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Sensation in der Teufelshöhle

Mehr als 30 Jahre haben Hans-Joachim Betko und Hanns Nägerl nach neuen Räumen in der Teufelshöhle gesucht - jetzt wurden sie fündig.



Sensationsfund in der Teufelshöhle
Sensationsfund in der Teufelshöhle  

Pottenstein - Der Münchner Hans-Joachim Betko (61) und der Sulzbach-Rosenberger Hanns Nägerl (80) haben den bisher größten Raum in diesem Naturdenkmal entdeckt. Wann er für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird, ist noch ungewiss. Jetzt sollen ihn erst einmal Wissenschaftler unter die Lupe nehmen.

Der Fund ist schon ein paar Monate her: Bereits am 1. Dezember hatten die beiden Höhlenforscher, die seit Ende der 1980er-Jahre im Auftrag des Zweckverbandes Teufelshöhle aktiv sind, das größte Erfolgserlebnis ihrer nebenberuflichen Laufbahn.

Genugtuung, auch Stolz, ist da im Spiel. Eine tiefe Zufriedenheit. Nicht nur bei Pottensteins Bürgermeister Stefan Frühbeißer, sondern vor allem bei den Forschern, die nie aufgegeben haben.

Das hat mit einem Motto zu tun, dem sich die beiden, die sich einst "rein zufällig" über den Weg liefen, gemeinsam verpflichtet fühlen wie der Geowissenschaftler und Bergbauingenieur Betko sagt. Das lautet "never quit" - und vereint Menschen, die nicht aufgeben, die sich in eine Sache verbeißen.

Sie haben gebohrt, sondiert, gemessen. Immer und immer wieder. Erfolglos. Und sie haben mit jenen Männern geredet, die die Teufelshöhle besser kennen als alle anderen. Mit den Höhlenführern. So auch mit Georg Weißenberger, dem ehemaligen Betriebsleiter der Höhle, "der leider viel zu früh verstorben ist", so Betko. Weißenberger hatten er und Nägerl einmal gefragt, ob ab und zu ein Luftzug unbekannter Herkunft zu spüren ist im Höhlensystem. Vor allem bei Temperaturschwankungen.

Der bejahte - und an einer Stelle bohrten die beiden Forscher dann nach, als Untersuchungen mit modernster Technik von Wärmebildkameras bis hin zu Radarmessungen mit elektromagnetischen Wellen besagten: Das lohnt sich. Dann ging alles relativ schnell.

Die Entdecker räumten gut einen Kubikmeter Lehm auf die Seite, stießen auf einen "wurmartigen Durchschlupf". Dem folgten sie Meter um Meter. Kriechend. Auf einmal dann eine Kluft - und dahinter dann das, wonach sie über viele Jahre hinweg so sehnsüchtig geforscht hatten. Ein neuer Höhlenraum. Von einer Größe, die sie so nie erwartet hätten.

Der 80-jährige Nägerl, der so vieles in seinem Leben angepackt hat, unter anderem zur See fuhr und bis zu seinem Ruhestand als Physiotherapeut gearbeitet hat, hatte kein Problem damit, durch die Engstelle, den sogenannten "Wurm", hindurchzu- krabbeln.

Das Entdeckerglück hat ihn spürbar bewegt. "Das hatte etwas Ehrwürdiges." Allein schon mit Blick auf die Größe. "Das wirkt wie eine Kathedrale", ergänzt Hans-Joachim Betko. So sollte der Raum aus Sicht der beiden Forscher auch genannt werden. Bürgermeister Stefan Frühbeißer überlegt, ob sich der neue Raum für die Höhlentherapie nutzen lässt.

Das hängt vom Radon-Gehalt der Luft wie des Lehms in der Höhle ab - "vielleicht lässt sich der als Heil-Lehm nutzen, der hilft bei vielen Hautkrankheiten", so Betko. Zunächst haben jedoch die Wissenschaftler das Wort. Betko erklärt, dass es hier zwar keine großartigen Tropfsteingebilde zu bewundern gibt. Aber sehr wohl durch das stetige Tropfen erzeugte blumenartige Bodenstrukturen, "wie es sie in dieser Form selten gibt".

Und, so Nägerl und Betko, der Raum entstand über Millionen von Jahren hinweg durch einen unterirdischen Flusslauf. Da gebe es sicher eine Fortsetzung. Und damit wohl auch weitere Räume, die es noch zu entdecken gilt.

Autor

Stefan Brand
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Veröffentlicht am:
31. 03. 2019
20:24 Uhr

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Stefan Brand

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Veröffentlicht am:
31. 03. 2019
20:24 Uhr



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