Lade Login-Box.
Topthemen: Die Videos der WocheDer BachelorCotubeVor 40 Jahren in der Neuen PresseBlitzerwarnerGlobe-Theater

Länderspiegel

Tochter verprasst Vermögen des 81-jährigen Vaters

Eine Frau aus dem Landkreis Hof plündert das Konto ihres Vaters. Dem droht dadurch der Verlust seines Heimplatzes in Wallenfels.



Rollator in Zimmer in Altenpflegeheim
Ein Rollator steht in einem Seniorenheim in einem Zimmer neben einem Pflegebett.   Foto: Britta Pedersen/Archiv

Kronach - Der Versuchung, sich am gut gefüllten Konto ihres im Wallenfelser Pflegeheim wohnenden 81-jährigen Vaters zu bedienen, konnte eine Mittvierzigerin aus dem Landkreis Hof in den beiden vergangenen Jahren nicht widerstehen: Ausgestattet mit einer Konto- und Betreuungsvollmacht sollte sie sich nach dem Willen des Familienangehörigen eigentlich um dessen finanzielle Absicherung sowie die Begleichung seiner laufenden Verpflichtungen - darunter auch die monatlichen Kosten für das Pflegeheim - kümmern. Doch stattdessen verprasste sie die gesamten finanziellen Reserven und stürzte das Konto des Seniors obendrein ins Minus. Der hierdurch entstandene Vermögensschaden: knapp 23.400 Euro. Wegen gewerbsmäßiger Untreue in 144 Fällen wurde sie deswegen am Donnerstagnachmittag vor dem Amtsgericht Kronach unter Vorsitz von Strafrichter Christoph Lehmann zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Zudem muss sie Wertersatz sowie 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Nach anfänglicher Überzeugung von Staatsanwalt Matthias Jakob soll die Angeschuldigte im Zeitraum von Januar 2017 bis September 2018 gar in 153 Fällen jeweils kleinere Geldbeträge an diversen Geldautomaten in den Landkreisen Hof und Kronach vom Konto des Vaters abgezweigt haben. Den Gesamtschaden bezifferte der Anklagevertreter auf annähernd 25.000 Euro. Die angeschuldigte Mutter zweier Kinder räumte die Vorwürfe größtenteils ein. Zum Motiv befragt gab sie finanzielle Probleme an: "Es hat bei mir damals einfach gehapert." Strittig blieb nach Hinweis von Verteidigerin Kerstin Rieger indes eine Schadenssumme von 1600 Euro in neun Fällen, in denen ein eindeutiger Tatnachweis nicht geführt werden konnte. Die Teilanklagepunkte wurden fallengelassen.

Finanzielles Desaster

Auf die Schliche kam man der Beklagten im Oktober 2018, als sich die Leitung des Pflegeheims aufgrund ausstehender Zahlungen in Höhe von knapp 19.000 Euro an eine Berufsbetreuerin wandte, die schließlich das finanzielle Desaster aufdeckte. Nach deren Aussage habe der Senior, der aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Verhandlung teilnehmen konnte, damals mit Unverständnis auf den drohenden Verlust des Heimplatzes reagiert: "Er hat es nicht verstanden, dass plötzlich Schulden da sein sollen. Er sagte: ‚Ich habe doch immer gearbeitet.‘" Schließlich habe sich der 81-Jährige nach intensiver Belehrung durch den verantwortlichen Sachbearbeiter der Polizei zur Strafanzeige entschlossen - eine Handlung, mit der er sich nach Worten des Beamten "sehr, sehr schwergetan" habe.

Der Staatsanwalt plädierte auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten nebst Einziehung von Wertersatz in Höhe von 23.360 Euro und mahnte: " Das war ein erheblicher Vertrauensbruch, den Sie da begangen haben." Eine einjährige Bewährungsstrafe wollte Verteidigerin Rieger erreichen. Mit einer um einen Monat reduzierte Strafe schloss sich Richter Lehmann den Forderungen Jakobs an. "Das war das gezielte Ausnutzen einer Person, die auf fremde Hilfe angewiesen ist. Sie haben sich so bedient, dass Ihr Papa das Heim nicht mehr bezahlen konnte", sagte er zur Angeklagten. Die zusätzlich verhängten Arbeitsstunden sollen die Dame nach Willen des Richters jeden Monat daran erinnern, "was Sie da für einen Mist gemacht haben". Das Urteil ist rechtskräftig.

Autor

Jürgen Malcher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
31. 10. 2019
18:10 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Amtsgericht Kronach Amtsgerichte Angeklagte Bewährungsstrafen Polizei Probleme im Bereich Finanzen Staatsanwälte Strafanzeigen Strafarten Strafrichterinnen und Strafrichter Unterschlagung und Veruntreuung nicht mehr bezahlen können
Kronach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema

Aktualisiert am 08.01.2020

Aus Kaufsucht zur Kriminellen

Kaffeekapseln, ein Beistelltisch, Notebooks: Mehr als 750 Produkte hat sich eine Geschäftsführerin eines Jugendzentrums geleistet - von dem Geld für die Jugendarbeit. » mehr

Soll mit den Geldentnahmen seine teure Jagdleidenschaft finanziert haben: Torsten R. Foto: Joachim Dankbar

06.12.2019

Staatsanwaltschaft fordert neun Jahre Haft

Ein Insolvenzverwalter aus Bayreuth soll die Konten insolventer Firmen geplündert haben. Die Anklage spricht von einer erheblichen kriminellen Energie. » mehr

Schlägerei - Symbolfoto

26.10.2019

Blutige Attacke in Oberkotzau: Landgericht erlässt Kontaktverbot

Ein verurteilter Schläger darf sich seinem Opfer weder persönlich nähern noch es durch Briefe und Anrufe kontaktieren. Nur so entgeht er einem Gefängnisaufenthalt. » mehr

Schlägerei - Symbolfoto

25.10.2019

Blutige Attacke in Oberkotzau: Auch der Täter ist ein Opfer

Ein 31-Jähriger soll mit "abnormaler Brutalität" einen Bekannten geprügelt haben. Ein Psychiater verweist auf dessen Erlebnisse mit Gewalt in der Kindheit. » mehr

Bruchteile einer Sekunde haben über Leben und Tod entschieden: Ein Jäger wurde für den tödlichen Schuss auf einen Mann zu einer Bewährungsstrafe von zwölf Monaten verurteilt.

24.07.2019

Schluchzend bittet der Jäger um Entschuldigung

Der Schuss galt einem Wildschwein, trifft aber den Beifahrer in einem Auto - tödlich. Vor Gericht fließen die Tränen. » mehr

Auch wenn sie klein sind, haben Yorkshire-Terrier ein Grundbedürfnis nach Bewegung - und auf regelmäßige Gassi-Gänge. Foto: Adobe Stock/Dyrefotografi.dk

14.01.2020

Tiermessie-Prozess: Klebriger Hunde-Urin bei jedem Schritt

In Hof stehen zwei ehemalige Besitzer von acht Yorkshire-Terriern vor dem Richter. Sie sollen ihre Hunde für deren Geschäft niemals ins Freie geführt haben. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Schwerer Unfall in Coburg Coburg

Schwerer Unfall in Coburg | 19.01.2020 Coburg
» 8 Bilder ansehen

Coburger Fitnessnacht Coburg

Coburger Fitnessnacht | 18.01.2020 Coburg
» 39 Bilder ansehen

Testspiel HSC - Ludwigshafen Coburg

Testspiel: HSC - Ludwigshafen | 18.01.2020 Coburg
» 54 Bilder ansehen

Autor

Jürgen Malcher

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
31. 10. 2019
18:10 Uhr



^