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Länderspiegel

Schlag gegen Rechtsextremisten

Horst Seehofer verbietet die Terrorgruppe Combat 18 und veranlasst Razzien. Dabei gerät Stanley R. in den Fokus: Der mutmaßliche Rädelsführer stand 2018 in Hof vor Gericht.



Vom Hofer Gericht wurde Combat-18-Rädelsführer Stanley R. 2018 zu einer Geldstrafe verurteilt. Foto: Florian Miedl
Vom Hofer Gericht wurde Combat-18-Rädelsführer Stanley R. 2018 zu einer Geldstrafe verurteilt. Foto: Florian Miedl  

Hof/Schirnding/Erfurt - Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat zu einem Schlag gegen die rechtsextreme Organisation Combat 18 ausgeholt: Er hat die Terrorgruppe, deren Zahlencode 18 für die Anfangsbuchstaben von Adolf Hitler steht, verboten und am Donnerstag in Thüringen, Osthessen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen Wohnungen durchsuchen lassen.

Am Morgen tauchte die Polizei auch am Arbeitsplatz eines Mannes in Thüringen auf, der schon in Oberfranken vor Gericht stand: Stanley R. Die Beamten fuhren mit ihm zu seiner Wohnung im Raum Eisenach, um sie zu durchsuchen. Stanley R. gilt als Rädelsführer von Combat 18. Er ist nach Recherchen des MDR vor mehr als einem Jahr, nachdem er eine Haftstrafe abgesessen hatte, von Hessen nach Thüringen umgezogen. Wie der MDR außerdem berichtet, stand R. unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, seine Telefone seien demnach seit mehr als einem Jahr abgehört worden.

Die rechtsextreme Organisation Combat 18 ist der bewaffnete Arm des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks "Blood and Honour" (Blut und Ehre). Dass Stanley R. eine Affinität zu Waffen hat, zeigte sich vor gut zwei Jahren in der Region, an der deutsch-tschechischen Grenze. Am 24. September 2017 wurden R. und elf weitere Männer in Schirnding im Landkreis Wunsiedel von der Sondereinheit GSG 9 der Bundespolizei kontrolliert. Dabei fanden die Beamten Munition. Stanley R. hatte zwei Patronen bei sich, einer seiner Begleiter, Tobias V., hatte in einer Toastbrot-Packung 24 Patronen versteckt. Die Munition stammte von einem privaten Schießstand in der Nähe von Eger (Cheb) in Tschechien, an dem die Gruppe, die die Behörden Combat 18 zurechnen, mit scharfen Waffen ein Schießtraining absolviert hatte. Für Stanley R. und Tobias V. hatte das Ganze ein gerichtliches Nachspiel in Hof.

R. wurde zu einer Geldstrafe und V. zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt, weil sie die Munition über die Grenze gebracht und somit gegen das Waffengesetz verstoßen hatten. Ein gutes Jahr später wurde V. aufgrund eines Haftbefehls der Staatsanwaltschaft Hof festgesetzt, weil er der Bewährungsauflage - der Zahlung von 2000 Euro - nicht nachgekommen war.

In Bayern liegen nach Einschätzung von Jan Nowak von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Regensburg die Schwerpunkte von Combat 18 im südlichen Oberbayern. Es gibt nach Recherchen unserer Zeitung zwar Fotos von Autos mit Combat-18-Aufklebern, die bei einer Nazi-Kundgebung in Wunsiedel entstanden sind. Ob Mitglieder dieser Gruppe aber tatsächlich in der Kreisstadt mitmarschiert sind, ist nicht sicher. "Combat 18 ist ein Label, mit dem viele Rechte sehr gerne kokettieren", sagt Jan Novak.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) stuft das Netzwerk als hochgefährlich ein. Im Freistaat selbst gab es am Donnerstag keine Razzien. Hier ermitteln derzeit die Behörden noch nach Durchsuchungen im Oktober: Damals standen Droh-E-Mails mit islamfeindlichen Inhalten im Mittelpunkt, die mit "Combat 18" unterzeichnet waren.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar Drängende Fragen.

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Thomas Scharnagl

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Veröffentlicht am:
23. 01. 2020
20:06 Uhr

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Thomas Scharnagl

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Veröffentlicht am:
23. 01. 2020
20:06 Uhr



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