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Länderspiegel

Glimpfliches Urteil für "Waffenliebhaber"

Die Polizei griff den Mann mit einer Maschinenpistole samt Munition auf. Er hatte sie von Waffenhändlern gekauft. Nun stand er vor Gericht.



Der Verurteilte hat offenbar einen Hang zu gefährlichen Waffen wie etwa Maschinenpistolen.	Foto: Boris Roessler/dpa
Der Verurteilte hat offenbar einen Hang zu gefährlichen Waffen wie etwa Maschinenpistolen. Foto: Boris Roessler/dpa  

Bayreuth/Hof - Beamte der Verkehrspolizeiinspektion hatten im März dieses Jahres gleich zweimal den richtigen Riecher und haben damit für das Berliner Landeskriminalamt den Grundstein für einen der größten illegalen Waffenfunde der vergangenen Jahre in der Bundeshauptstadt gelegt. Der Mann, den die Hofer Beamten mit einer funktionstüchtigen Maschinenpistole, vier Magazinen und 128 Schuss Munition auf dem Autobahnparkplatz bei Streitau geschnappt hatten, stand am Dienstag vor dem Bayreuther Schöffengericht. Er kam mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurden, noch einmal glimpflich davon.

Einer der Gründe dafür war sein umfassendes Geständnis, unmittelbar nachdem ihn die Hofer Beamten geschnappt und die Bayreuther Kripo ihn übernommen hatte. Seine Angaben, das bestätigte vor Gericht ein Beamter des Berliner Landeskriminalamts, haben die Ermittler auf die Waffenhändler aufmerksam gemacht. Mehr als 100 Waffen, darunter Maschinenpistolen, Sturmgewehre und sogar ein Maschinengewehr konnten die Ermittler aus dem Verkehr ziehen, bevor sie über dunkle Kanäle verkauft werden konnten.

Es war buchstäblich ein Zufallszugriff, als eine Streife der Hofer VPI am frühen Morgen des 18. März am Brückenrasthof ein Auto kontrollierte. Die Überprüfung der Personalien machte die Polizisten stutzig. Der Mann hatte sich schon einmal wegen des Kaufs illegaler Waffen und auch Drogen über das Darknet schuldig gemacht, stand unter Bewährung. Die Tatsache, dass der Fahrer 2000 Euro Bargeld bei sich hatte und nicht so wirklich sagen konnte, wofür er das viele Geld brauchte, veranlasste die Streife, ihren Kollegen einen Tipp zu geben und das Kennzeichen des Wagens zur Überprüfung auszuschreiben. Es sollte nur wenige Stunden dauern, bis am Nachmittag erneut eine Hofer Streifenwagenbesatzung genau dieses Auto auf der A 9 in Fahrtrichtung Bayreuth entdeckte.

Die Überraschung war groß, als einer der Beamten auf dem Parkplatz bei Streitau den Mann kontrollierte und in einer Tasche am Körper des Mannes den Verschluss für eine Langwaffe fand. Im Kofferraum unter einer Abdeckung entdeckten die Beamten dann noch viel mehr: Eine vollautomatische sowjetische PPS-43 samt Zubehör, Magazine und Munition war dort versteckt. 700 Schuss pro Minute können mit dieser Waffe abgegeben werden, die nur Dauerfeuer ausführen kann. Sie schießt, solange man den Finger am Abdruck hat und Munition vorhanden ist.

Nach dem Gesetz ist der Kauf, der Besitz und das Führen einer solchen Waffe ein Verbrechen, auf das eine Mindeststrafe von einem Jahr steht. Unmittelbar nach seiner Festnahme kam der Mann in Untersuchungshaft. Dem Gericht wurde er gestern in Fußfesseln vorgeführt. Er saß seit dem 19. März im Bayreuther Gefängnis. Das durfte er gestern noch verlassen, nachdem der Vorsitzende des Schöffengerichts, Daniel Götz, den Haftbefehl aufgehoben hatte.

Das Schöffengericht folgte dem Antrag von Verteidiger Alexander Schmidtgall aus Kulmbach. Auch er hatte eine Freiheitsstrafe als alternativlos gesehen. Anders als Staatsanwältin Janina Leinhäupl, die den Waffenkäufer einsitzen lassen wollte, sprach sich Schmidtgall für eine Bewährung aus. Sein Mandant habe unglücklicherweise eine "Affinität für Waffen". Er habe aber nie beabsichtigt, damit etwas anzustellen.

Sein Mandant, sagte Schmidtgall, habe gar nicht wirklich geglaubt, tatsächlich die angebotene Waffe vorzufinden. Zu abenteuerlich sei das Angebot zustande gekommen. Der 42-Jährige habe auf Youtube ein Video über die PPS-43 angeschaut und einen Kommentar hinterlassen, dass er von einer solchen Waffe träume. Eine Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Es müsse nicht beim Traum bleiben. Auf Anweisung des Waffenhändlers lud sich der 42-Jährige eine bestimmte App aus dem Netz. Darüber wurde der Kontakt geknüpft. Schließlich fuhr der Mann am 18. März los zu einer Straßenecke in Berlin. Dort stieg der Händler zu, lotste ihn zu einem Keller, wo schon eine Sporttasche mit der Maschinenpistole und dem Zubehör fertig für ihn bereitlag. 1000 Euro hat der Mann für die verbotene Waffe bezahlt. Er hat sie nur wenige Stunden besessen, bevor sie ihm die Hofer Polizisten wieder abnahmen und damit die Ermittlungen gegen den Waffenhändlerring in Berlin auf den Weg gebracht werden konnten.

Richter Daniel Götz machte dem Angeklagten unmissverständlich klar, dass es keine Bewährung mehr geben wird, sollte noch einmal die "Liebe für Waffen" die Oberhand bekommen. Dann müsse der Mann mit mehreren Jahren Gefängnis rechnen. Die beiden zurückliegenden Strafen von acht Monaten und jetzt zwei Jahren müsse er dann ebenso absitzen wie die weitere Strafe.

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
17. 09. 2019
21:00 Uhr

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Melitta Burger

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17. 09. 2019
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