Lade Login-Box.
Topthemen: Loewe-InsolvenzNP-FirmenlaufGlobe-TheaterMordfall OttingerHSC 2000 CoburgStromtrasse

Aus der Region

Auf der Flucht vor einem Wolf?

Ein Video, das derzeit die Runde macht, zeigt Wildschweine im Stausee Heyda. Möglicherweise wurden sie von einem Raubtier aufgeschreckt.



Ein Ausschnitt aus dem kurzen Video, in dem die Schweine den Stausee Heyda durchqueren. Da die Auflösung der Aufnahme gering ist und die Tiere im Bildausschnitt vor den Resten von Bäumen und Wurzeln am Ufer schlecht zu erkennen sind, wurden sie mit Kreisen gekennzeichnet. Video: Privat/Ausschnitt: Krug
Ein Ausschnitt aus dem kurzen Video, in dem die Schweine den Stausee Heyda durchqueren. Da die Auflösung der Aufnahme gering ist und die Tiere im Bildausschnitt vor den Resten von Bäumen und Wurzeln am Ufer schlecht zu erkennen sind, wurden sie mit Kreisen gekennzeichnet. Video: Privat/Ausschnitt: Krug  

Das Video, das momentan über den Nachrichtendienst Whatsapp vor allem im Ilm-Kreis die Runde macht, ist nur 36 Sekunden lang. Es zeigt den Stausee Heyda unweit von Ilmenau; auf der Wasseroberfläche dunkle Flecken, die sich in Richtung Ufer bewegen. Schwimmen da Hunde im Stausee? Die Antwort gibt der Film, der sich wie ein Lauffeuer verbreitet hat, wenig später, als sich die schwarzen Flecken aus dem Wasser herausbewegen und über den schmalen Uferstreifen in Richtung Wald rennen. Es sind fünf Wildschweine.

Etwa ein Jahr alt dürften die Frischlinge sein, schätzt der Leiter des Forstamtes Frauenwald, Hagen Dargel, beim Ansehen des Filmes. "Die Rotte ist mit fünf Tieren eher klein. Es gibt auch welche mit bis zu zehn Tieren", erklärt er.

Der Urheber des Videos ist der Redaktion nicht bekannt. Das Video soll jedoch bereits Anfang März entstanden sein, heißt es aus zuverlässiger Quelle, die auch mitteilt, dass der Filmer lieber unbekannt bleiben will.

Die schwimmenden Schweine sind für Forst-Mitarbeiter und Tierkenner keine Überraschung. "Das ist gar nichts Ungewöhnliches", sagt Hagen Dargel. "Sie müssen das von Natur aus können, denn denke man nur einmal zurück an die Zeiten, in denen die Natur noch nicht so stark durch den Menschen besiedelt war. Da gab es regelmäßig und vor allem im Flachland Überschwemmungsgebiete. Und auch heute sieht man bei Flutkatastrophen immer wieder Bilder von schwimmenden Wildtieren im Fernsehen."

Warum diese fünf Wildschweine jedoch den Stausee Heyda durchquert haben, darüber kann der Forstamtsleiter nur mutmaßen: "Die letzte größere Jagd in dem Bereich gab es Ende Dezember/Anfang Januar. Das kommt also nicht als Grund in Frage. Ein Hund wird die Tiere auch nicht aufgeschreckt haben."

Zwei andere Möglichkeiten hält der Leiter des Forstamtes für wahrscheinlicher. Erstens, dass die Tiere die Strecke abkürzen wollten - um auf die andere Seite des Stausees Heyda zu gelangen, hätten sie sonst ein ganzes Stück Weg zurücklegen müssen. Noch wahrscheinlicher ist für Hagen Dargel jedoch, dass sie von einem sogenannten Räuber aufgeschreckt wurden. "Für die Wölfin aus Ohrdruf beispielsweise, die ja noch immer mit einem ihrer Welpen gemeinsam unterwegs sein soll, ist es bis Heyda ein Katzensprung", sagt Hagen Dargel. Ein Blick auf die Karte bestätigt das: Nicht einmal 25 Kilometer querfeldein trennen den Ohrdrufer Truppenübungsplatz vom Stausee Heyda.

Wölfe haben laut Dargel ein sehr großes Streifgebiet - und dass das vermehrte Auftreten neuer Räuber wie Luchs und Wolf auch hier zu erwarten sei, zeige, dass Wildtiere bereits ihr Verhalten änderten. "Dass sie mitten am Tag, also zu für sie eigentlich ungewöhnlichen Zeiten, in Erscheinung treten, ist ein Indiz dafür", sagt der Forstamtsleiter.

Und dass der Wolf - ob nun die Ohrdrufer Wölfin, einer der Hybride oder ein durch die Gegend streifendes Tier auf Wanderschaft - im Ilm-Kreis immer wieder in Erscheinung tritt, zeigt der jüngste bekannte Vorfall in Liebenstein. Laut Heinz Bley, Landwirt und Bürgermeister von Crawinkel, wurde dort vor etwa einer Woche ein Fohlen gerissen. Er habe das tote Tier am 19. März auf seiner Koppel in Liebenstein entdeckt, bestätigt er. Der Vorfall wurde bereits in die Liste der "Nutztierrisse Thüringen im Jahr 2019" aufgenommen. Der zuständige Rissgutachter vermutet einen Wolf als Verursacher.

Was eine absolute Ausnahme darstellen würde. Denn seit Erfassung der Nutztierrisse in Thüringen, die bis einschließlich 2015 aufgelistet und frei zugänglich über die Internetseite des zuständigen Landesamtes nachzuverfolgen sind, wurde hier bisher noch nie ein Pferd oder Fohlen gerissen. In der Regel hatte sich der Wolf in Thüringen an Schafen, Ziegen oder Kälbern gelabt.

Seit Beginn der Riss-Aufkommen mit Erfassung im Jahr 2015 wurden thüringenweit knapp vier Dutzend solcher Vorfälle nachgewiesen durch einen Wolf beziehungsweise einen Hybriden registriert, davon bislang neun im Ilm-Kreis (ohne Liebenstein gezählt). Die Zahl der gerissenen Tiere ist noch um ein Vielfaches höher. "Die Wölfe haben gelernt, dass Nutztiere relativ leichte Beute sind", so Hagen Dargel.

Aber auch für Schwarzwild sei der Wolf seit jeher ein typischer Fressfeind, bestätigt ein Blick in die Literatur. "Durch den Stausee hinterherschwimmen würde ein Wolf den Wildschweinen jedoch nicht. Das würde zu viel Kraft kosten, und eine Ziege oder ein Schaf ist dann doch leichter zu erlegen", so Hagen Dargel auf die Frage, warum der Wolf - falls tatsächlich Grund für das Durchqueren der Talsperre - nicht auf dem Film zu sehen sei.

Warum die Wildschweine wirklich durch den Stausee geschwommen sind, wissen wohl nur die Tiere selbst. Nur eines kann man wohl ausschließen: Ein Bad in der Talsperre nehmen wollten sie sicher nicht.

—————

Das Video der durch den Stausee schwimmenden Wildschweine ist zu sehen unter www.insuedthueringen.de

Autor
Jennifer Brüsch

Jennifer Brüsch

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 04. 2019
18:06 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Auf der Flucht Forstämter Raubtiere Stauseen Talsperren Tiere und Tierwelt Videos Wildschweine Wölfe
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Das Euter der Kuh im Vordergrund ist fast zum Platzen voll, was für das Tier äußerst schmerzhaft ist.

05.06.2019

Peta deckt Missstand im Kuhstall auf

Ein Bauer in Oberfranken hat Rinder unter üblen Umständen gehalten. Landwirte-Obmann Harald Fischer sieht die Anbindehaltung differenziert. » mehr

Vanessa Hoffmann kümmert sich um die Hundebabys in der Quarantänestation.

16.05.2019

Polizei stoppt illegalen Transport mit 320 Tieren

Die Tierretter aus Wunsiedel müssen in wenigen Stunden Platz für 250 Vögel und 23 Welpen schaffen. Die Polizei hatte an der Grenze einen illegalen Transport gestoppt, der 320 Tiere an Bord hatte. » mehr

Im Familienverband

09.05.2019

Ermittlungen zu Pferdequälerei: Polizei bildet Arbeitsgruppe

Zur Aufklärung mehrerer Fälle von Tierquälerei an Pferden in Thüringen hat die Polizei eine Arbeitsgruppe eingerichtet. » mehr

21.12.2018

Experten bestätigen Wolfssichtung in Ostthüringen

Streift ein Wolf durch Ostthüringen? Scheint so. Auf zwei Videos hätten Experten zweifelsfrei einen Wolf identifiziert. » mehr

Wolf

16.04.2019

Erneut Wolfs-Hund geschossen

In Thüringen ist der mittlerweile vierte Wolf-Hund-Mischling bei Ohrdruf geschossen worden. Der Abschuss des männlichen Tieres am Wochenende sei von der zuständigen Naturschutzbehörde genehmigt gewesen, teilte das Thürin... » mehr

Weniger Wohnfläche, weniger Ärger: Patrick Rolf Ullrich wohnt in seinem Tiny House auf gerade einmal 20 Quadratmetern. Fotos: Florian Miedl

19.07.2018

Das große Glück auf kleinem Raum

Auf geringer Fläche lebt es sich wesentlich entspannter als in der 150-Quadratmeter-Wohnung. Die Bewohner des weit und breit einzigen Tiny-Dorfes wissen das genau. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Mittelaltermarkt Ebern

Mittelaltermarkt Ebern | 16.06.2019 Ebern
» 22 Bilder ansehen

Eröffnung Albertsbeach

Eröffnung Albertsbeach | 15.06.2019 Coburg
» 17 Bilder ansehen

Kevin Kravietz: Empfang in Ahorn Ahorn

Kevin Kravietz: Empfang in Ahorn | 13.06.2019 Ahorn
» 21 Bilder ansehen

Autor
Jennifer Brüsch

Jennifer Brüsch

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 04. 2019
18:06 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".