Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

Aus der Region

Ministrantin unter Mordverdacht

Ein 64-Jähriger aus dem Landkreis Wunsiedel ist mit Frostschutzmittel vergiftet worden. Das Motiv dafür macht viele fassungslos.



Auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde hat Manfred J. im Familiengrab seine letzte Ruhe gefunden. Foto: Dankbar
Auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde hat Manfred J. im Familiengrab seine letzte Ruhe gefunden. Foto: Dankbar  

Wunsiedel - Die Arbeitskollegen können es heute noch nicht fassen: "Der Manfred war so ein lebensfroher Mann, einer, der mit beiden Füßen im Leben steht." Doch Manfred J. ist seit dem 1. Dezember vorigen Jahres tot - umgebracht von einer liebestollen, 38-jährigen Ministrantin aus Regensburg. Miriam P. war aber nicht hinter Manfred J. her, sie hatte sich in dessen Lebensgefährtin Angelika O. (61) verschaut. Diese war im Sommer des vorigen Jahres von Regenstauf zu ihrem neuen Lebensgefährten, dem 64-jährigen Manfred J., in ein kleines Dorf im Landkreis Wunsiedel gezogen. Weil sie fürchtete, künftig zu kurz zu kommen, entschloss sich Miriam P., Manfred J. aus dem Weg zu räumen. Dies legen die bisherigen Ermittlungen von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Hof nahe.

Bei einem Besuch bei dem Paar soll Miriam P. am 13. November 2017 dem Partner ihrer Freundin einen ganz besonderen Cocktail gereicht haben. Ein Bestandteil davon war Glykol. Die Chemikalie ist sonst nur als Frostschutzmittel und vom österreichischen Weinpanscher-Skandal her bekannt. Wenige wissen: Gykol ist ein ganz besonders tückisches Gift. Ein Schluck ist für Kinder lebensgefährlich, zwei Schlucke für Erwachsene. Die Flüssigkeit ist sowohl geruchslos als auch farblos. Sie verrät sich nur durch ihren sehr süßen Geschmack. Daher ist es auch äußerst gefährlich, beim Auffüllen der Auto-Scheibenwaschanlage Glykol auf den Garagenboden zu verschütten. Hunde und Katzen, die die Glykolreste auflecken, sind sofort in Lebensgefahr.

Schon eine halbe Stunde nach der Aufnahme zeigen sich die ersten Vergiftungserscheinung, die fatalerweise einem schweren Rausch gleichen. Das Opfer stirbt jedoch an einem akuten Nierenversagen, oft gefolgt vom Versagen weiterer Organe. Der Todeskampf von Manfred J. dauert 17 Tage lang. Am 1. Dezember erlag er im Fichtelgebirgsklinikum Marktredwitz den Folgen der Vergiftung. Er hinterließ zwei erwachsene Töchter und einen über 90-jährigen Vater, den er betreute. Und er hinterließ eine Lebensgefährtin, mit der er im nahen Ruhestand die letzten guten Jahre seines Lebens genießen wollte.

Dass Manfred J. vergiftet worden sein musste, war den Ärzten im Marktredwitz schnell klar. Miriam P. rückte jedoch erst nach und nach in den Fokus der Ermittlungen. Sie war nach übereinstimmenden Schilderungen gleich mehrfach am Krankenbett von Manfred J. - und sie schwieg, als die Ärzte auf der Suche nach einem Gegengift immer verzweifelter danach fragten, was der 64-Jährige nur zu sich genommen haben könnte. Als ein mögliches Gegengift in frühen Stadien der Vergiftung gilt Alkohol, wie er in handelsüblichem Schnaps enthalten ist.

Nachdem die leere Flasche des Getränks gefunden worden war, die Miriam P. als Gastgeschenk mitgebracht hatte, wurde die 38-Jährige festgenommen. Inzwischen sitzt sie in der Justizvollzugsanstalt Bamberg in Untersuchungshaft.

Das Motiv ist wohl in der besonderen Beziehung der beiden Frauen zu sehen, wobei sie von Miriam P. wohl ganz anders gesehen wurde als von Angelika O. Während Letztere Medien, wie der "Bild"-Zeitung, ausführlich über das neue Glück im Fichtelgebirge berichtete, hatte Miriam P. - obwohl selbst verheiratet - wohl ein besonders inniges Verhältnis mit der Freundin im Sinn. Sie habe ihr erzählt, dass sie sich nun mehr zu Frauen als zu Männern hingezogen fühle. Sie bedrängte sie mit Whatsapp-Nachrichten und Blumensträußen.

Wie eine Bombe hat die Nachricht von der schweren Beschuldigung in der Heimat von Miriam P. eingeschlagen. Die korpulente 38-jährige Frührentnerin hat ihr Leben weitgehend der Kirche gewidmet. In der Pfarrei Sankt Josef in Ziegetsdorf bei Regensburg begleitete sie nach Presseberichten die Messen als Ministrantin, führte als Kreuzträgerin die Trauerzüge an und sang im Kirchenchor. Zudem gehörte sie der "Ordo Franciscanus Saecularis" (OFS), einer weltlichen Franziskanergemeinschaft, an. Den Mitteilungen der OFS zufolge hatte sie beim Regensburger Katholikentag 2014 das "lebenslange Versprechen" dieser Gemeinschaft erneuert. Stattdessen droht ihr nun aber eine ganz andere, weltliche Form von lebenslänglich.

Allerdings bestehen erhebliche Zweifel an der Schuldfähigkeit der 38-Jährigen. So soll sie in frühester Jugend eine schwere geistige Erkrankung erlitten haben. Ein Psychiater ist mit ihrer Begutachtung beauftragt. Laut Dr. Andreas Cantzler, dem Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Hof, ist dies jedoch Standard in jedem Mordverfahren. Der Verteidiger von Miriam P., der Hofer Rechtsanwalt Georg Wolfrum, lehnte jede Stellungnahme im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen ab.

Autor
Joachim Dankbar

Joachim Dankbar

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 01. 2018
20:53 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Chemikalien Cocktails Ermittlungen Freunde Giftstoffe Katholischer Kirchentag Lebensgefahr Lebenslange Freiheitsstrafe Mordverdacht Motive Staatsanwaltschaft Hof (Saale)
Wunsiedel
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Polizei - Blaulicht

30.07.2020

T-Shirt fängt Feuer: 18-Jähriger erleidet schwere Brandverletzungen

Ein vermeintlicher Scherz mit einem Feuerzeug hat am Mittwochabend in Sonneberg zu schweren Brandverletzungen bei einem 18-Jährigen geführt. Die Polizei hat die Ermittlungen gegen einen 17-Jährigen wegen des Verdachts de... » mehr

Aktualisiert am 15.07.2020

Autobahn 73 nach Unfällen bei Starkregen in beide Richtungen gesperrt

Nach mehreren Unfällen bei Starkregen war die Autobahn 73 am späten Mittwochnachmittag in beide Richtungen gesperrt. Zunächst war ein 46-jähriger Autofahrer zwischen Eisfeld-Süd und Coburg offenbar durch Aquaplaning in d... » mehr

Blaulicht Polizei

07.07.2020

55-jähriger Motorradfahrer prallt gegen Baum und stirbt

Jede Hilfe zu spät kam für einen Motorradfahrer, der am Montagabend schwer stürzte und noch am Unfallort starb. » mehr

Mit dem Vierbeiner beim Tierarzt

06.03.2020

Spaziergänger findet Giftköder: Hund in Klinik

Beim Spaziergang mit seinem Hund hat ein Mann am Donnerstagmittag in Sonneberg mehrere Aluschalen mit Katzenfutter gefunden. Diese waren vermutlich mit Gift präpariert. » mehr

Aktualisiert am 02.05.2020

Motorradfahrer stirbt nach Sturz

Ein Motorradfahrer ist am 1. Mai im Kulmbacher Stadtgebiet tödlich verunglückt. Der 52-Jährige erlag am Freitagabend im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Polizei sucht jetzt Zeugen des Unfalls. » mehr

Viel zu tun gibt es für die Polizei am Tatort - auch wenn die Kriminalität sinkt. Foto: dpa

13.04.2020

Bombendrohung am Ostersonntag

Ein Mann kündigt eine Explosion in einem Mehrfamilienhaus in Bad Kissingen an. Noch am Sonntag nimmt die Polizei einen Verdächtigen fest. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

HSC Coburg: Training und Media Day

HSC Coburg: Training und Media Day | 12.08.2020 Coburg
» 25 Bilder ansehen

WG: HSC - mögliche Aufmacher

WG: HSC - mögliche Aufmacher | 12.08.2020 Coburg
» 26 Bilder ansehen

Großbrand in Tettau auf Bauernhof

Großbrand auf Tettauer Bauernhof | 09.08.2020 Tettau
» 50 Bilder ansehen

Autor
Joachim Dankbar

Joachim Dankbar

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 01. 2018
20:53 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.