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Länderspiegel

Helfer mit viel Spaß und wenig Zeit

Ein junger Mann aus dem Frankenwald entschließt sich, nach Bayreuth zu gehen und Lehramt zu studieren. Heute ist er begeisterter Schulbuchautor.



Hier im "Grünen Klassenzimmer", einem Schulprojekt des Bayreuther Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums, fühlen sich Vater Martin, Mutter Katrin und die beiden Kinder Anton und Jakob Weber wohl.	Foto: Andreas Harbach
Hier im "Grünen Klassenzimmer", einem Schulprojekt des Bayreuther Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums, fühlen sich Vater Martin, Mutter Katrin und die beiden Kinder Anton und Jakob Weber wohl. Foto: Andreas Harbach  

Bayreuth/Naila - "Und da wohnst du, Papa!" Wer von seinen beiden Söhnen diesen Satz geäußert hat, das weiß Martin Weber schon gar nicht mehr. Aber an die Wirkung erinnert er sich noch ganz genau. Denn dieser Satz war zu hören,
als die Familie im Auto am Bayreuther Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium vorbeifuhr. Klar, meint Martin Weber heute im Rückblick, mit "wohnen" habe der Junior eben ausdrücken wollen, dass der Papa hier viel Zeit verbringt.

"Aber ich fand das schon bedenklich, weil ich genau der Typ dafür bin, zu viele Aufgaben anzunehmen, ohne wirklich die Zeit dafür zu haben. Ich interessiere mich für vieles, aber mein Tag hat auch nur 24 Stunden." Er lacht und spinnt den Gedanken an eine andere Zeitrechnung fort. Eine 14-Tage-Woche wäre richtig prima, meint er, weil sich da alle festen Termine nur halb so oft wiederholen.

Martin Weber ist ein Mensch, dessen Arbeitseinstellung sich durch alle Bereiche seines Lebens zieht: "Die Arbeit, die da ist, die wird erledigt; und Feierabend ist erst, wenn wir fertig sind." Da kann es natürlich geschehen, dass er auch noch einige Abend- und Nachtstunden mit Korrekturen oder Physikversuchen in der Schule zubringt oder mit seinen Kollegen beim Schulbuchverlag stundenlang über Entwürfe diskutiert. Aber das Schöne, und dessen ist er sich selbst sehr bewusst, ist sein unerschütterlicher Spaß an allen seinen Aufgaben: "Natürlich musste ich das Nein-Sagen lernen und ohne die grandiose familiäre Teamarbeit mit meiner Frau Katrin wäre ich eh aufgeschmissen. Aber das, was ich mache, macht mir Freude."

Martin Weber kam 1979 in Naila zur Welt und verbrachte dort auch seine Kindheit mit seiner Schwester und seinem Bruder. Schon zu Beginn des Gesprächs macht er deutlich, dass er außer den Eltern, den Geschwistern und der großen Verwandtschaft auch noch eine zweite Familie hatte, nämlich den CVJM. Dort spielte er Tischtennis und Fußball, war bei der Jungschar dabei, bei Freizeiten, bei Zeltlagern und auch bei der Pfingsttagung in Bobengrün, zuerst als Teilnehmer, dann auch als Mitarbeiter. "Es gab Zeiten, da war ich mehr beim CVJM als daheim." Nach dem Abitur am Gymnasium Naila und seinem Zivildienst als Hausmeister an einer Förderschule schraubte er sein Engagement sehr zurück.

Zum einen verlagerte sich sein Lebensmittelpunkt nach Bayreuth, wo er sein Lehramtsstudium für Mathematik und Physik begonnen hatte. Zum anderen hatte er sich gute "Nachfolger" herangezogen, die seine Aufgaben im CVJM übernehmen konnten: "Ich wusste, dass ich mich auf die Leute dort verlassen konnte, und rein zeitlich hätte das Weitermachen in Naila eh nicht mehr funktioniert."

Die beiden Referendariatsjahre verbrachte Martin Weber am Bayreuther Graf-Münster-Gymnasium sowie am Schiller-Gymnasium und am Jean-Paul-Gymnasium in Hof. Beim zu früh verstorbenen Professor Wolfgang Müller schrieb er seine Zulassungsarbeit und seine Diplomarbeit über ein Thema, über das es damals fast keine Literatur gab: polygonale Zerlegungen der Kugeloberfläche.

Kurzerhand packt Weber eine Box mit Demonstrationsobjekten aus und wirkt dabei so freudig-aufgeregt wie ein kleiner Bub, der seine Spielzeugkiste aufmacht. "Ich kann nur jedem für seine Arbeiten und Prüfungen ein solches Thema wünschen, in das man sich förmlich verbeißen kann", sagt er lachend. "Zeit und Kraft kostet so eine Arbeit sowieso, aber wenn man seine Freude dran hat, dann wiegt das ganz viel auf."

Über einen ehemaligen Kommilitonen kam Martin Weber vor einigen Jahren zum Schulbuchschreiben, mittlerweile für den Marktführer im Bereich Mathematik für Gymnasien. Die Faszination dafür kommt bei ihm vor allem daher, dass er jungen Menschen gute Lerngrundlagen ermöglichen und ihnen den Spaß am Entdecken in der Welt der Mathematik weitergeben möchte. "Mathe ist immer was für Entdecker, weil man für sich selber immer neue Strukturen finden kann." Mit den Autorenkollegen, erzählt er weiter, gebe es schon mal lange und durchaus kritische Diskussionen, wenn Rückmeldungen und Gegenvorschläge besprochen werden. Aber all das passiert in einem konstruktiven und für Martin Weber tollen Rahmen: "Wir schaffen damit etwas, das die nächste Generation verwendet, und das ist ein klasse Gefühl."

Martin Weber ist genau der Typ, der "Mach ich!" antwortet, wenn die Frage kommt "Wer kann das übernehmen?". Der Lehrerberuf als solches, das betont er mehrfach, sei ja beileibe kein Halbtagsjob. "In jedem Fachbereich haben wir Arbeitszeiten, die phasenweise weit über eine ,normale’ 40-Stunden-Woche hinausgehen. Lehrer sind fast immer große Idealisten, die mit den Zeitvorgaben für ihre Arbeit jonglieren müssen."

Doch all seine Aufgaben, der Unterricht, die Vorbereitungen, die unzähligen Sachen außerhalb des Unterrichts, das Schulbuchschreiben, das Fußballtraining mit seinen Kindern Anton und Jakob, die Hausrenovierung mit Frau Katrin und die Familie sind für Weber nicht nur Pflichten: "Ich freue mich täglich darüber, dass ich so viele tolle Sachen erleben darf. Man kann schon sagen, dass ich mit einem Helfersyndrom und einem permanenten Zeitproblem durch die Welt laufe. Aber so lange es mir Spaß macht, mach ich es!"

Autor

Anne Müller
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Veröffentlicht am:
23. 04. 2019
19:36 Uhr

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Anne Müller

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23. 04. 2019
19:36 Uhr



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