Topthemen: Globe TheaterHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

Länderspiegel

K&L muss unter den Schutzschirm

Der Wettbewerb in der Modebranche ist hart. Nun beantragt ein bekanntes Unternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung. Welche Auswirkungen hat das auf die Filialen in der Region?



Der Modehändler K&L hat 57 Filialen in Süddeutschland. In Oberfranken ist das Unternehmen an den Standorten Dörfles-Esbach, Bayreuth und Hof vertreten. Foto: Matthias Will
Der Modehändler K&L hat 57 Filialen in Süddeutschland. In Oberfranken ist das Unternehmen an den Standorten Dörfles-Esbach, Bayreuth und Hof vertreten. Foto: Matthias Will   » zu den Bildern

Oberfranken/Weilheim – Der Modehändler K&L hat Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens nach der Insolvenzordnung gestellt. Das Unternehmen aus Weilheim in Oberbayern beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter in 57 Filialen in Süddeutschland und betreibt auch Standorte in Bayreuth, Hof, Plauen, Dörfles-Esbach und Suhl. Unrentable Filialen sollen geschlossen werden. Ob es auch Standorte in der Region trifft, ist noch unklar. Die Löhne und Gehälter für die Mitarbeiter sind nach Angaben des Unternehmens bis Ende des Jahres gesichert. 

K&L, das früher K&L Ruppert hieß, wurde 1962 von Karl Ruppert gegründet. Im September letzten Jahres hatte der bis dahin verantwortliche Finanzvorstand Jens Bächle das Unternehmen im Zuge eines Management Buy-outs übernommen. In einem Interview mit unserer Zeitung bestätigte Bächle damals, dass K&L Verluste schreibt: „Wir sind derzeit nicht profitabel.“ Der neue Geschäftsführende Gesellschafter begann mit der Neuausrichtung des Unternehmens und stellt im Interview für 2018 ein ausgeglichenes Ergebnis in Aussicht. 

K&L musste in den letzten Jahren Umsatzverluste hinnehmen. 2016 lag der Umsatz bei 143 Millionen Euro. Nach der Schließung von vier Standorten waren es 2017 nur noch 116 Millionen. Für das laufende Jahr geht Bächle allerdings wieder von einer Steigerung auf 120 Millionen aus. 

Dazu der K&L-Chef: „Wir haben in den ersten acht Monaten des Geschäftsjahres trotz Problemen aus der Vergangenheit und der schwierigen Marktentwicklung den Abwärtstrend des Unternehmens gestoppt.“ Das Ergebnis sei im Vergleich zum Vorjahr um vier Millionen Euro verbessert worden. Aber: „Der September war im Gesamtmarkt eine Katastrophe, die dazu geführt hat, dass die bisherige positive Entwicklung und bisherige Planerreichung auf den Kopf gestellt wurden.“ Um K&L wieder wettbewerbsfähig zu machen und solchen aktuellen Marktentwicklungen standhalten zu können, brauche es eine Sanierung durch ein gesteuertes Insolvenzverfahren. „Ziel ist es, den bereits begonnenen Restrukturierungsprozess verstärkt fortzuführen und das drohende Liquiditätsproblem langfristig zu lösen.“

Als Ursachen der finanziellen Schieflage nennt das Unternehmen neben Fehlern in der Vergangenheit gravierende Veränderungen innerhalb der Modebranche, die den hohen Wettbewerbsdruck verstärkt und zu Frequenz- und Umsatzrückgängen geführt hätten. Zahlreiche internationale Modekonzerne würden auf den deutschen Markt drängen, gleichzeitig steige der Preisdruck durch Fashion-Discounter und die Konkurrenz im Internet. 

Der stationäre Handel verlagere sich verstärkt hin zum Online-Handel. K&L will nun „immer noch ungünstige Kostenstrukturen, unter anderem auch bedingt durch langfristige Mietverträge“, verbessern. Bis zuletzt habe die Geschäftsführung auch intensive Gespräche mit potenziellen Investoren geführt – ohne Erfolg. 

Wie geht es nun weiter? Jens Bächle bleibt als Geschäftsführender Gesellschafter im Amt und führt die Sanierung in Eigenverwaltung fort. Zunächst wird ein Sanierungsplan erstellt. Durch das Verfahren ist das Unternehmen vor Zwangsmaßnahmen der Gläubiger geschützt. Die operativen Geschäfte an den 57 Standorten sollen ohne Einschränkungen weiterlaufen. 

Als Sanierer mit an Bord ist Rechtsanwalt Christian Gerloff als Geschäftsführer für Restrukturierung (Chief Restructuring Officer/CRO). Gerloff ist Partner der Kanzlei Gerloff Liebler Rechtsanwälte in München und hat das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung mit vorbereitet. Neben Escada und Laurèl sanierte Gerloff in jüngster Vergangenheit auch den Modehändler Wöhrl im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens. 

Mit der Bestellung des Münchner Rechtsanwalts Oliver Schartl aus der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen zum vorläufigen Sachwalter ist das Gericht dem Vorschlag des Unternehmens gefolgt, teilte K&L mit. Der vorläufige Sachwalter muss die Einhaltung der insolvenzrechtlichen Vorschriften im Verfahren überwachen.

Alle Filialen mit ihren Verkaufsflächen von 500 bis 3200 Quadratmetern werden derzeit auf ihr langfristiges Wachstums- und Ertragspotenzial hin überprüft. Defizitäre Filialen ohne solches Potenzial sollen zeitnah geschlossen werden. Auch Hauptverwaltung und Logistik werden überprüft und sollen an die neue Unternehmensgröße angepasst werden. 

Zum Sanierungsplan gehört auch die Straffung des Sortiments, eine verbesserte Kundenansprache und die Stärkung der Kapitalbasis, ließ K&L wissen. 

Autor

Roland Töpfer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 10. 2018
13:44 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Filialen Konkurse Mitarbeiter und Personal Modehändler Modekonzerne Standorte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mit mehreren Fahrzeugen waren am Dienstag Polizeibeamte auch vor privaten Wohnhäusern verdächtigter Tüv-Mitarbeiter vorgefahren. Foto: Melitta Burger

07.11.2018

Schmutzige Diesel reingewaschen?

Über Details zu der Razzia bei Mitarbeitern des Tüv schweigt die Staatsanwaltschaft. Insider berichten von einem schwunghaften Handel mit unverkäuflichen Autos aus den USA. » mehr

Kreditkarte

15.11.2018

Betrug zum Schutz von 80 Arbeitsplätzen

Um den Familienbetrieb zu retten, griff ein Unternehmer aus dem Kreis Coburg zu unlauteren Methoden. Das bringt ihm eine Haftstrafe ein. » mehr

Businessman holding his briefcase Aktentasche Aktenkoffer Beruf

22.08.2018

Anwalt soll Millionen veruntreut haben

Die Staatsanwaltschaft Hof wirft einem Bayreuther Juristen 438 Fälle der Untreue vor. Alle hängen mit der Verwaltung von Insolvenzen zusammen. » mehr

Die Autowelt König in Wunsiedel (Bild)

21.03.2013

600 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Dem Inhaber der insolventen Autowelt König droht ein Steuerprozess. Die Sparkasse Hochfranken als Hausbank fürchtet Verluste. » mehr

Auf dem Gelände der ehemaligen Straßenmeisterei, also zwischen der bestehenden Justizvollzugsanstalt und der B 2, soll die Erweiterung der Hofer JVA um 150 Haftplätze für eine Abschiebehaftanstalt entstehen. Foto: Google Maps/GeoBasis-DE/BKG

18.04.2018

Neue Haftanstalt schafft 100 Arbeitsplätze

Die Pläne der Regierung könnten nicht nur einen wirtschaftlichen Aufschwung bringen. Auch die Polizei soll profitieren - und die JVA wird wohl eigenständig. » mehr

Die Grenzpolizei Bayern wird reaktiviert. 1000 Beamte sollen künftig die Aufgabe der Grenzsicherung zusätzlich zur Bundespolizei übernehmen. Foto: Sven Hoppe/dpa

23.03.2018

1000 Beamte sollen die Grenzen sichern

Es hat was vom ersten Schultag: die erste Kabinettssitzung von Ministerpräsident Markus Söder. Erste Amtshandlung: Die Grenzpolizei kommt wieder ins Land zurück. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

HSC - TuS N-Lübbecke

HSC 2000 Coburg - TuS N-Lübbecke | 15.12.2018 Coburg
» 47 Bilder ansehen

Punkt 7: Christian Gunsenheimer im Gespräch mit der NP

Punkt 7: Christian Gunsenheimer im Gespräch mit der NP | 14.12.2018 Coburg
» 9 Bilder ansehen

Zimt und Zauber Weihnachtsvarieté

Zimt und Zauber Weihnachtsvarieté | 14.12.2018 Coburg
» 16 Bilder ansehen

Autor

Roland Töpfer

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
10. 10. 2018
13:44 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".