Topthemen: Globe TheaterHSC 2000 CoburgBBC CoburgStromtrasse

Länderspiegel

Tragödie im Kreißsaal: Mutter und Baby sterben nach der Geburt

Eine Mutter und ihr Neugeborenes sterben nach der Geburt im Kulmbacher Klinikum. Jetzt braucht ein verzweifelter Vater Hilfe.



Im Kulmbacher Klinikum sind am Samstag eine Mutter und ihr Sohn kurz nach der Geburt aus noch ungeklärter Ursache gestorben.	Foto: Gabriele Fölsche
Im Kulmbacher Klinikum sind am Samstag eine Mutter und ihr Sohn kurz nach der Geburt aus noch ungeklärter Ursache gestorben. Foto: Gabriele Fölsche   » zu den Bildern

Kulmbach - Es sollte ein Tag der Freude werden, aber er endete mit einer Tragödie: Am vergangenen Samstag sind im Kulmbacher Krankenhaus eine 33 Jahre alte Frau und ihr Kind bei der Geburt gestorben. Der hinterbliebene Vater Robby Handschuh (36) ist durch den Schicksalsschlag in große Not geraten. Freunde haben eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Das Bett fürs Baby war schon in der Wohnung, auch sonst war alles da für den kleinen Sohn. Am Freitag war die schwangere Regina noch mit ihrem Partner Robby Handschuh auf einer Weihnachtsfeier. "Nichts hat drauf hingedeutet", sagt der Weidenberger und bricht mitten im Satz ab.

Am Samstagfrüh um 6 Uhr ist es soweit. Der kleine Ferdinand will auf die Welt. Das Paar fährt ins Klinikum Kulmbach. Dort ist es die einzige Geburt, die ansteht. Es sei genug Personal da gewesen, sagt Geschäftsführerin Brigitte Angermann. "Ganz erfahrene Leute, über alle Berufsgruppen hinweg - dahinter stehen viele Tausend Geburten." Sie selbst und das ganze Team seien noch geschockt. "Wir sprechen allen Hinterbliebenen ausdrücklich unser Beileid aus."

Robby Handschuh ringt nach Worten, wenn er erzählt. Es war nach seinen Angaben eine normale Geburt, bei der er auch dabei war. Die Mutter verzichtete auch auf eine PDA, eine Injektion zur Schmerzlinderung. Nichts habe auf eine Schwierigkeit hingedeutet. Aber in dem Moment, als das Kind auf die Welt kam, muss etwas passiert sein.

Das Neugeborene habe nicht geatmet, die Ärzte hätten versucht, es zu reanimieren, was nicht gelungen sei. Er habe sich dann mit dem toten Kind in einen Raum zurückgezogen, um sich von ihm zu verabschieden. Seine Frau habe operiert werden müssen. Sie habe sich noch von ihm verabschiedet. "Ich liebe dich, bis dann, dann trinken wir einen Café." Nach einigen Stunden hätten ihm die Ärzte mitgeteilt, dass auch die Mutter verstorben sei.

Aber weshalb die Frau und ihr Kind starben, ist nicht geklärt. "Leider gibt es in der Geburtshilfe äußerst seltene Ereignisse, die sehr plötzlich auftreten können und die in bestimmten Fällen sehr schicksalhaft verlaufen können", sagt Dr. Benno Lex, der Leitende Arzt in der Geburtshilfe. Auch er bestätigt: "Wir waren extrem gut personell ausgestattet zu diesem Zeitpunkt." Die "volle Aufmerksamkeit des Teams galt dieser Entbindung". Trotzdem gebe es Situationen, in denen Ärzte völlig machtlos seien.

Das Polizeipräsidium Oberfranken bestätigt Ermittlungen. "Wie in allen Fällen, bei denen die Todesursache ungeklärt ist, hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen", heißt es in der schriftlichen Antwort auf eine Anfrage dieser Zeitung. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Bayreuth erfolge eine Obduktion von Mutter und Kind. Das Ergebnis liegt noch nicht vor. Die Ermittlungen der Kripo Bayreuth dauern an. Die Ärzte der Klinik selbst waren es, die die Polizei riefen. Sie waren nach Angaben des Chef-Anästhesisten Peter Moratin selbst geschockt gewesen. "Wir wollen ja auch wissen, was passiert ist."

Die Ärzte taten alles, was möglich war, um Handschuh zu helfen. Ein Priester war anwesend, sie riefen einen Verwandten an, der den völlig verzweifelten Handschuh abholen sollte. Geschäftsführerin Angermann: "Eine menschliche Tragödie, das kann man sich nicht vorstellen, selbst für erfahrene Ärzte." Am Kulmbacher Klinikum gibt es im Jahr etwa 750 Geburten.

Handschuh hat zwar seit Samstag fast nicht mehr schlafen können, aber der Fernfahrer geht täglich auf die Arbeit, fährt jeden Abend seine Touren. Ein Freund begleitet ihn. Auch eine Spendenaktion im Internet haben seine Freunde für ihn ins Leben gerufen. Dort sind etwa 2000 Euro zusammengekommen. "Das reicht hinten und vorne nicht", sagt Handschuh. Aber er gibt nicht auf. "Das Leben muss weitergehen."

Autor
Otto Lapp

Otto Lapp

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 12. 2018
17:48 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ermittlungen Geburtshilfe Handschuhe Klinikum Kulmbach Kreißsäle Mütter Neugeborene Polizei Spendenaktionen Staatsanwaltschaft Bayreuth Tod im Kreißsaal Tragödien Väter Ärzte
Kulmbach
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Kreißsaal im Krankenhaus

09.01.2019

Tod im Kreißsaal: Mutter und Kind verbluteten

Im Fall des tragischen Todes von Mutter und ihrem Neugeborenen im Klinikum Kulmbach liegt jetzt das Ergebnis der staatsanwaltlichen Untersuchung vor. Ein tragisches Ereignis, wie der Leitende Oberstaatsanwalt in Bayreuth... » mehr

Ein Foto aus glücklichen Tagen: Robby Handschuh mit Partnerin Regina.

14.12.2018

Nach Tragödie im Kreißsaal: Obduktion beendet

Nach dem tragischen Tod seiner Partnerin und seines Sohnes unterstützt die Familie Robby Handschuh. » mehr

Schleuser nutzen Thüringen als Transitland - mehr Ermittlungen

23.05.2018

Mutmaßlicher Schleuser in Haft

Seit Dienstag befindet sich auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Bayreuth ein 31-jähriger Afghane in Untersuchungshaft, der mehrere Personen nach Deutschland eingeschleust haben soll. Die Kriminalpolizei Bayreuth hat ... » mehr

Bayreuth in Zahlen, Lohengrin-Therme

27.12.2017

Sexueller Übergriff in der Therme: Mann vergreift sich an Kind

In der Lohengrin-Therme soll ein Junge am ersten Weihnachtsfeiertag missbraucht worden sein. Der Täter sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft. » mehr

Der abgelehnte afghanische Asylbewerber Danial M. (links) befindet sich derzeit bei Pfarrer Simon Froben in Bayreuth in Kirchenasyl. Foto: Andreas Harbach

10.07.2018

Kirchenasyl für jungen Afghanen

Die evangelisch-reformierte Kirche in Bayreuth nimmt einen 22-Jährigen auf. Der junge Mann hat einen Ausbildungsplatz und gilt als gut integriert. » mehr

Die Reisegruppe war auf dem Weg in die Provence, als das Unglück geschah. Foto: Uli Deck/dpa

29.06.2018

Bus-Unfall - Polizei auf der Suche nach der Ursache

Was führte zu dem Busunglück auf der A 5 bei Karlsruhe? Auch zwei Tage nach dem tragischen Tod der Reiseleiterin aus Kulmbach sind noch viele Fragen offen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Neujahrsempfang des HSC Coburg

Neujahrsempfang des HSC Coburg | 18.01.2019 Coburg
» 30 Bilder ansehen

Eschenbach: Traktor fängt Feuer Eschenbach

Eschenbach: Traktor fängt Feuer | 17.01.2019 Eschenbach
» 18 Bilder ansehen

Fasching Meeder Meeder

Faschingssitzung in Meeder | 12.01.2019 Meeder
» 15 Bilder ansehen

Autor
Otto Lapp

Otto Lapp

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 12. 2018
17:48 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".