Lade Login-Box.
Topthemen: Vor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-TheaterHSC 2000 Coburg

Länderspiegel

Mordfall Sophia: Obduktion lässt Fragen offen

Im Mordprozess um die erschlagene Tramperin Sophia Lösche hat ein spanischer Obduktionsbericht weiter offen gelassen, wann die damals 28-Jährige getötet wurde.



Boujeema L. (links) muss sich derzeit vor dem Landgericht Bayreuth wegen Mordes an der Anhalterin Sophia L. verantworten. Foto: Daniel Karmann/dpa
Boujeema L. (links) muss sich derzeit vor dem Landgericht Bayreuth wegen Mordes an der Anhalterin Sophia L. verantworten. Foto: Daniel Karmann/dpa  

Bayreuth/Plech – Zwei Frauen haben Sophia L. einen letzten Dienst erwiesen: Die Gerichtsmedizinerinnen, die den Leichnam der 28-Jährigen in Spanien untersuchten, haben am Mittwoch im Schwurgericht in Bayreuth ihre Erkenntnisse erläutert. Nach ihrem Gutachten sagt der wegen Mordes angeklagte Fernfahrer nicht die ganze Wahrheit.

Die Expertinnen aus Spanien waren nicht in Bayreuth. Zu sehen und zu hören waren die Gutachterinnen dennoch, nämlich mittels einer Videoübertragung. Sowohl im Bayreuther Schwurgerichtssaal als auch in dem Büro eines für Rechtshilfeverfahren zuständigen spanischen Staatsanwalts waren jeweils ein Spanisch-Deutsch-Dolmetscher zugegen. 


Die zwei Rechtsmedizinerinnen aus dem Gerichtsbezirk der Stadt Vitoria/Gasteiz, der etwa 70 Kilometer südlich von Bilbao liegt, hatten den Leichnam von Sophia L. zunächst am Fundort nahe einer Tankstelle und dann bei der Obduktion untersucht. Wie berichtet, war Sophia L., die am 14. Juni am Schkeuditzer Kreuz in den Laster des Angeklagten gestiegen war, am 21. Juni vergangenen Jahres tot in einem Gebüsch neben einer Zufahrtsstraße zu der Tankstelle in Nordspanien gefunden worden – was auch durch detaillierte GPS-Aufzeichnungen bestätigt wird.


Der wegen Mordes angeklagte Fernfahrer Boujeema L. hatte den Leichnam dort nach seinem Geständnis am 18. Juni aus seinem Laster geschafft, den in Müllsäcke gepackten Körper dort abgelegt und versucht, ihn zu verbrennen. 

Die Untersuchungen der spanischen Expertinnen bestätigte: Der Körper war mit Plastik verhüllt. An den Beinen des Leichnams fanden sie Brandspuren. Am Tag des Leichenfundes nahmen die Gerichtsmedizinerinnen die Leichenschau in einem Zelt vor Ort vor, die Obduktion fand am 22. Juni statt.
Die Expertinnen stellten als Todesursache ein Schädel-Hirn-Trauma fest, aufgrund von Gewalteinwirkung gegen den Kopf. Das passt zu dem Geständnis des Angeklagten, der zugegeben hat, die Anhalterin auf dem Autobahnparkplatz Sperbes erschlagen zu haben. Auch für die von dem Angeklagten vorgetragenen zwei Tatphasen gibt es eine Bestätigung: Die Verletzungen am Kopf seien in einem – wenngleich kurzen – zeitlichen Abstand verursacht worden, von den spanischen Obduzentinnen als „Sequenzen“ bezeichnet.


Für die Behauptung des Angeklagten, er habe Sophia L. nicht vergewaltigt, spricht dies: Ein von den Rechtsmedizinerinnen eingeschaltetes Institut für feingewebliche Untersuchungen in Madrid habe kein Sperma am Leichnam feststellen können.


Was aber nicht zum Geständnis des Angeklagten passt: Die Nachfrage des Nebenklägers und Bruders des Opfers, Andreas L., ergab die Einschätzung der Obduzentinnen, dass die Kopfverletzungen von zwei unterschiedlichen Werkzeugen verursacht worden sein dürften. Eine erste Verletzung sei von einem glatten, stumpfen und breiten Gegenstand verursacht worden und habe zur Bewusstlosigkeit geführt. Eine zweite Verletzung mit Knochenabsplitterungen am Schädel sei tödlich gewesen. Die Obduzentin Monika Diaz Dolores sagte: „So denken wir, dass es passiert ist: Die erste Sequenz führte zur Bewusstlosigkeit. Die zweite Sequenz zum Tod.“


Wie berichtet, behauptet der Angeklagte, bei beiden Tatabschnitten mit demselben Werkzeug zugeschlagen zu haben, einem Radmutterschlüssel. Boujeema L. behauptet weiter, den Schlag in der zweiten Phase deshalb ausgeführt zu haben, weil er bei seiner Rückkehr zu dem Laster darüber erschrocken sei, dass Sophia L. ihm beim erneuten Öffnen der Fahrertüre eine Hand entgegengestreckt und den Kopf gehoben habe. Laut den spanischen Obduzentinnen jedoch müsste Sophia L. schon nach Beibringen der ersten Verletzung bewusstlos gewesen sein. Zusammengefasst könnte das spanische Obduktionsergebnis heißen: Das Opfer wurde bewusstlos geschlagen und erst danach getötet. So gesehen, wäre das ein Mord.

Abschließend festgestellt sind die Obduktionsergebnisse und vor allem die daraus zu ziehenden Schlüsse aber noch nicht: Die Erkenntnisse aus Spanien soll der Erlanger Rechtsmediziner Professor Stephan Seidl im weiteren Prozessverlauf einordnen und interpretieren. Seidl war während der Beweisaufnahme in Bayreuth die meiste Zeit anwesend, hat die Erklärungen des Angeklagten gehört und soll beurteilen, ob der von Boujeema L. behauptete Tathergang mit den Obduktionsergebnissen kompatibel ist.
Der nächste Prozesstermin ist der 12. August.

Autor

Manfred Scherer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
31. 07. 2019
14:27 Uhr

Aktualisiert am:
31. 07. 2019
20:22 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anklage Delikte und Straftaten Fall Sophia Landgericht Bayreuth Leichen Mord Mordprozesse Obduktionen Obduktionsberichte Tod und Trauer Todeszeitpunkt Tötung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Urteil im Prozess um Mord an Tramperin Sophia

25.09.2019

Keine Revision im Mordprozess um Tramperin Sophia

Im Mordprozess um die Tramperin Sophia Lösche wird es keine Revision geben. » mehr

Verteidiger Karsten Schieseck (links) mit seinem Mandanten, dem 42-jährigen Boujeema L. Dieser hat gestanden, Sophia Lösche getötet zu haben, stellt es aber als Unfall dar.

10.09.2019

Fall Sophia: Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft

Im Mordprozess um die erschlagene Tramperin Sophia Lösche hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag für eine lebenslange Haftstrafe des angeklagten Fernfahrers wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung plädiert. » mehr

Verteidiger Karsten Schieseck (links) mit seinem Mandanten, dem 42-jährigen Boujeema L. Dieser hat gestanden, Sophia Lösche getötet zu haben, stellt es aber als Unfall dar.

Aktualisiert am 18.09.2019

Anhalterin getötet: Lkw-Fahrer bekommt lebenslänglich

Das Gericht ist überzeugt, dass der Täter die junge Frau tötete, um ein vorangegangenes Verbrechen zu vertuschen. Demnach starb sie am Parkplatz Sperbes an der A 9. » mehr

Mordfall Sophia

20.08.2019

Wende im Fall der Anhalterin Sophia Lösche

Warum tötete der Fernfahrer die junge Frau? Die Anklage vermutet, um eine Sexualstraftat zu vertuschen. Doch es könnte auch einen anderen Grund geben. » mehr

Am 21. Juni 2018 wurde die Leiche der Anhalterin Sophia Lösche nahe der Autobahn bei der spanischen Ortschaft Asparrena gefunden. Da war die junge Frau aus Amberg nach Ansicht des Gerichtsmediziners bereits seit mehreren Tagen tot.

16.08.2019

Mordfall Sophia: Obduktion stützt Aussage des Angeklagten

Bei der Untersuchung der Leiche von Sophia Lösche findet der Gerichtsmediziner keine Hinweise auf eine Vergewaltigung. Das Opfer war nach den Schlägen schnell bewusstlos. » mehr

Mordfall Sophia

22.07.2019

Getötete Tramperin Sophia: Mordprozess gegen Lkw-Fahrer beginnt

Der Prozess um die vor gut einem Jahr getötete Tramperin Sophia Lösche beginnt am Dienstag (9.00 Uhr) vor dem Landgericht Bayreuth. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Oktobermarkt in Ebern

Oktobermarkt in Ebern | 14.10.2019 Ebern
» 12 Bilder ansehen

Schauübung der Kronacher Feuerwehr

Schauübung der Kronacher Feuerwehr | 14.10.2019 Kronach
» 13 Bilder ansehen

BBC Coburg - Elchingen 63:78

BBC Coburg - Elchingen 63:78 | 13.10.2019 Coburg
» 37 Bilder ansehen

Autor

Manfred Scherer

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
31. 07. 2019
14:27 Uhr

Aktualisiert am:
31. 07. 2019
20:22 Uhr



^