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Länderspiegel

Spielbank-Betrug: Wo sind die 760 000 Euro geblieben?

Das Amtsgericht verurteilt eine frühere Mitarbeiterin der Spielbank Bad Steben und ihren Noch-Ehemann wegen Untreue. Sie gesteht, Gelder veruntreut zu haben - er dementiert.



Bewährungsstrafen für Spielbank-Betrug
Bewährungsstrafen für Spielbank-Betrug  

Hof - Einer der größten Betrugsfälle seit Jahren ist am Donnerstag vor dem Amtsgericht Hof verhandelt worden. Eine ehemalige Mitarbeiterin hatte Hunderttausende Euro veruntreut. "Bei Ihnen war es relativ einfach, einen Schuldspruch herbeizuführen." So hat Richterin Diana Fritzsche am Hofer Amtsgericht ihre Urteilsbegründung gegenüber Silke F. eingeleitet. Die ehemalige Mitarbeiterin der Spielbank Bad Steben hatte von Anfang an die Taten eingeräumt, die ihr zur Last gelegt wurden, zudem befindet sie sich deshalb in seelisch und psychisch sehr schlechter Verfassung. Bei ihrem getrennt lebenden Ehemann dauerte die Urteilsbegründung länger: Holger F. hatte im Verfahren mehrmals betont, von nichts gewusst zu haben. Dass ihn das nicht vor Strafe schütze, hatte ihn die Richterin ebenfalls mehrmals wissen lassen. Sie folgte im Strafmaß im Wesentlichen der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Von 2008 bis Ende 2017 hatte Silke F. insgesamt 760 000 Euro aus dem Etat der Spielbank abgezweigt, um sie - zumindest in Teilen - in die Firma ihres Mannes zu stecken. Strafrelevant war jedoch lediglich die Summe, die sie seit 2013 derart zweckentfremdet hatte: 273 000 Euro; allein jener Betrag spielte vor Gericht eine Rolle, der Rest ist bereits verjährt. Die frühere Buchhalterin hatte dafür auf Auszahlungsformularen für die Bank die Unterschrift des Spielbank-Direktors gefälscht, um dort Geld abzuheben - 31 Mal in vier Jahren, immer mit vier- und fünfstelligen Beträgen. Sie war nun wegen Betrugs und Urkundenfälschung in 31 Fällen angeklagt. Denn das Geld ist nie bei der Spielbank angekommen: Ein großer Teil davon, 232 000 Euro, landete auf den Privatkonten des Ehepaares oder auf dem Geschäftskonto der Firma ihres Mannes. Der saß ebenfalls auf der Anklagebank: wegen Geldwäsche in 79 Fällen. In einem vierstündigen Verfahren vor dem Schöffengericht ging es nun um die Beweggründe Silke F.s, darum, was ihr Noch-Ehemann - oder die Spielbank - hätte merken müssen.

Aufgefallen war das Ganze im November 2017 der Staatlichen Lotterieverwaltung. Jene hatte Spielbank-Direktor Udo Braunersreuther darauf hingewiesen, dass sein Haus über vergleichsweise hohe Bargeld-Bestände verfüge - die jeweiligen Beträge waren ja bei der Bank ausbezahlt worden. Da habe für ihn das Nachforschen begonnen, erklärte Braunersreuther. Schnell sei klar gewesen, dass jene langjährige Mitarbeiterin Geld abgehoben und die Unterlagen manipuliert haben muss. Er hatte damals, wie berichtet, die Kripo verständigt.

Drei Hausdurchsuchungen, Auswertungen der Buchführung des kleinen Betriebs und umfangreiche Vernehmungen nannte der zuständige Kripo-Sachbearbeiter als Basis seiner Ausführungen. Wo er - wie alle anderen auch - passen musste: bei der Frage, wofür die Angeklagten das ganze Geld eigentlich ausgegeben haben. Die Wohnsituation in ihrem Haus im Frankenwald bezeichnete er als "desolat", am Gebäude herrsche Sanierungsstau, und weder habe die Polizei Gegenstände von besonderem Wert noch Hinweise auf hohe Ausgaben gefunden. Lediglich die sehr großen Mengen an Kleidung, die bergeweise in den Zimmern gelegen habe, sei auffällig gewesen. Die zahlreichen Abbuchungen bei Online-Händlern nahmen breiten Raum ein in den Erklärungen. Schlussendlich fasste Richterin Fritzsche zusammen: "Das Geld ist verpufft." Die Angeklagten gingen sichtlich auf Abstand zueinander.

Silke F.s Verteidiger Jürgen Schmidt baute seine Argumentation auf der seelischen Notlage auf, in der sich seine Mandantin seit Jahren befunden habe. Ihr Mann hatte zwar als Nebenerwerb die väterliche Firma übernommen, sich aber nie um die Finanzen gekümmert. Sie selbst habe alles geregelt, hätte aber den Niedergang des Betriebs nicht aufhalten können. Geld von ihrem Arbeitgeber zu stehlen, habe sie als Ausweg gesehen. "Ich habe alles fürs Geschäft gegeben, meinem Mann aber nichts gesagt", zitierte Schmidt seine Mandantin. Die Spirale sei immer weiter abwärts gegangen. Sie sei noch bis zur Verhandlung vorangetrieben worden von ihrem getrennt lebenden Mann selbst: Er habe sie trotz Kontaktverbots mit aggressiven Nachrichten belästigt. Holger F.s Verteidiger Jörg Meringer beteuerte, dass sein Mandant von nichts gewusst habe. "Dass er sich nicht um die Firma gekümmert hat, kann man ihm nicht strafrechtlich anlasten."

Das sahen sowohl Staatsanwalt Benjamin Lange als auch Richterin Fritzsche anders: Bei einem gemeinsamen Haushaltseinkommen von monatlich knapp 4000 Euro hätte er die hohen Geldbeträge, die der Firma und auch ihm persönlich zur Verfügung standen, hinterfragen müssen, betonte Fritzsche. Sie verurteilte Silke F. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt auf einen Bewährungszeitraum von drei Jahren. Holger F. verurteilte sie zu einem Jahr Freiheitsentzug , ebenfalls ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung; dazu kommt eine Auflage von 4000 Euro. Die beiden müssen den Betrag von 232 000 Euro gemeinsam zurückzahlen; Silke F. muss zudem die 41 000 Euro begleichen, die nie auf den Konten des Paars aufgetaucht waren. Silke F. nahm das Urteil gleich an; ihr Anwalt betonte: "Für sie ist das Ende des Verfahrens eine Befreiung."

Autor

Christoph Plass
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
23. 05. 2019
13:44 Uhr

Aktualisiert am:
23. 05. 2019
19:04 Uhr

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Christoph Plass

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23. 05. 2019
13:44 Uhr

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23. 05. 2019
19:04 Uhr



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