederaufnahmeverfahren rechtskräftig freigesprochen worden sei. Deshalb dürfe sie nicht mehr verwendet werden; sie sei umgehend auszuhändigen.

Dem hat das Amtsgericht nicht entsprochen. Schließlich gehe es um die Aufklärung eines Tötungsdeliktes. Zudem habe seinerzeit ein Richter die Aufnahme genehmigt. Während die Kanzlei Henning Beschwerde gegen die Entscheidung des Amtsgerichts ankündigte, fühlt sich die Staatsanwaltschaft Bayreuth in ihrer Vorgehensweise bestärkt. Ob und wann eine Anklage gegen Manual S. vorgelegt wird, ist nicht bekannt.

Bei der Staatsanwaltschaft Würzburg gibt es nach mehreren Anzeigen ein weiteres Verfahren gegen die "Soko Peggy". Hier geht es um die Frage, ob die Tonbandaufnahme und weitere Teile der Ermittlungsakten illegal an die Medien weitergegeben wurden.

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Joachim Dankbar

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Veröffentlicht am:
14. 04. 2019
18:40 Uhr

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