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Länderspiegel

Verschmähte Liebe als Tatmotiv?

Der mutmaßliche Brandstifter von Oberredwitz hat womöglich aus sexueller Frustration Feuer gelegt. Die Wut auf einen Nebenbuhler könnte einer der Auslöser gewesen sein.



Sexuell frustiert und als potenzieller Familienvater verschmäht: der im Prozess um die Brandnächte von Oberredwitz Angeklagte Konrad P. Foto: Rainer Maier
Sexuell frustiert und als potenzieller Familienvater verschmäht: der im Prozess um die Brandnächte von Oberredwitz Angeklagte Konrad P. Foto: Rainer Maier  

Hof/Marktredwitz - Anfang 2018, in den Wochen vor den beiden Brandserien im Marktredwitzer Stadtteil Oberredwitz, hat Konrad P. realisiert, dass es ihm nicht gelingen würde, mit seiner langjährigen Freundin eine engere Beziehung aufzubauen, womöglich gar eine Familie zu gründen. Davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, die P. wegen Brandstiftung und versuchtem Mord in mehreren Fällen angeklagt hat (wir berichteten). Da P. laut Staatsanwaltschaft wegen einer Intelligenzminderung nur eingeschränkt mit inneren Spannungen umgehen kann und dazu neigt, Wut und Aggression aufzustauen, sei es zum Abreagieren durch die impulsive Handlung des Feuerlegens gekommen.

Ganz so wahllos, wie es zu Beginn des Prozesses vor dem Hofer Landgericht aussah, war die Wahl der Tatorte aber nicht. P. zündelte, wie sich während der Verhandlung ergibt, wohl gezielt in der Gegend, in der sein Nebenbuhler als Kind gewohnt hatte. Torsten M. (Name von der Redaktion geändert) berichtet als Zeuge, er sei in Oberredwitz in der Wegenerstraße und in der Kopernikusstraße aufgewachsen. Genau hier wurden in den Morgenstunden des 21. Aprils und des 14. Mais 2018 einige der Brände gelegt, die im schlimmsten Fall fast zwanzig Menschen das Leben hätten kosten können.

M., der am Donnerstag nicht zu seiner Aussage erschienen war, wird am Montagmorgen von der Polizei vorgeführt. Er berichtet, er habe Konrad P. 2013 kennengelernt: "Er war der Ex-Freund meiner Ex-Frau." In diesem Satz spiegelt sich bereits das Dilemma: P. lebte seit etwa sieben Jahren mit Nora R. (Name von der Redaktion geändert) zusammen, die er über eine Zeitungsanzeige kennengelernt hatte. Die junge Frau aus der Oberpfalz, wie P. intellektuell stark eingeschränkt, antwortet auf die Frage "Waren Sie ein Paar?" voller Überzeugung mit: "Ja!" Auf die Nachfrage "Hatten Sie Geschlechtsverkehr" sagt sie, ebenso überzeugt: "Nein!" Gute Freunde seien sie halt gewesen, der Konrad und sie.

2016 lernen die beiden Torsten M. kennen, bald zieht er bei ihnen ein. Auch sexuell sind sie jetzt kurz zu dritt. Das sagt zumindest Nora R. Ein Mal habe man einen Dreier probiert, sie habe sich aber dann weggedreht, weil sich die beiden Männer für ihren Geschmack zu sehr miteinander beschäftigten. Torsten M. weißt diese Aussage entrüstet von sich: "Nein, so etwas gab es nicht!"

Mehrere Zeugen haben im Prozess Mutmaßungen über die sexuelle Orientierung des Angeklagten angestellt. Die meisten tippten auf homosexuell. Auch einige Indizien deuten darauf hin, etwa Fotos von männlichen Geschlechtsteilen auf seinem Smartphone, umschnallbare Silikon-Brüste in seinem Rucksack, Frauenkleider und Stöckelschuhe in seinem Schrank.

Mit Nora aber will er ein Kind, eine Familie. Wegen Erektionsstörungen wird er sogar bei einem Marktredwitzer Urologen vorstellig, der das als Zeuge bestätigt. Organisch, sagt er, sei bei P. jedoch alles in Ordnung gewesen. Es habe sich eher um ein Kopf-Problem gehandelt.

Torsten M. kann, was P. gerne möchte. Schon bald beginnt er eine intime Beziehung zu Nora R., schmeißt P., der "stört und nervt", aus dessen eigenem Haus. P. schläft im Gartenhäuschen. Die beiden Männer gehen sich aus dem Weg: "Wenn ich gekommen bin, ist er verschwunden."

Schließlich ziehen Torsten M. und Nora R. aus, suchen eine eigene Wohnung, heiraten, im Sommer 2016, bekommen im April 2017 einen Sohn. Und lassen sich bald darauf wieder scheiden. Als Grund nennt die heutige Nora M. vor Gericht die Drogenprobleme ihres Ex-Mannes. Er gibt an, er habe seine Ex-Frau wohl intellektuell überfordert.

Konrad P. bleibt seiner Nora treu. Er ist im Krankenhaus, als sie das Baby bekommt. M. kommt erst tags darauf, um seinen Sohn zu sehen. Konrad P. hilft bei Umzügen, nimmt sie kurz bei sich auf, besucht sie fast täglich, als sie in einem Mutter-Kind-Heim in Würzburg landet. Der kleine Junge, schlägt er vor, könne gerne "Papa" zu ihm sagen. Doch sie will, wie sie vor Gericht weiter berichtet, diese Nähe gar nicht mehr: "Ich will keine Beziehung mehr zu ihm."

Dass sie ihn damals mit Torsten M. verlassen habe, "darüber kommt er nicht hinweg", sagt sie. "Dass ich mit Torsten ein Kind habe und nicht mit ihm, das verkraftet er nicht."

Im Mutter-Kind-Heim bemerkt, man, dass sich Konrad P. zu stark in Nora M.s Leben einmischt. Man erlaubt, wie zwei Erzieherinnen aussagen, nur noch zwei Kontakte pro Woche und nur noch in der Einrichtung, nicht mehr in der Stadt. Genau in die Zeit, in der P.s Umgang mit Nora M. eingeschränkt wird, fällt die erste Brandserie.

Seiner Liebe gesteht er, dass er die Brände gelegt habe. Wie sie weiter berichtet, hat er ihr gleichzeitig massiv gedroht: Er werde dem Kleinen etwas antun, wenn sie ihn verraten sollte. Eingeschüchtert habe sie deshalb bei der Polizei angegeben, ihr gegenüber habe er immer geleugnet, der Brandstifter zu sein. Tatsächlich habe er ihr aber gesagt, er wolle die Brände Torsten M. in die Schuhe schieben und so dafür sorgen, dass dieser seinen Sohn nie mehr sieht. "Unsere Heirat und dass wir ein Kind bekommen haben, hat den Konrad sehr verletzt", sagt Nora M.

Der Angeklagte nimmt alle Aussagen schweigend zur Kenntnis. Er beharrt weiter darauf, mit den Bränden nichts zu tun zu haben.

Die Verhandlung vor dem Landgericht wird am Donnerstag um 9 Uhr mit der Befragung weiterer Zeugen fortgesetzt.

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Rainer Maier
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Veröffentlicht am:
10. 09. 2019
00:00 Uhr

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Rainer Maier

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10. 09. 2019
00:00 Uhr



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