Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Länderspiegel

Fall Peggy: Anwalt rückt Holger E. ins Blickfeld

Im Fall Peggy fordert der Verteidiger des Verdächtigen Manuel S. die Staatsanwaltschaft auf, gegen einen anderen alten Bekannten zu ermitteln. Der Grund: Pollenspuren.



Heute vor genau 18 Jahren verschwand Peggy. Wenige Tage nach dem Verschwinden, am 11. Mai 2001, entstand dieses Foto, als Polizisten der bayerischen Bereitschaftspolizei bei Bad Steben das vermisste Mädchen suchten. Seitdem gab es immer wieder Ermittlungen - doch der Fall Peggy bleibt ungelöst. Archiv-Foto: Marcus Führer/dpa
Heute vor genau 18 Jahren verschwand Peggy. Wenige Tage nach dem Verschwinden, am 11. Mai 2001, entstand dieses Foto, als Polizisten der bayerischen Bereitschaftspolizei bei Bad Steben das vermisste Mädchen suchten. Seitdem gab es immer wieder Ermittlungen - doch der Fall Peggy bleibt ungelöst. Archiv-Foto: Marcus Führer/dpa  

Hof/Bayreuth - Im "Fall Peggy" hat Jörg Meringer, der Verteidiger des unter Mordverdacht stehenden Manuel S., die Staatsanwaltschaft aufgefordert, mit neuen Spuren die Ermittlungen gegen einen alten Bekannten wieder aufzunehmen. Es handelt sich dabei um Holger E., einen zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Mordes minderjährigen Jugendlichen aus Halle.

Der heute 33-Jährige hat im Laufe der Ermittlungen viel getan, um sich in das Blickfeld der Ermittler und der Öffentlichkeit zu bringen. So trug er nicht nur ein Peggy-Amulett um den Hals, sondern hatte in seinem Zimmer sogar einen richtiggehenden Peggy-Schrein aufgebaut. Holger E. war in der Zeit vor Peggys Verschwinden im Mai 2001 mehrfach in dem Lichtenberger Haus, in dem Peggy mit ihrer Mutter und deren Lebensgefährten wohnte. Grund: Im Haus wohnte eine weitere Familie aus Halle, mit der er verwandt ist.

Zudem ist Holger E. erwiesenermaßen pädophil. Er saß sechs Jahre und sieben Monate in Haft, weil er nicht nur die eigene, sondern auch die Tochter jener Familie am Lichtenberger Marktplatz sexuell missbraucht hat. In der Haft soll er sich nicht nur mit dem Austausch von "Zärtlichkeiten" mit Peggy Knobloch gebrüstet haben. Man werde Peggy "nie finden", kündigte er an, zumindest das war ein Irrtum.

Die Ermittlungen gegen Holger E. waren eingestellt worden, weil es nicht erklärbar schien, wie ein damals 17-Jähriger ohne Führerschein in einem relativ engen Zeitfenster von Halle nach Lichtenberg und zurückgekommen sein sollte. Für Rechtsanwalt Meringer ist dies kein stichhaltiges Argument. In seiner Laufbahn als Verteidiger habe er schon mehrere Minderjährige erlebt, die mühelos "mehrere Hundert Kilometer ohne aufzufallen, durch die Republik gefahren sind". Zudem hatte Holger E. damals bekannterweise Zugang zu einem alten Opel. Sein Alibi durch die Mitglieder eines Jugendclubs bei Halle ist recht brüchig.

Meringer bewegen aber vor allem die neuen Spuren, die 2016 unweit von Lichtenberg an den Leichenresten von Peggy Knobloch gesichert wurden. Darunter waren auch vier "Pollen-Marker". In dieser Zusammensetzung seien diese weder in Lichtenberg noch bei seinem Mandanten Manuel S. später wiedergefunden worden, wendet der Anwalt ein. Deshalb müssten Kripo und Staatsanwaltschaft auch ermitteln, ob die Marker sich vollständig auf dem heruntergekommenen Bauernhof finden, auf dem Holger E. damals mit seinen Großeltern lebte. Gleiches gelte auch für den Jugendclub, der sein gewöhnlicher Aufenthalt gewesen sei. Der Bauernhof sei vielleicht auch der Bezugspunkt zu einem Fetzen Silage-Folie, der ebenfalls an Peggys Leiche gesichert wurde. Die Spuren von Renovierungsarbeiten könnten ebenfalls von dort stammen.

All dies, so Meringer, rechtfertige, dass neue Ermittlungen gegen den ehemals Beschuldigten Holger E. eingeleitet werden. Das sei man seinem Mandanten Manuel S. auch schuldig. Dieser sei durch das Vorgehen der Ermittlungsbehörden inzwischen so sehr stigmatisiert, dass er nur durch das Ermitteln des wahren Täters wirksam entlastet werden könne. Damit meint Meringer neben der aus seiner Sicht "ungerechtfertigten Inhaftierung" vor allem eine Pressekonferenz im September 2018, bei der die Identität seines Mandanten preisgegeben worden war.

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth bestätigte am Montag den Eingang des Anwalt-Schreibens. "Wir werden selbstverständlich alle Hinweise prüfen", sagte Staatsanwalt Daniel Götz auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Behörde hatte in der Vergangenheit mehrfach erklärt, dass Manuel S. der einzige Tatverdächtige sei, gegen den sie aktuell ermittle.

Autor
Joachim Dankbar

Joachim Dankbar

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 05. 2019
20:10 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angeklagte Fall Peggy Kinder und Jugendliche Minderjährigkeit Mord Mordfall Peggy Knobloch Mordverdacht Opel Pädophilie Staatsanwaltschaft Staatsanwaltschaft Bayreuth Staatsanwälte Verbrecher und Kriminelle
Hof Bayreuth
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bis Ende September soll der Prozess gegen den mutmaßlichen Brandstifter Konrad P. (im Bild mit Verteidiger Dieter Pöhlmann, rechts) dauern. Foto: Rainer Maier

03.09.2019

Geständnis mit Widersprüchen und Lügen

Konrad P. hat sich selbst bezichtigt, der Brandstifter von Oberredwitz zu sein. Doch seine - später widerrufene - Aussage gibt den Ermittlern und der Strafkammer Rätsel auf. » mehr

Mordfall Peggy

15.05.2019

Holger E. sieht neue Vorwürfe im Fall Peggy gelassen

Der damals 17-Jährige verweist auf sein Alibi und die Vernehmungen. Er habe mit dem Verschwinden des jungen Mädchens nicht zu tun. Für den Staatsanwalt ist die Spur E. erledigt. » mehr

Ein Großaufgebot an Rettungskräften verhindert nach der Brandstiftung in Oberredwitz, dass die Flammen in dem dicht bebauten Gebiet auf andere Gebäude übergreifen.

Aktualisiert am 26.08.2019

Wollte der Brandstifter sich sexuell erregen?

Am Dienstag wird vor dem Landgericht Hof der Prozess gegen den mutmaßlichen Brandstifter von Oberredwitz eröffnet. » mehr

Werdende Mutter

20.09.2019

Hochschwanger und der Vergewaltigung angeklagt

Der Straftatbestand der Vergewaltigung sagt nichts über das Geschlecht von Täter oder Opfer. Dennoch ist es eher selten, dass eine Frau dafür angeklagt wird, einen Mann vergewaltigt zu haben. Einen derartigen Fall hatte ... » mehr

27.08.2019

Brandstifter-Prozess: Angeklagter widerruft Geständnis

Der mutmaßliche Brandstifter von Marktredwitz will mit den gelegten Feuern nichts zu tun gehabt haben. Achtzehn Menschen hätten zu Tode kommen können. » mehr

Mordfall Peggy

13.02.2019

Fall Peggy – Verdächtiger bleibt auf freiem Fuß

Das Landgericht Bayreuth weist eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft zurück. Gleichzeitig nimmt es die Ermittler und ihre Methoden in Schutz. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Oktobermarkt in Ebern

Oktobermarkt in Ebern | 14.10.2019 Ebern
» 12 Bilder ansehen

Schauübung der Kronacher Feuerwehr

Schauübung der Kronacher Feuerwehr | 14.10.2019 Kronach
» 13 Bilder ansehen

BBC Coburg - Elchingen 63:78

BBC Coburg - Elchingen 63:78 | 13.10.2019 Coburg
» 37 Bilder ansehen

Autor
Joachim Dankbar

Joachim Dankbar

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 05. 2019
20:10 Uhr



^