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Länderspiegel

Fall Sophia: Gutachter hält Brandstiftung an Lkw für wahrscheinlich

Im Mordfall Lösche schließt ein Brandgutachter einen technischen Defekt nicht gänzlich aus. Klarheit gibt es nicht.



Tatort Lastwagen: Der ausgebrannte Lkw, den der wegen Mordes angeklagte Marokkaner fuhr, wurde auf dem Gelände des Polizeipräsidiums Oberfranken von einem Gutachter untersucht.
Tatort Lastwagen: Der ausgebrannte Lkw, den der wegen Mordes angeklagte Marokkaner fuhr, wurde auf dem Gelände des Polizeipräsidiums Oberfranken von einem Gutachter untersucht.   Foto: Daniel Karmann/dpa

Bayreuth - Es war die fast völlige Zerstörung eines Tatortes: Der Lastwagen, in dem Sophia Lösche umgebracht worden sein dürfte, brannte fünf Tage, nachdem die Anhalterin eingestiegen war, völlig aus. Ein Experte des Bayerischen Landeskriminalamtes (BLKA) hält Sabotage und Brandstiftung für wahrscheinlicher als den vom wegen Mordes angeklagten Fahrer Boujeema L. behaupteten technischen Defekt.

Es ist der 19. Juni 2018. Die Rettungsdienste und die Feuerwehr in der Region 600 Kilometer südlich der spanischen Hauptstadt Madrid erhalten einen Notruf. Der Renault Truck des 42-jährigen marokkanischen Fernfahrers Boujeema L. stand in Flammen. Mehr als ein Jahr später sagt ein Experte des Bayerischen Landeskriminalamtes im Schwurgericht in Bayreuth: "Man hätte ihn auch ausbrennen lassen können."

Das Fazit seiner Untersuchung stellte der Experte am 7. Verhandlungstag im Mordprozess gegen den Fernfahrer Boujeema L. voran: Eine 100-prozentige Antwort könne er nicht mehr geben, denn durch den Brand seien Bauteile und Spuren vernichtet worden, die einen eindeutigen Aufschluss gäben zur Frage, ob Brandstiftung oder technischer Defekt vorliegen. Der Experte sagte aber auch: "Das Einzige, was für einen technischen Defekt spricht, ist, dass man ihn nicht ausschließen kann."

Wie berichtet, war die 28-jährige Sophia Lösche am 14. Juni abends am Autohof Schkeuditz als Anhalterin in den Lastzug gestiegen. Der Fahrer Boujeema L. hat gestanden, die junge Frau erschlagen zu haben. Er behauptet jedoch, dies sei infolge eines Streits geschehen. Die Anklage dagegen geht davon aus, dass die Tötung von Sophia Lösche ein Mord war - zur Verdeckung einer vorangegangenen Sexualstraftat.

Zur Anklagetheorie könnte passen, dass der Fernfahrer ab dem mutmaßlichen Tatzeitpunkt in der Nacht zum 15. Juni auf dem Autobahnparkplatz Sperbes im südlichen Landkreis Bayreuth begonnen haben könnte, Spuren zu verwischen und falsche Spuren zu legen. Am 18. Juni morgens jedenfalls versteckte der Angeklagte den Leichnam von Sophia Lösche in einem Gebüsch nahe einer Tankstelle in Nordspanien. Hier nutzte der Mann Benzin für den vergeblichen Versuch, den Leichnam anzuzünden.

Ob bei dem Feuer, das einen Tag später und 600 Kilometer weiter südlich die Zugmaschine ausglühte, Benzin als Brandbeschleuniger benutzt wurde, war durch den Experten nicht mehr festzustellen. Auch nicht, ob an den Motoraggregaten wie Turbolader, Kühlerlüfter oder an der Abgasanlage Sabotage verübt wurde. Was dem Experten auffiel: Das Innere des Motors, wie etwa die Ventildeckel oder die Nockenwelle, waren makellos, nichts deutete auf eine länger ansteigende Motorüberhitzung hin, die der Fernfahrer reklamiert hatte. Und noch etwas fiel dem Experten auf: Die GPS-Daten weisen für 4.01 Uhr bis 4.08 Uhr am 19. Juni einen kurzen Halt des Lkw aus. Zwischen 4.08 und 4.10 Uhr, der Laster fuhr wieder, stiegen Kühltemperatur und Öltemperatur extrem schnell an, das Motoröl von 106 auf 135 Grad. Der Gutachter sagte, aus wissenschaftlicher Sicht eines Kriminaltechnikers könne er Sabotage und/oder Brandstiftung zwar nicht nachweisen, jedoch aus Sicht eines Kriminalisten könnte durchaus das Sabotage-Brandstiftungs-Szenario näher liegen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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Manfred Scherer
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Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
20:16 Uhr

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Manfred Scherer

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Veröffentlicht am:
14. 08. 2019
20:16 Uhr



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