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Länderspiegel

Sophia Lösches Mörder akzeptiert Urteil

Das Urteil im Fall der getöteten Anhalterin ist rechtskräftig. Der Täter will zu seiner Schuld stehen. Der Bruder des Opfers sieht eine ganz andere Motivation.



"Er fühlt sich durch das Urteil gerecht behandelt": Boujemaa L. (vorne, Mitte) ist mit dem Urteil einverstanden. Foto: Daniel Karmann/dpa
"Er fühlt sich durch das Urteil gerecht behandelt": Boujemaa L. (vorne, Mitte) ist mit dem Urteil einverstanden. Foto: Daniel Karmann/dpa  

Bayreuth/Plech - Der wegen des Mordes an der Anhalterin Sopha Lösche verurteilte Fernfahrer Boujemaa L. verzichtet auf eine Revision. Damit ist das Urteil des Bayreuther Schwurgerichts rechtskräftig. "Er will damit zeigen, dass er zu seiner Schuld steht", sagt sein Verteidiger Karsten Schieseck. Der Bruder des Opfers, Andreas Lösche, glaubt hingegen an eine ganz andere Motivation.

Lösche geht nach wie vor davon aus, dass der Prozess vor dem Bayreuther Schwurgericht der "Wahrheit nicht nahe gekommen ist". Er ist überzeugt, dass seine Schwester damals am 14. Juni 2018 nicht am Autobahnparkplatz Sperbes starb, sondern schwer verletzt noch zwei Tage in dem Laster lag, ehe der Fernfahrer sie vermutlich erst in Frankreich tötete. Lösche sagt: "Das wäre ein besonders grausames Vorgehen, das würde vielleicht die besondere Schwere der Schuld begründen. Insofern, denke ich, kommt er noch gut weg."

Wird in einem Mordurteil die besondere Schwere der Schuld bejaht, hat ein Verurteilter nicht schon nach 15 Jahren Haft die Chance, dass eine vorzeitige Haftentlassung überprüft wird. Nachdem das Bayreuther Urteil keine besondere Schwere der Schuld feststellte, vermutet Lösche, dass Boujemaa L. auf eine Revision verzichtete, um auszuschließen, dass "ein zweites Gericht vielleicht doch zur besonderen Schwere der Schuld kommt".

Obwohl der im Prozess festgestellte Sachverhalt nicht der Überzeugung der Familie Lösche entspricht, hat Andreas Lösche viele positive Erkenntnisse aus dem Prozess mitgenommen: "Was das Gericht über meine Schwester gesagt hat, hat gutgetan. Die Worte des Richters Heim, was sie für ein besonderer Mensch war, das war eine Hommage an Sophia." Und auch dem Verteidiger Schieseck rechnet er hoch an, dass er nicht eine Verteidigungsstrategie gefahren habe nach dem Motto "Selbst schuld, wenn jemand zu einem Fernfahrer einsteigt." Andreas Lösche glaubt, dass er nun "abschließen" kann: "Selbst wenn wir die Möglichkeit für ein Rechtsmittel gehabt
hätten - ich glaube nicht, dass wir das noch einmal durchgestanden hätten."

Verteidiger Karsten Schieseck dagegen sieht einen "Ausnahmefall" darin, dass ein wegen Mordes Verurteilter auf sein Rechtsmittel verzichtet. Schieseck hatte für seinen Mandanten bereits am Freitag nach dem Urteil den Revisionsverzicht erklärt. Doch warum hat der Fernfahrer nicht die Möglichkeit einer Revision genutzt? Sein Verteidiger sagt: "Er fühlt sich durch das Urteil gerecht behandelt." Für seinen Mandanten sei in dem Verfahren sehr wichtig gewesen, dass ihm keine Sexualstraftat angelastet wird.

Der Fall Sophia Lösche erregte auch deshalb großes Aufsehen, weil Familie und Freunde von Sophia bereits kurz nach ihrem Verschwinden eine private Suchaktion auf die Beine stellten, wie sie es bis dato in der Kriminalgeschichte noch nicht gegeben hatte. Über soziale Medien wurde Sophias Fotos weltweit verteilt, Fernfahrer in ganz Europa bekamen die Suche mit - noch ehe die Polizei richtig in die Fahndung einstieg.

Darüber gibt es heute Abend in der ZDF-Sendung Frontal 21 eine Dokumentation. Sie heißt " Der Mordfall Sophia - Protokoll einer fehlerhaften Fahndung" und wird um 21 Uhr ausgestrahlt.

Autor

Manfred Scherer
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Veröffentlicht am:
30. 09. 2019
19:20 Uhr

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Manfred Scherer

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30. 09. 2019
19:20 Uhr



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