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Länderspiegel

Tipp aus Australien deckt Missbrauch auf

Ein 39-Jähriger soll den eigenen Sohn missbraucht und Fotos davon mit Gleichgesinnten getauscht haben. Ein Hinweis aus Down Under bringt die Ermittler auf die Spur.



Missbrauch hinterlässt immer Narben an der Seele - besonders wenn es sich bei den Opfern um Kinder handelt.	Symbolfoto: Theeradech Sanin/Adobe Stock
Missbrauch hinterlässt immer Narben an der Seele - besonders wenn es sich bei den Opfern um Kinder handelt. Symbolfoto: Theeradech Sanin/Adobe Stock  

Hof - Unter einer nahezu unfassbaren Anklage steht ein 39-jähriger Familienvater aus dem Landkreis Wunsiedel gegenwärtig vor dem Landgericht Hof: Er soll seinen eigenen Sohn in einer großen Zahl von Fällen sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Das wichtigste Beweismittel: eine Vielzahl von Fotos und Videos, die das Geschehen zeigen. Wie der 39-Jährige einräumte, hatte er sie selbst angefertigt und in einem Messenger-Dienst im Internet mit mindestens zwei Gleichgesinnten geteilt.

Die Anklage geht davon aus, dass sich der Missbrauch über längere Zeit hinzog. Bei den ersten Taten war der Junge erst sechs Jahre alt. Schauplatz der Übergriffe sollen die Wohnung der Familie sowie die Werkstatt und das Gartenhäuschen des Anwesens gewesen sein. Mehrfach soll er mit dem Jungen auch in den Wald gefahren sein, um ihn dort im Auto zu missbrauchen. Die Anklage geht von sechs Fällen des Missbrauchs, davon fünf im besonders schweren Fall, und 25 Fällen der Erstellung oder Verbreitung von Kinderpornografie aus. Dafür drohen ihm bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe. Seit Dezember des vorigen Jahres sitzt der 39-Jährige in Untersuchungshaft.

Sein Fall zeigt aber auch, wie eng die internationale Zusammenarbeit der Polizei bei der Bekämpfung des Kindesmissbrauchs und der Kinderpornografie inzwischen geworden ist. Beamte der Bundespolizei in Australien waren im Herbst 2018 bei der Überwachung einschlägiger Foren im Internet auf ein Foto aufmerksam geworden, das einen kleinen, auf dem Bauch liegenden Jungen zeigt, der gerade von einem Erwachsenen missbraucht wird. Vermutlich hatte es einer der Chatpartner des 39-Jährigen öffentlich gemacht. Bei der Prüfung der Datei stellten die Fahnder fest, dass sie in Deutschland hochgeladen worden sein musste.

Die australische Kripo reichte den Tipp weiter an das Bundeskriminalamt. Von da an verfolgten das LKA Bayern und die Hofer Kriminalpolizei die elektronische Spur bis in den Landkreis Wunsiedel. Dort wurde der Familienvater kurz vor Weihnachten festgenommen. Die Kripo beschlagnahmte bei dieser Gelegenheit sein Handy, mit dem er seine Taten offenbar umfassend dokumentiert hatte.

Gleich nach der Verlesung der Anklageschrift legte der Familienvater über seinen Verteidiger Walter Bagnoli ein weitgehendes Geständnis ab. Demnach war vor allem das Internet der Auslöser für sein Handeln. Zwar habe er schon in der Pubertät erstmals sein Interesse an Jungs entdeckt, ein Handeln habe sich daraus nicht entwickelt. Die weitere sexuelle Entwicklung sei samt einer Familiengründung vollkommen unauffällig verlaufen.

Dies habe sich erst geändert, als er im Jahr 2016 auf einschlägigen Seiten im Internet auf Fotos mit nackten Jungs gestoßen sei. Dies habe in ihm ein Verlangen geweckt, das schließlich zu den angeklagten Geschehnissen führte. Eine volle Erinnerung daran habe er nicht mehr. Der 39-Jährige räumte ein, dass "80 bis 90 Prozent" der Anklageschrift zuträfen. Ganz entschieden bestritt er aber, dass es zu den vorgeworfenen Vergewaltigungen und anderen drastischen Details gekommen sei.

Er werde aber alles tun, um seinem Sohn die Vernehmung durch das Gericht zu ersparen, versicherte der Familienvater. Dies steht allerdings bislang im Widerspruch zu dem eingeschränkten Geständnis. Im Zweifel müsste dann das Opfer eventuell doch gehört werden. Am Vormittag des ersten Verhandlungstages prüfte das Gericht, welche Sachbeweise gegen den 39-Jährigen vorliegen. Dazu wurden die Fotos und Videos in Augenschein genommen, die auf seinem Handy gefunden worden waren. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte des Kindes schloss das Gericht die Öffentlichkeit dabei aus.

Ein Urteil wird in der kommenden Woche erwartet.

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Joachim Dankbar

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Veröffentlicht am:
13. 06. 2019
16:18 Uhr

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13. 06. 2019
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