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Länderspiegel

Hetze gegen das Christkind

Ein rassistischer Kommentar der AfD löste im Netz eine Welle der Solidarität mit dem neu gewählten Nürnberger Christkind aus. Die Debatte zeigt, wie sich das Klima verändert hat.



Das Nürnberger Christkind Benigna Munsi sieht sich mit rassistischen Ausfällen im Netz und vonseiten der AfD konfrontiert. Foto: Nicolas Armer/dpa
Das Nürnberger Christkind Benigna Munsi sieht sich mit rassistischen Ausfällen im Netz und vonseiten der AfD konfrontiert. Foto: Nicolas Armer/dpa  

Nürnberg - Den Trubel um ihre Hautfarbe nimmt Benigna gelassen. Für die in den nächsten zwei Jahren vor ihr liegenden Aufgaben als frisch gewähltes Nürnberger Christkind sei sie jetzt sogar noch motivierter. "Es tut mir leid für die Menschen, die mit so einer Sicht durch die Welt gehen und sich nicht mit offenen Augen auf das fokussieren können, was wichtig ist, vor allem in der Weihnachtszeit", sagt sie am Sonntag in einer extra einberufenen Pressekonferenz im Nürnberger Rathaus.

Die 17-Jährige war am Mittwoch von einer Jury, der Vertreter der Stadt und Journalisten angehören, einstimmig zum neuen Christkind von Nürnberg gewählt worden. Zuvor hatte sie in Online-Votings und bei Zeitungslesern die meisten Stimmen auf sich vereint. Einen Tag später postete der AfD-Kreisverband München-Land Benignas Bild und schrieb in Anspielung auf die Ureinwohner Amerikas: "Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen." Hunderte Internetnutzer verteidigten die junge Frau daraufhin; der AfD-Kreisverband löschte die umstrittene Mitteilung später.

Munsi ist gebürtige Nürnbergerin, ihr Vater ist indischer Herkunft und besitzt nach eigenen Angaben seit 1999 ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft, auch ihre Mutter ist Deutsche. "Man müsste lachen, wenn man nicht wüsste, dass diese Typen es ernst meinen, aber man könnte heulen über so viel Menschenfeindlichkeit", bewertet Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) den Kommentar der Rechtsaußenpartei. Das Christkind habe in der Vergangenheit oft "blödsinnige Kommentare" verursacht. "Mal gefiel manchen die Nase nicht, manchen die Sommersprossen. Und es gab auch schon ethnisch konnotierte Kommentare. Aber heute sind wir in einer offen rassistischen Konnotation."

Benigna lässt sich von dem verbalen Angriff im Netz nicht unterkriegen. Es gehe ihr gut. "Ich bin vor allem überrascht über die vielen positiven Nachrichten. Sie sagen ,Kopf hoch, nicht alle Menschen sind so negativ eingestellt. Aber wir stehen hinter Dir.’" Es sei das erste Mal, dass sie wegen ihrer Hautfarbe und ihres Aussehens angefeindet worden sei. "Ich habe mir denken können, dass solche Post von so einer Seite kommen könnten, aber an sich wurde ich zum ersten Mal so konfrontiert."

Ihr Vater Kausik Munsi, der nach eigenen Worten im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge arbeitet, sagte: "Die Menschen, die Not haben, die wandern. Die gesamte Welt ist in Wanderung." Benigna spricht nach Angaben ihrer Mutter neben Deutsch und Englisch auch Portugiesisch und Spanisch. Sie ist Ministrantin, singt im Jugendchor der Nürnberger Kirchengemeinde St. Bonifaz und spielt Oboe.

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Herbert Mackert
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Veröffentlicht am:
04. 11. 2019
00:00 Uhr

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Herbert Mackert

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Veröffentlicht am:
04. 11. 2019
00:00 Uhr



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