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Rassistische Hetze, musikalisch umrahmt

Nach einem Großeinsatz gegen Rechtsradikale 2017 ist es in Haselbach nicht wirklich ruhiger geworden. "Das mit den Biwaks im Wald geht einfach weiter", sagt eine Anwohnerin.



Vier Platzverweise sprach die Polizei Mitte Februar dieses Jahres am Schönberg aus. Die ursprünglich geplante Musikveranstaltung im Waldhaus wurde unterbunden. Foto: chz
Vier Platzverweise sprach die Polizei Mitte Februar dieses Jahres am Schönberg aus. Die ursprünglich geplante Musikveranstaltung im Waldhaus wurde unterbunden. Foto: chz   » zu den Bildern

Sonneberg/Haselbach - Wenn man denn schon Sonnebergs wichtigsten Polizisten in der Runde sitzen hat, kann man auch gleich die Frage an den Mann bringen, ob das Treiben der Rechten in Sonneberg und Haselbach weiter einfach so hinzunehmen ist. Peter Eichhorn, Vorsitzender des Seniorenbeirats der Spielzeugstadt, hakte hierzu also kürzlich nach bei der Zusammenkunft des Gremiums, zu der man sich als Gast Andreas Barnikol eingeladen hatte.

Sonnebergs Polizeichef schlug um das Thema keinen Bogen, bestätigte, dass das Waldhaus am Rande der Kleingartenanlage an der Schönbergstraße ebenso als Treff von Rechten im Visier der Ordnungshüter bleibt wie auch ein bestimmtes Wohnhaus in Haselbach. Der Staatsschutz sei eingebunden, zudem tausche man sich regelmäßig aus mit der Polizei im Landkreis Coburg, in Hildburghausen und Kronach über das Wirken der Veranstalter von Musikveranstaltungen mit rechtslastigem Hintergrund. Doch am Schluss, so wurde deutlich, bleibe das Gebot der Verhältnismäßigkeit der polizeilichen Mittel zu wahren: "Wenn strafrechtlich nichts passiert, was soll man machen?"

Immerhin gilt: Man beobachte recht genau das Treiben in den beiden Objekten. Zudem, so Barnikol, habe der neue Chef der Landespolizeiinspektion Saalfeld, zu deren Schutzbereich der Kreis Sonneberg zählt, zu seinem Amtsantritt ausdrücklich erklärt, die Problematik im Blick behalten zu wollen.

Recht gezielte Hinweise zum Gebaren der Anhänger der rechten Szene kamen dann aus der Runde. So erinnerte eine Seniorin an das Großaufgebot von Spezialkräften der Landes- und Bundespolizei am 23. Juni 2017. Zur Erinnerung: Im Rahmen einer bundesweiten Razzia waren damals neben Objekten in Erfurt und Göttingen auch zwei Häuser in Haselbach durchsucht worden. Neben einer Vielzahl an Beamten kamen Notarzt und zwei Rettungshubschrauber im Sonneberger Ortsteil zum Einsatz. So war eine Polizistin infolge der Gegenwehr eines Mannes, der sich den Weisungen der Beamten nicht fügte, durch Bisse verletzt worden.

Im Ergebnis teilte das Landeskriminalamt noch am 23. Juni mit, man habe mehrere Kurz- und Langwaffen, Waffenteile und sonstige Waffen sichergestellt, dazu rechtes Propagandamaterial, geringe Mengen Rauschgift sowie diverse Handys und Computer. Gegenüber unserer Zeitung ergänzte die federführende Staatsanwaltschaft Gera seinerzeit, im Raum stehe der Verdacht, die Rechtsextremisten hätten bei bewaffneten Biwaks in den Wäldern rund um Haselbach Wehrsportübungen absolviert.

Ob sich dieser Verdacht seither erhärtet hat oder nicht, mithin Anklage erhoben wird oder die Vorwürfe fallen gelassen werden, dazu soll in Kürze eine Entscheidung bekannt gegeben werden, äußert auf Nachfrage die Staatsanwaltschaft Gera.

Bei der Aussprache des Seniorenbeirats schilderte nun die Frau, dass ein Abschreckungseffekt im Nachgang nicht erkennbar sei: "Im Gegenteil, es ist eher schlimmer geworden." Nach wie vor seien junge Männer aus der Szene in der Landschaft rund um den Ort unterwegs: "Was haben die in den Wäldern zu suchen? Die stellen sich mit dem Heck ihrer Fahrzeuge so auf die Straße, dass für andere kaum ein Durchkommen ist."

An Selbstbewusstsein mangele es dem rechten Klientel sowieso nicht: "Es passiert ja auch nichts." Zudem denke mancher im Ortsteil bereits, man habe es doch eigentlich "mit netten und höflichen Menschen" zu tun, mit denen man es sich besser nicht verderbe. Mittlerweile gehe das Gerücht um, Axel Schlimper wolle sich für die Wahl zum Haselbacher Ortsteilbürgermeister aufstellen lassen.

Die Strategie, nach außen den Anschein von Normalität zu vermitteln und gleichzeitig über Liederabende und Konzerte rassistische Inhalte zu verbreiten - diese Zweisamkeit lässt sich am Beispiel des Waldhauses in Sonneberg und Axel Schlimpers Wohnhaus in Haselbach ganz gut nachvollziehen. So legte die "Mobile Beratung in Thüringen. Für Demokratie - Gegen Rechtsextremismus" (Mobit) dieser Tage ihre Zählung für 2018 vor. Demnach gab es vergangenes Jahr 71 - Vorjahr 60 - belegbare Konzerte und Liederabende, die Mehrzahl davon fand in Südthüringen statt.

"Der steile Anstieg an Rechts-Rock-Konzerten in den letzten Jahren ist Anlass zu großer Besorgnis. Neonazi-Konzerte in Szene-eigenen Immobilien sind mittlerweile Alltag. Wir fordern eine breite gesellschaftliche Ächtung, damit mittelfristig Rechts-Rock nicht als ‚normaler‘ Bestandteil eines regionalen Musikangebots wahrgenommen werden wird", appellierte Stefan Heerdegen, Berater bei Mobit, an die Bürger.

Derweil bundesweit freilich vor allem über die rechte Musik in einer Gastwirtschaft im Besitz von Tommy Frenck in direkter Nachbarschaft zu Kloster Veßra berichtet wird, fallen jene in Sonneberg und Umgebung meist unter die Wahrnehmungsschwelle. Doch sind von den 71 Konzerten in Thüringen immerhin drei fürs Waldhaus beziehungsweise das Sonneberger Stadtgebiet verbürgt und drei weitere für Haselbach.

In der Mobit-Bilanz ist Axel Schlimper zudem nicht nur als Ausrichter, sondern vor allem als singender Akteur gelistet - sei es bei der Wahlparty von Tommy Frencks "Bündnis Zukunft Hildburghausen" Ende April 2018, am Vorabend des Festivals "Tage der nationalen Bewegung" Anfang Juni in Themar oder Anfang Juli beim Sommerfest des vormaligen NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt in Guthmannshausen. Ob vor Militariafreunden in Frauenwald Ende Juli oder im heimischen Haselbach am 8. September im Duett mit Frank Rennicke - seine Stimme hebt der Mann zum Fortschritt der rechten Bewegung nur allzu gerne.

Den Sonnebergern ist der Politfunktionär überdies als Demo-Redner bekannt. Im September 2015 und im Januar 2016 bestritt er Beiträge bei Kundgebungen gegen Flüchtlinge. Medienberichten zufolge gehörte der Haselbacher im Juli 2015 zu den Begründern der extremistischen Kleinst-Partei "Die Rechte" im Freistaat. Der Thüringer Verfassungsschutzbericht 2017 nennt die Formation "eine neonazistisch geprägte Partei. Ein besonderes Wesensmerkmal des Thüringer Landesverbandes war die Ausrichtung auf das Bekenntnis zur ‚Volksgemeinschaft‘".

Ein Trost mag den Haselbachern angesichts dieser Ausgangslage sein, dass sich zuletzt der Druck auf die Veranstalter leicht erhöht hat. So äußert Mobit-Berater Heerdegen: "Positiv fiel im vergangenen Jahr auf, dass sechs Konzerte verhindert worden waren und auch der offensichtlich gestiegene Strafverfolgungswille der Polizei. Scharfe Kontrollen der Konzertteilnehmenden wirken ebenso einer Normalisierung dieser menschenverachtenden Konzerte entgegen wie die Gegenproteste, die engagierte Bündnisse und Initiativen beharrlich jedes Jahr organisieren."

Auch in Sonneberg hatte die Polizei in dieser Hinsicht Flagge gezeigt und am 27. Januar eine Szene-intern als Geburtstagssause umworbene Nazi-Party gecancelt.

www.mobit.org

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Andreas Beer
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Veröffentlicht am:
01. 04. 2019
22:10 Uhr

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Andreas Beer

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01. 04. 2019
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