Lade Login-Box.
Topthemen: NP-FirmenlaufVideo: Slow Food OberfrankenHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

Länderspiegel

Kräftemessen im Gerichtssaal

Die Anwälte eines Insolvenzverwalters wollen ihren Mandanten aus der Haft holen. Sie sehen sich überfordert damit, neue Akten durchzuarbeiten.



Hof - Mit einem Paukenschlag begann vor dem Landgericht Hof der bislang jüngste Verhandlungstag im Verfahren gegen den 57-jährigen Rechtsanwalt Torsten R. aus Bayreuth. Er wird - wie berichtet - beschuldigt, sich als Insolvenzverwalter in etlichen Verfahren aus der Masse der ihm anvertrauten Unternehmen bedient zu haben. Der Schaden soll in die Millionen gehen. Gleich zu Beginn des Prozesstages beantragten R.s Verteidiger Peter Gutowski und Jens Bernsdorf, das Verfahren auszusetzen und den seit Dezember 2017 geltenden Haftbefehl gegen ihren Mandanten außer Vollzug zu setzen.

Als Grund nannten sie die Vielzahl von Akten, die die Staatsanwaltschaft im laufenden Prozess neu in das Verfahren eingeführt habe. Dabei handle es sich um Hunderte von Aktenordnern, die in der vergangenen Woche im Keller von Torsten R.s Kanzlei sichergestellt wurden. Es sei den Verteidigern völlig unmöglich, sich in einer Prozessunterbrechung von zwei Wochen in diese Beweise einzulesen, wie es das Gericht dies vorgeschlagen habe. Deshalb müsse das Verfahren ausgesetzt werden und noch einmal von vorn beginnen. Da die Verhandlung aber nicht mehr nach dem von der Verfassung vorgegebenen Beschleunigungsgebot geführt werde, dürfe ihr Mandant nicht länger in Untersuchungshaft gehalten werden, argumentieren die Anwälte.

Staatsanwältin Christina Faltenbacher entgegnete, dass es sich bei der Flut der Ordner nicht um neue Beweismittel, sondern um Asservate handle. Die Anwälte hätten hier ebenso wie der Angeklagte kein Recht auf Kopien, sondern könnten sie bei Interesse im Gerichtsgebäude in Augenschein nehmen.

Zu ebenfalls kritisierten neuen Ausarbeitungen eines kaufmännischen Mitarbeiters der Staatsanwaltschaft erläuterte Faltenbacher, dass es sich nicht um neue Ermittlungen handle. Sie folgten lediglich Angaben, die Torsten R. erstmals in der Hauptverhandlung gemacht habe. Zu den Anträgen der Verteidiger will das Gericht einen Beschluss bis zum nächsten Verhandlungstag fassen. Mit einer Haftentlassung wird jedoch nicht gerechnet.

Vielmehr dürfte es sich um ein Kräftemessen der verschiedenen Rechtsauffassungen handeln. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich Torsten R. zu keinem Zeitpunkt an der Masse der ihm anvertrauten Firmen bedienen durfte. Der Jurist und seine Anwälte machen jedoch einen Unterschied: Klar sei, dass Torsten R. seine eigene Bezahlung nur auf Antrag bei und mit Zustimmung der Insolvenzgerichte entnehmen durfte.

Bei den Entnahmen habe es sich aber in der Regel um die Erstattung von Auslagen gehandelt, die er als Insolvenzverwalter gehabt habe, so zum Beispiel für Buchhaltung und Steuererklärung der ihm anvertrauten Unternehmen. Hier sieht sich Torsten R. berechtigt, sich seine Unkosten selbst zu erstatten. Die in der Anklageschrift genannten Insolvenzverfahren begannen zum Teil schon vor 17 Jahren. Die Rechtsprechung, die auch eine solche Entnahme von Auslagen untersagt, sei erst Jahre später erfolgt und daher nicht anwendbar.

Wenn auch das Gericht dieser Auffassung folgt, müssten über 400 dokumentierte Entnahmen in 15 Insolvenzverfahren darauf untersucht werden, wofür sie eigentlich getätigt wurden. In diesem Fall bestehen wenig Aussichten, den im Dezember 2018 begonnenen Prozess in diesem Jahr noch abzuschließen. Der einzige Ausweg aus dieser Situation ist eine Verfahrensabsprache, bei der sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht auf eine Strafe in einem ausgehandelten Rahmen einigen, wenn der Angeklagte im Gegenzug ein Geständnis ablegt. Die Aussichten hierfür sind jedoch schlecht. Bei einem Rechtsgespräch im Dezember zeigte sich, dass die Straferwartungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung weit auseinanderliegen. Während sich die Anwälte für ein Geständnis eine Freiheitsstrafe von rund vier Jahren vorstellen können, will die Staatsanwaltschaft mehr als das Doppelte. Ihr Argument: Torsten R. habe die Vertrauensstellung als Insolvenzverwalter grob missbraucht.

Autor
Joachim Dankbar

Joachim Dankbar

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 02. 2019
20:16 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Akten Gerichtssäle Haftstrafen Insolvenzverfahren Insolvenzverwalter Landgericht Hof Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte Staatsanwaltschaft
Hof
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Im Fall des Bayreuther Insolvenz-Verwalters Torsten R. wird sich das Gericht in den kommenden Wochen durch einen ganzen Berg von Unterlagen arbeiten. Foto: Dankbar

07.01.2019

Auszüge für ein erfundenes Konto

Das Verfahren gegen einen Insolvenzverwalter und Anwalt aus Bayreuth könnte noch bis Ende März dauern. Es geht um Millionensummen. » mehr

Torsten R. überraschte Gericht und Staatsanwaltschaft mit der Aussage, dass er jahrelang erpresst worden sei. Unser Foto zeigt ihn mit einem seiner Verteidiger, dem Hofer Rechtsanwalt Peter Gutowski (rechts). Foto: Dankbar

02.04.2019

Hausdurchsuchung bei einem Ex-Banker

Riesenüberraschung im Prozess gegen den Bayreuther Insolvenzverwalter Torsten R.: Er gibt an, über Jahre hinweg erpresst worden zu sein. » mehr

Schlaflos mit Teddy

17.04.2019

Kindesmissbrauch muss neu verhandelt werden

Der BGH kassiert die Sicherungsverwahrung, die das Landgericht Hof gegen einen 62-Jährigen verhängt hat. Die Bundesrichter fordern eine bessere Begründung. » mehr

Dem bekannten Gutachter Hans-Ludwig Kröber, hier während des zweiten Ulvi-Prozesses im Sitzungssaal des Bayreuther Landgerichtes, droht nun eine Schadenersatzklage der Ulvi-Unterstützer. Foto: David Ebener/dpa

08.01.2019

Klage gegen Ulvis Gutachter

Ulvi-Unterstützer wollen von Hans-Ludwig Kröber 350 000 Euro Schadenersatz. Auch eine Klage gegen einen Rechtsanwalt wird erwogen. » mehr

Die Ermittler fanden Spuren von dem Einbruch.	Symbolfoto: Silas Stein/dpa

06.02.2019

Aus der Freilassung wird erst einmal nichts

Wieder wegen Einbruchs: Am letzten Tag seiner Strafhaft muss ein 53-jähriger Ungar erneut als Angeklagter vor Gericht. » mehr

Der Fall Peggy beschäftigte am Mittwoch auch den Landtag.

14.04.2019

Eine völlig wertlose Aufnahme?

Der Hofer Rechtsanwalt Jörg Meringer verweist auf das sprunghafte Verhalten von Ulvi K. Nach der bekannten Tonband-Aufnahme habe dieser erneut seinen Vater beschuldigt. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Schiefermuseum-Jubiläum Ludwigsstadt

Schiefermuseum feiert Jubiläum | 19.04.2019 Ludwigsstadt
» 15 Bilder ansehen

Postkarten-Sammlung Kronach

Postkarten-Sammlung aus Kronach und Teuschnitz | 19.04.2019 Kronach
» 10 Bilder ansehen

Kulturabend in Reichenbach

Kulturabend in Reichenbach | 14.04.2019 Reichenbach
» 11 Bilder ansehen

Autor
Joachim Dankbar

Joachim Dankbar

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 02. 2019
20:16 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".