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Länderspiegel

Keine Heimtücke im Mordfall Feringasee

Vor zwei Jahren tötete ein Mann aus dem Raum Naila seine Freundin. Das Landgericht erkannte eine besonders schwere Schuld. Der Bundesgerichtshof korrigiert nun das Urteil.



Beim Prozess: Der Angeklagte (rechts) mit seinem Anwalt Alexander Schmidtgall aus Kulmbach. Foto: Ann-Kristin Schmittgall
Beim Prozess: Der Angeklagte (rechts) mit seinem Anwalt Alexander Schmidtgall aus Kulmbach. Foto: Ann-Kristin Schmittgall  

Naila/München - Es war Mord. Und zwar Mord mit besonderer Schwere der Schuld sowie Heimtücke. So laute im Dezember 2018 das Urteil im so genannten Feringasee-Prozess. Dort, im Norden Münchens, hatte ein 33 Jahre alter Mann die Leiche seiner Freundin Beatrice F. verbrannt, nachdem er sie einige Tage zuvor in der gemeinsamen Wohnung in Bogenhausen erwürgt hatte. Richter Michael Höhne attestierte dem aus dem Raum Naila stammenden Täter in seiner Begründung "absoluten Vernichtungswillen" und verurteilte ihn zu lebenslanger Haft.

Neun Monate später hat der Bundesgerichtshof das Urteil nun korrigiert. Zwar erkennen auch die Richter in Karlsruhe einen "Mord aus niederen Beweggründen", das Merkmal der Heimtücke aber sehen sie nicht belegt. Diese setze, so heißt es in der schriftlichen Begründung, "Arglosigkeit und eine dadurch bedingte Wehrlosigkeit des Opfers voraus." Und zwar zum Zeitpunkt des Angriffs.

Bei der Tat im September 2017 hatte der 33-Jährige seine langjährige Lebensgefährtin nach Überzeugung des Landgerichts München I von hinten angegriffen, sie umgestoßen, sich anschließend auf sie gesetzt und dann minutenlang gewürgt. Auch dann noch, als das Opfer bereits bewusstlos war. Der Bundesgerichtshof hält es jedoch für "nicht naheliegend", dass der Täter zum Zeitpunkt seines Angriffs den Tod der jungen Frau hat herbeiführen wollen. Auch dass der Frankenwälder bereits Wochen vor der Tat im Internet nach tödlichen Pflanzengiften gesucht hatte, reiche nicht aus, um von einem Tötungsvorsatz auszugehen. Der Beschluss ist endgültig, Einsprüche sind nicht möglich.

Verteidiger Alexander Schmidtgall aus Kulmbach zeigte sich am Dienstag auf Anfrage dieser Zeitung zufrieden: "Wir sehen uns bestätigt, dass mein Mandant kein eiskalter Mörder ist." Schmidtgall hatte bereits im Prozess auf Körperverletzung mit Todesfolge plädiert. Ein Sprecher des Landgerichts München I wollte den Beschluss nicht kommentieren.

Welche Wirkung die Entscheidung aus Karlsruhe auf die Dauer der Haftstrafe hat, ist offen. Straftäter, die zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden und bei denen die besondere Schwere der Schuld festgestellt wird, sitzen in Bayern durchschnittlich knapp 25 Jahren hinter Gitter. Diese Zeit könnte sich nun, da die Heimtücke vom Tisch ist, deutlich verkürzen.

Fakt ist: Frühestens nach 13 Jahren kann der Verurteilte einen Antrag auf Bewährung stellen. Anschließend prüft ein Gutachter unter anderem, wie gefährlich er für die Allgemeinheit noch ist. Rechtsanwalt Schmidtgall hofft darauf, dass sein Mandant "mindestens sechs oder sieben Jahre früher rauskommt", als dies beim Urteil des Münchner Landgerichts der Fall gewesen wäre.

Der Mord am Feringasee stand bundesweit in den Schlagzeilen. Täter und Opfer hatten sich einst am gemeinsamen Arbeitsplatz in Rehau kennen und lieben gelernt. Im Jahr 2010 zogen sie von Plauen nach München. Beide waren beruflich erfolgreich, verdienten gut und schienen für Außenstehende das perfekte Paar zu sein. Selbst beiderseitige Affären trübten das Bild zumindest nach außen nur unwesentlich.

Das änderte sich, als der Jung-Manager während einer Dienstreise nach Prag die Estin Margareta R. kennenlernte. Er verliebte sich und wollte mit ihr - davon war zumindest die Anklage überzeugt - ein neues Leben beginnen.

Die Situation eskalierte Anfang September 2017, als Margareta R. in München übernachtete, während sich Beatrice F. auf Dienstreise in Frankreich befand. Als Letztere zurückkehrte und in ihrem Haus die Sachen der Geliebten entdeckte, rief sie ihren Freund an. Der 33-Jährige fuhr nach Bogenhausen und wies die Geliebte an, in der Nähe zu warten. Es kam zum Streit, bei dem Beatrice F. ihr Leben lassen musste, während Margareta R. in diesem Moment vor der Wohnungstür stand.

Später brachte der Täter die Leiche zum Feringasee, übergoss sie mit Benzin, zündete sie an und meldete seine Freundin als vermisst. Vor Gericht gab er die Tötung zu, sprach aber von einem "schrecklichen Unglück", das Folge einer Rangelei während eines Streits gewesen sei.

Autor
Alexander Wunner

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Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
20:36 Uhr

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Alexander Wunner

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Veröffentlicht am:
24. 09. 2019
20:36 Uhr



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