Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusVideosCoburger OB-Kandidaten vor der KameraCotubeBlitzerwarner

Länderspiegel

Insolvenzverwalter soll in eigene Tasche gewirtschaftet haben

Der Schaden beträgt mehrere Millionen Euro. Die Opfer werfen der oberfränkischen Justiz deswegen schwere Versäumnisse vor.



Hof/Bayreuth - Ein neuer schwerer Skandal erschüttert Wirtschaft und Justiz in Oberfranken: Auf Antrag der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Hof ist in Bayreuth ein Rechtsanwalt festgenommen worden. Er ist dringend verdächtig, sich als vom Gericht bestellter Insolvenzverwalter über Jahre hinweg bei den ihm anvertrauten Firmen bedient zu haben. Der Schaden geht nach ersten Schätzungen in die Millionen.

Nach Informationen unserer Zeitung wird dem Juristen Fehlverhalten in nicht nur einem, sondern in einer ganzen Reihe von Insolvenzverfahren vorgehalten. Schwere Vorwürfe erhebt demnach eine Familie aus dem Fichtelgebirge, die sich von dem Anwalt um das Lebenswerk des inzwischen verstorbenen Vaters, eines Bauunternehmers, gebracht sieht. Hier wurde der Insolvenzantrag sogar schon im Jahre 1999 gestellt, das Verfahren aber immer noch nicht abgeschlossen. Ursprünglich habe man mit der Insolvenz nach vorübergehenden Zahlungsschwierigkeiten einen Neuanfang gesucht, sagen die Angehörigen im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Hoffnung sei berechtigt gewesen, da der Inhaber der Firma ein großes Immobilien-Projekt genehmigungsfertig ausgearbeitet habe. Im Vertrauen auf seine Seriosität habe man dies auch dem Insolvenzverwalter vorgetragen. "Da haben seine Augen zu leuchten begonnen", erinnert sich die Familie des Bauunternehmers. Der Anwalt habe das Projekt danach jedoch aus der insolventen Firma genommen und durch eine Projektgesellschaft selbst verwirklicht. Der Bayreuther steht im Verdacht, allein dadurch persönlich eine Millionensumme eingenommen zu haben, die eigentlich den Gläubigern der Baufirma zugestanden hätte. Ihr inzwischen verstorbener Mann habe das Amtsgericht über Jahre immer wieder auf das betrügerische Wirken des Anwalts hingewiesen, sagte die Witwe des Unternehmers. So seien bereits vor dem Insolvenzantrag bezahlte Planungsleistungen angeblich noch einmal geleistet worden - in wessen Taschen, wird nun ermittelt. Erst vor Kurzem sei der unabhängige Prüfungsbericht für das Insolvenzverfahren eingegangen. Der schmale Band liste eine Vielzahl nun offengelegter Betrügereien auf. Die Festnahme des Anwalts ist den Angehörigen nur eine geringe persönliche Genugtuung. Die Witwe sagt: "Ich erwarte mir nach 18 Jahren nichts mehr."

Die Zahl der betroffenen Verfahren und Firmen ist bislang noch unbekannt. Die Kanzlei des Anwalts wurde am Donnerstag der vorigen Woche durchsucht. Inzwischen ist gegen ihn Haftbefehl erlassen. Dies bestätigte die Staatsanwaltschaft Hof gestern auf Anfrage. Letzten Endes aufmerksam wurden die Behörden offenbar durch ein Insolvenzverfahren, das ungewöhnlich lang dauert. Demnach soll es bei der Insolvenz einer ehemals in Bayreuth ansässigen Strickwarenfabrik zu Auffälligkeiten gekommen sein. Obwohl der Insolvenz-Antrag schon im Jahre 2003 gestellt wurde, ist das Verfahren immer noch nicht abgeschlossen. Das Amtsgericht Bayreuth hat nun am 24. November diesen Jahres einen anderen Bayreuther Anwalt als Sonderinsolvenzverwalter eingesetzt. Dem bisherigen und nun inhaftierten Insolvenzverwalter hat das Gericht die Verfügungsberechtigung über Konten bei der HypoVereinsbank, UniCredit-Bank sowie bei der Deutschen Kreditbank AG entzogen. Gleiches gilt für alle anderen "im Verfahren angelegten Konten, soweit diese nicht bekannt waren und sind".

Autor
Joachim Dankbar

Joachim Dankbar

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 12. 2017
20:39 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bauunternehmer Insolvenzanträge Insolvenzverfahren Insolvenzverwalter Oberfranken Schäden und Verluste Witwen
Hof Bayreuth
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Das ANKER-Zentrum in Bamberg. Die Aufnahmeeinrichtung ist die erste Anlaufstelle für Flüchtlinge, bevor sie auf die Unterkünfte in den Städten und Gemeinden verteilt werden.	Foto: Daniel Karmann/dpa

04.03.2020

Die Hilfsbereitschaft wird ausbleiben

Sollten erneut viele Menschen in Oberfranken Schutz suchen, wird es wohl an Unterkünften nicht mangeln. Weit mehr Sorge bereitet, wie die Bevölkerung regieren könnte. » mehr

Viele Stunden im Wald, wenige in der Kanzlei, kaum welche daheim: So soll das Leben des Bayreuther Insolvenzverwalters Torsten R. über Jahre hinweg ausgesehen haben.	Foto: Patrick Pleul/dpa

11.07.2019

Aus Jagdleidenschaft ins Verderben

Kann Jagdbesessenheit wie eine Sucht die Schuld mindern? Das wollen die Verteidiger des ehemaligen Insolvenzverwalters Torsten R. durch einen Psychiater klären lassen. » mehr

Laboruntersuchungen

25.02.2020

Oberfranken wappnet sich gegen Corona

Italien im Corona-Schock, erste bestätigte Fälle in Deutschland - wie gut ist Oberfranken gerüstet, falls sich das Virus auch hier ausbreitet? » mehr

Hans Michelbach

07.07.2019

Michelbach sieht Chancen für Loewe

"Es gibt eine Chance für einen Neuanfang bei Loewe." Zu dieser Einschätzung ist der Kronacher CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach nach Gesprächen gelangt, die er mit Verantwortlichen des Kronacher Fernsehgerätehers... » mehr

Will sich erst zu einem späteren Zeitpunkt äußern: Torsten R. (Mitte) mit seinen Verteidigern Jens Bernsdorf (links) und Peter Gutowski (rechts). Foto: Dankbar

06.12.2018

Insolvenzverwalter ist nun selbst ein Fall für den Kadi

Ein Bayreuther Anwalt soll Millionen in die eigenen Taschen geleitet haben. Seit genau einem Jahr sitzt er in Untersuchungshaft. » mehr

Interview: mit Mathias Eckardt, Regionsgeschäftsführer des DGB

19.01.2020

"Einkommen weiter unter dem Schnitt"

DGB-Sprecher Mathias Eckardt übt heftige Kritik an der oberfränkischen Wirtschaft. Die Löhne sind zu niedrig. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Stichwahl in Coburg Coburg

Stichwahl 2020 Coburg und Kronach | 29.03.2020 Coburg
» 22 Bilder ansehen

Rad-Reisebericht

Ehepaar aus den Haßbergen erkundet Jerusalem mit Rad | 24.03.2020 Jerusalem
» 15 Bilder ansehen

SPD-Wahlparty in der Loreley Coburg

Kommunalwahl 2020 Coburg | 15.03.2020 Coburg
» 27 Bilder ansehen

Autor
Joachim Dankbar

Joachim Dankbar

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 12. 2017
20:39 Uhr



^