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Länderspiegel

In der Höhle der Löwinnen

In Bayreuth wurden besondere Unternehmerinnen für ihr Schaffen geehrt. Eine Auszeichnung erhielt dabei auch die Grafengehaigerin Birgit Rodler.



Die Siegerinnen (von links): Ina Richter, Kerstin Rank, Birgit Rodler und die Initiatorin Bettina Angerer. Foto: Andreas Harbach
Die Siegerinnen (von links): Ina Richter, Kerstin Rank, Birgit Rodler und die Initiatorin Bettina Angerer. Foto: Andreas Harbach  

Bayreuth - Der Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW) vergab in Bayreuth den Unternehmerinnen-Award 2019. "Die Frauen in der oberfränkischen Wirtschaft vollbringen eine mächtige Leistung, das wollen wir feiern", sagte Moderator Moritz Möller. Auf die Idee gekommen ist Bettina Angerer, selbstständige Beauftragte des BVMW, die von einem emotionalen Abend sprach.

Schirmherrin war Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Frauen in Führungspositionen, als Politikerinnen, als Trägerinnen von Verantwortung - das sollte im 21. Jahrhundert selbstverständlich sein. "Ist es aber nicht", sagte Merk-Erbe. Frauen sei die echte Teilhabe an den Schaltstellen verwehrt. Das habe sie am eigenen Leib erfahren. Wenn es darum gehe, Verantwortung an Frauen abzugeben, werde es schwierig. Dabei seien Frauen eher bereit, zunächst einmal zuzuhören. "Sie stellen nicht immer gleich die Machtfrage." Männer hätten die Fähigkeit, Argumente von anderen "einfach auszublenden". Sich gegen das Vorurteil zu wehren, Frauen hätten keine Ahnung von Wirtschaft, sei schwer. Allerdings zeigten gerade die Unternehmerinnen des Abends, dass dieses nicht stimme. "Sie alle leisten täglich Erhebliches für und in ihrem Unternehmen", sagte Merk-Erbe.

50 Bewerberinnen für drei Kategorien und eine zwölfköpfige Jury mit acht Frauen und vier Männern, es war ein monatelanger Weg zum ersten Unternehmerinnen-Award. Seit Juni konnten sich Frauen aus Oberfranken bewerben, am Dienstagabend wurden die Gewinnerinnen im Brausaal des Liebesbier gekürt. Heraus kamen neun Nominierte und drei Siegerinnen. Die Start-up Unternehmerin des Jahres 2019 ist die Bayreutherin Kerstin Rank mit ihrer Firma Ehrensache. Unter anderem stellt der Betrieb mit Sitz in Lichtenfels aus ausrangierten Rettungswesten, Fallschirmseide oder dem Leder von Flugzeugsitzen Taschen und Accessoires her. Rank sei "ein Synonym für erfolgreiche und umweltbewusste Innovationskraft", sagte Laudatorin Silke Launert, Bundestagsabgeordnete aus Bayreuth. Sie lobte die positive Umsatz-Entwicklung von Ranks Unternehmen. Mittlerweile berate diese auch andere Unternehmen, wenn es um schonenden Umgang mit Ressourcen gehe. Und sie gebe ihr Wissen als Existenz-Gründerin in vielen Workshops weiter - und das als Mutter einer 13-jährigen Tochter. Ebenfalls nominiert in der Kategorie waren Gabi Krauß (Scandi Club, Bayreuth) und Carolin Schubert (Waschies, Kulmbach).

Wichtig war den Organisatoren, dass auch die Frauen gewürdigt werden, die nicht in der ersten Reihe stehen. Gesucht wurde eine Frau, die "sozial vernetzt oder engagiert ist - und die aktiv ist, wenn es um Spendenprojekte geht", sagte Moderator Möller. Und dieser Herzenspreis ging an Birgit Rodler von der AFW Creativ-Stickerei, Marktleugast. Vor zehn Jahren hat Rodler, gelernte Maschinenstickerin, die Meinel Fahnenfabrik mit Privatvermögen aufgekauft, um sie aus der Pleite zu retten. Mit Erfolg: Heute hat das Unternehmen, das unter anderem die Wimpel für die Deutsche Nationalmannschaft und Karnevals-Mützen bestickt, mehr als 30 Mitarbeiter. Ihre Laudatorin war Sissy Thammer vom Festival junger Künstler, die die Männer "in der Höhle der Löwinnen" begrüßte. Sie lobte Rodler, die sich mit dem Aus der Firma nicht zufrieden gegeben und mit sieben Kollegen ein neues Unternehmen ins Leben gerufen habe. "Sie ist der Mittelpunkt der Firma", lobte Thammer. Ebenfalls nominiert waren Petra Bock (Teekultur, Bayreuth) und Sabine Weyermann (Weyermann, Bamberg).

In der Kategorie Unternehmerin des Jahres 2019 gewann Ina Richter, die Geschäftsführerin der Suprima GmbH in Bad Berneck. Die 53-Jährige ist nach ihrer Großmutter und ihrer Mutter die dritte Frau an der Firmenspitze, führt das Unternehmen seit sieben Jahren, hat seit 1989 im Familienbetrieb mitgearbeitet. Suprima stellt textile Pflegehilfsmittel her - zum Beispiel Spezialkleidung und Produkte für Inkontinenz- und Demenzpatienten. Unter anderem sind auch Hüftprotektor-Systeme, Ess-Schürzen oder Schutzhandschuhe im Sortiment. Laudator Manfred Nüssel, Ehrenpräsident des Deutschen Raiffeisenverbandes, sagte, dass Richter seit mehr als 80 Jahren dafür sorge, dass es den Menschen gut gehe. Dabei nehme Tradition einen ebenso hohen Stellenwert wie Innovation ein. Nominiert waren in dieser Kategorie außerdem Hyazintha Fuchs (Bäckerei Fuchs, Bamberg) und Tatiana Hartl (Lindenmühle, Bad Berneck).

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Vanessa Lutz, Otto Lapp, Lena Buckreus
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Veröffentlicht am:
30. 10. 2019
17:42 Uhr

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Vanessa Lutz, Otto Lapp, Lena Buckreus

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Veröffentlicht am:
30. 10. 2019
17:42 Uhr



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