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Quarantäne zweiter Akt: gleiche Symptome, andere Ursache

Erneut verwandelt sich die Ferienanlage in Rauenstein in ein Lazarett. Wie vor zwei Wochen klagen Jugendliche und Betreuer über Brechdurchfall. Der Verdacht auf Noro-Viren bestätigt sich jedoch nicht.



Rund 60 Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Mitglieder Freiwilliger Feuerwehren sind am Donnerstag im Ferienzentrum Rauenstein im Einsatz.
Rund 60 Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Mitglieder Freiwilliger Feuerwehren sind am Donnerstag im Ferienzentrum Rauenstein im Einsatz.   » zu den Bildern

Wieder Großeinsatz der Rettungskräfte, wieder Brechdurchfall in einem Ferienlager, wieder in Rauenstein. Donnerstagmorgen machte die Nachricht via soziale Medien die Runde: Die Gesundheitsbehörde des Landratsamtes verhängt über die Ferienanlage im Frankenblick-Ortsteil erneut Quarantäne. Bereits vor zwei Wochen waren dort junge Leute aus Nordrhein-Westfalen nachweislich am Noro-Virus erkrankt. Ähnliche Symptome wie ihre Alterskollegen zeigten am Donnerstag Jugendliche und Betreuer einer Schülergruppe aus Brandenburg. Auch sie klagten über Erbrechen und Durchfall. Lag die Zahl der diesmal Betroffenen gegen 8 Uhr bei 20, so erhöhte sich diese Zahl zwei Stunden später bereits auf 40, gegen Mittag auf 46. Insgesamt 214 Kinder und Erwachsene befanden sich unter Quarantäne, zwei Kinder wurden ins Krankenhaus gebracht.

Erfüllte Auflagen

Erst am vergangenen Freitag war die Anlage nach Erfüllung behördlicher Auflagen wieder frei gegeben worden. Bereits am Montag reisten die Mitglieder der Evangelischen Jugendgruppe Oder-Spree an. Sie stammen aus Frankfurt an der Oder sowie den Landkreisen Oder-Spree und Märkisch-Oderland. Bis 18. Juli wollten sie ihre Ferien in Rauenstein verbringen.

Wie das Landratsamt mitteilt, zeigten am Dienstag vereinzelt Jugendliche Symptome von Brechdurchfall. Danach nahm ein ähnliches Szenario wie vor zwei Wochen Fahrt auf. 60 Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Freiwilligen Feuerwehren, die Katastrophenschutzzüge aus den Landkreisen Sonneberg und Hildburghausen, dazu noch 42 Polizeibeamte waren im Einsatz, listet Landkreis-Sprecher Michael Volk auf. Vor Ort seien auch Landrat Hans-Peter Schmitz und Bürgermeister Jürgen Köpper gewesen. Donnerstagmorgen wurden die zuständigen Stellen über die Rettungsleitstelle Zella-Mehlis informiert. Für den Bereich des Ferienzentrums wurde durch das Gesundheitsamt der Quarantänefall ausgesprochen. "Das heißt konkret, dass das Gelände nur von autorisierten Personen betreten und verlassen werden darf", erklärt Volk. Der Kontakt zu den Eltern erfolge direkt über Handys der Jugendlichen sowie über die Betreuer, die ebenfalls über ihre Mobiltelefone erreichbar sind.

Von den Ereignissen überrascht zeigt sich Matthias te Kampe, der Betreiber der Anlage: "Wir haben alle Auflagen erfüllt, die uns das Gesundheitsamt gestellt hat und alle Arbeiten umgesetzt", erklärte er Donnerstagmittag. Den neu aufgestellten Reinigungsplan habe man akribisch eingehalten. Wie die jetzige Situation entstanden sei, müssten genaue Untersuchungen klären. Binnen kurzer Zeit verwandelte sich das beschauliche Ferienlager am Rand von Rauenstein in ein Lazarett. Die Zugänge waren von Polizeibeamten abgeriegelt, ein Durchkommen nur von autorisierten Personen und den Rettungskräften möglich.

te Kampes Hoffnung auf Klarheit erfüllte sich bis zum späten Donnerstagnachmittag nicht. "Innerhalb eines ersten Befunds von vier Stuhlproben konnten im beauftragten Suhler Labor bis dato keine Viren nachgewiesen werden", teilte gegen 15.30 Uhr Landkreis-Sprecher Volk mit. Getestet habe man dort auf Noro-, Rota-, Adeno- und Astroviren. Weitere Untersuchungen zur Krankheitsursache dauern noch an. Der Betreiber zeigt sich trotzdem erleichtert: "Es gibt keinen Zusammenhang mit dem Noro-Ausbruch vor zwei Wochen", sagte te Kampe als die Befunde vorlagen. Auch die Behörden hätten das Vorgehen seines Unternehmens gelobt. In den vergangenen Wochen durchlief die Rauensteiner Anlage ein umfangreiches Desinfektions- und Reinigungsregime. Die Gesundheitsbehörde hatte dazu am 29. Juni einen Bescheid gegenüber dem Betreiber erlassen. Hierin seien Maßnahmen zur Verhinderung von Infektionsgefahren vor einer Wiederbelegung angeordnet worden, erklärt Volk. Vor einer Neuaufnahme von Gästen habe man eine umfassende und fachgerechte Desinfektion aller Flächen und Gegenstände durch eine Spezialfirma umzusetzen. Außerdem sei durch die Behörde die Durchführung konkreter Hygienemaßnahmen angeordnet worden, so der Behördensprecher. Das Gesundheitsamt habe mit dem Eigentümer während dieser Zeit mehrfach in Kontakt gestanden und ihm bei der Vermittlung einer fachlich geeigneten Spezialreinigung unterstützt. Die Desinfektionsmaßnahmen seien durch eine Fachfirma vom 5. bis 6. Juli realisiert worden. Am Freitag habe die Behörde dem Betreiber ergänzende Auflagen erteilt. "Demnach durfte die Anlage nach Abschluss der Desinfektion für zwölf Stunden nicht betreten werden. Anschließend musste eine Endreinigung der kompletten Anlage erfolgen. Alle Flächen und Gegenstände sowie das Geschirr mussten gereinigt und in ein Tauchbad gelegt werden. Wäsche und sonstige Textilien durften erst nach einer chemisch-thermischen Desinfektion durch eine zertifizierte Wäscherei sowie der erforderlichen Endreinigung in die Räumlichkeiten verbracht werden", beschreibt Volk die Auflagen. Nachdem diese erfüllt waren, konnte die Anlage wieder für den Betrieb frei gegeben werden. Eine Nachkontrolle durch das Gesundheitsamt habe es am Montag gegeben. Dabei seien dem Betreiber weitere Auflagen bezüglich der Fertigstellung eines Rahmenhygieneplans gemacht worden.

Danach sind die Jugendlichen angereist. Ob es einen Zusammenhang zwischen beiden Ausbrüchen gibt? Im Landratsamt verweist man auf die andauernde Untersuchung, die bislang kein klares Ergebnis lieferte und Noro- und ähnliche Viren als Verursacher ausschloss. Erst nach Abschluss der Untersuchungen werde das Gesundheitsamt entscheiden, ob dem Betreiber weitergehende Auflagen erteilt werden, erklärt Volk.

Mit einbezogen war auch das kommunale Schwimmbad, das sich innerhalb der Quarantänezone befindet. Außen vor gelassen habe man das Bad auch vor zwei Wochen nicht, erklärt auf Nachfrage Behördensprecher Volk. Abgesehen von den regelmäßigen Kontrollen sei es auch mit der Ferienanlage Ende Juni genau überprüft worden. Dazu gehörte eine Chlormessung im Becken, womit man garantieren könne, dass Krankheitserreger abgetötet werden, erklärt der Landkreissprecher. Aktuell bleibe das Bad jedoch geschlossen, bemerkt Bürgermeister Köpper, der von Vorsichtsmaßnahmen spricht, so lange man die Ursache der Erkrankungen nicht kenne.

Am Samstag nach Hause

Diese bleiben vorerst offen, nachdem die Viren ausgeschlossen wurden. "Das war alles leider ein Zufall", interpretiert Betreiber te Kampe die Situation, der betont wissen möchte, dass die Anlage nicht geschlossen sei. Das ändere aber nichts daran, dass man kranke Kinder in einem Ferienanlage habe.

"Derzeit arbeiten wir daran, ihnen eine baldige Heimreise zu ermöglichen", betont Landkreissprecher Volk. Einfach sei dies nicht, räumt indessen der Bürgermeister ein. In der Ferienzeit sei es nur schwer möglich, ausreichend Busse zu organisieren. Derzeit sind Gesunde und Erkrankte getrennt. Wie am Donnerstagabend Michael Volk erklärte, sei am Samstag eine Busfahrt nach Erfurt vorgesehen gewesen. Man wolle mit dem Busunternehmen prüfen, die Jugendlichen nach Hause zu bringen.

Bleiben die erheblichen Kosten für zwei Rettungseinsätze. Seitens des Landkreises habe man das Thüringer Innenministerium kontaktiert, bemerkt Volk. Der amtierende Innenminister Uwe Höhn (SPD) habe signalisiert, die Kommune über eine Bedarfszuweisung für die außergewöhnlichen Belastungen zu unterstützen.

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12. 07. 2018
08:22 Uhr

Aktualisiert am:
12. 07. 2018
20:43 Uhr

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