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Länderspiegel

Tatjana Gsell will Dschungelkönigin werden

Tatjana Gsell, Witwe des Schönheitschirurgen Franz Gsell und Jugendfreundin des ehemaligen Hofer Staatsanwalts Stefan M, ist sich für keine Trash-Sendung zu schade.



Tatjana Gsell: Foto: MG RTL D / Arya Shirazi  

Bald ist es wieder so weit: Am Freitag, 19. Januar, startet die Ekel- und Fremdschämshow schlechthin – das Dschungelcamp. Der Sender RTL hat nun die Kandidaten der diesjährigen Show bekannt gegeben. Auf der Liste der C- und Z-Promis steht auch die Skandal-Blondine Tatjana Gsell. Die 46-Jährige erlangte früher nämlich als Witwe des Millionärs Franz Gsell unter dem Titel „Busen-Witwe“ Bekanntheit und war an einem der bizarrsten Kriminalfälle in Bayern beteiligt. Ihr Jugendfreud Stefan M. war Staatsanwalt in Hof und stand ebenfalls vor Gericht. 

Tatjana Gsell war die Ehefrau des 40 Jahre älteren Nürnberger Schönheitschirurgen Franz Gsell und dabei wohl auch ein wenig das Aushängeschild des auf Publicity bedachten Arztes. Am 5. Januar 2003 wird Gsell in seinem Bungalow im Nürnberger Nobel-Stadtteil Erlenstegen überfallen, am 26. März 2003 erliegt er den Spätfolgen dieses Überfalls.

Wieder einen Monat später wird seine Witwe festgenommen, die sich zur Tatzeit im spanischen Marbella aufgehalten hatte. Mit ihr wandert ein damaliger Hofer Staatsanwalt in die Untersuchungshaft. In ersten Vernehmungen erzählen beide, dass Gsells Tod so etwas wie ein tragischer Betriebsunfall gewesen sei. Der Arzt habe mit seiner Frau Kontakt mit Autoschiebern im ehemaligen Jugoslawien aufgenommen. Sie sollten in besagter Nacht einen Mercedes im Wert von 100 000 Euro abholen, der dann später als gestohlen gemeldet werden sollte. Dann aber sei die Sache aus dem Ruder gelaufen und der 76-jährige Gsell von den Jugoslawen niedergeschlagen worden.

Stefan M., der sich in der Tatnacht in der Nähe der Villa aufgehalten haben soll, widerruft noch im Strafprozess sein Geständnis. Dennoch werden beide wegen versuchten Versicherungsbetrugs und Vortäuschens einer Straftat zu Bewährungsstrafen und Geldauflagen verurteilt. Für den Tod von Franz Gsell werden sie jedoch nicht verantwortlich gemacht. Für Stefan M. bedeutet das Urteil das Ende seiner Karriere. Über seine Motive wird heftig spekuliert. Medienberichten zufolge war er ein Jugendfreund der in Ebern bei Bamberg aufgewachsenen Tatjana Gsell und ihr immer noch nahezu blind ergeben.

Erst etliche Jahre später erweist sich, dass sich in der Villa etwas ganz anderes abgespielt hat. In Dänemark sichert die Kripo in einem anderen Fall die DNA eines Straftäters, der 2003 seine Spur auch in Erlenstegen hinterlassen hatte. Es handelt sich um einen Rumänen, der mit einem Komplizen in jener Nacht Franz Gsell überfallen und ausgeraubt hat - auf eigene Rechnung. Beide bekommen dafür 2014 nach einem Geständnis vom Landgericht Nürnberg elf Jahre Haft.

Und der Versicherungsbetrug? Tatjana Gsell sagt als Zeugin in dem neuerlichen Prozess, dass es ihn nie gegeben habe. Sie habe darüber mit Stefan M. und ihrem Ehemann zwar gesprochen, doch Franz Gsell habe abgeraten. Ihr Falschgeständnis erklärt sie mit dem Druck der damaligen Ermittler.

Der Ex-Staatsanwalt will nach Informationen der Süddeutschen Zeitung nicht in den Staatsdienst zurückkehren. 

Tatjana Gsell ist zwar juristisch rehabilitiert. In den Köpfen aber nicht. Im RTL-Dschungelcamp will sie ihr Image polieren. Ob das der 46-Jährigen gelingt, ist fraglich. 

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Von Joachim Dankbar und Alina Juravel
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Veröffentlicht am:
12. 01. 2018
15:57 Uhr

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Von Joachim Dankbar und Alina Juravel

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12. 01. 2018
15:57 Uhr



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