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Themar: Nazis planen wieder Konzerte

In Themar soll wieder Rechtsrock tönen. Ein Bündnis will zeigen, dass der Hass dort keine Heimat hat. Dafür haben sie schon viele Unterstützer.



Mit diesem Banner protestiert die Mobile Beratung in Thüringen gegen Rechtsrock-Konzerte, die in Themar stattfinden sollen.
Mit diesem Banner protestiert die Mobile Beratung in Thüringen gegen Rechtsrock-Konzerte, die in Themar stattfinden sollen.  

Bad Rodach/Themar - "Man verläuft sich nicht auf so ein Festival", ist sich Petra Doubek von der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT) sicher. Damit spricht sie die Rechtsrock-Konzerte an, die im nur 22 Kilometer entfernten Themar stattfinden. Auch für den 5. und 6. Juli ist wieder ein solches Festival in der Kleinstadt angemeldet.

Im Gemeindesaal in Bad Rodach fand hierzu am Donnerstag eine Informationsveranstaltung mit dem Titel "Wir für Themar" statt. "Was braut sich da zusammen? Was können wir tun? Wie können wir unterstützen?", fragt sich Christian Rosenzweig, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Bad Rodach.

30 Besucher sind gekommen, um sich genau diese Fragen beantworten zu lassen. Sebastian Stamm von der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Coburg führt vor Augen, wie etabliert die rechtsextreme Szene im Nachbarlandkreis ist. "Es ist immer wieder erschreckend wie offen dort rechtsradikale Symbolik zur Schau gestellt wird." Die Häufung der Rechtsrockkonzerte in den vergangenen Jahren sei dabei nur das sichtbarste Phänomen.

Doubek gibt eine aktuelle Einschätzung der Gefahrenlage: Der Landkreis Hildburghausen gelte als Hotspot der rechtsextremen Szene. "78 Konzerte, Festivals und Liederabende haben seit 2007 in Hildburghausen stattgefunden", erklärt sie. "Das sind nur die Veranstaltungen, die wir eindeutig belegen können." Die Dunkelziffer liege viel höher, weil zum Beispiel Konzerte in privaten Kellern nicht registriert würden. In Musik sowie Redebeiträgen werde konkret zu Hass und Gewalt aufgerufen. Doubek zeigt die fünf Ebenen auf, für die Rechtsextremen diese Veranstaltungen nutzen: Zum Transport rassistischen und nationalistischen Gedankenguts, zum Kontakt und als Informationsplattform, zur Stabilisierung der Szene, zur Vernetzung des terroristischen Netzwerkes und als Einnahmequelle.

Eines der größten Konzerte fand im Sommer 2017 statt, damals reisten 6000 Rechtsextremisten aus ganz Europa an. "Alleine durch die Eintrittsgelder verdienten die Veranstalter rund 200 000 Euro", erklärt sie. "Da sind verkaufte Merchandise-Artikel, Bücher und Spenden noch nicht eingerechnet." Das Geld reinvestiere man wieder in die Szene.

Die Mobile Beratung unterstützt seit 2001 Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus einsetzen oder sich davon bedroht fühlen. So auch das Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra. Mit dem Kauf des Gasthofs "Goldener Löwe" 2015 in Kloster Veßra durch den bekennenden Neonazi Tommy Frenck gründete sich dieses Bündnis. Für den kommenden Samstag haben die Aktiven wieder einen Gegenprotest geplant. Dafür sicherten zahlreiche Künstler ihre musikalische Unterstützung zu. Weiterhin findet ein Friedensgottesdienst statt. Neben vielen Mitmachständen wird das Programm durch Redebeiträge aus Politik und Zivilgesellschaft ergänzt. "Wir wollen den Nazis zeigen, dass wir sie nicht hier haben wollen", erklärt Lisa Wagenschwanz, die an diesem Abend die Aktionen vorstellt.

Die Auswirkungen von Ausgrenzung und Hass sind auch über die Landesgrenzen hinweg spürbar. Im November 2018 beschmierten Unbekannte mehr als 20 Stellen in Bad Rodach mit rechten Parolen. Einem Aufruf zu einer Putzaktion waren rund 100 Menschen gefolgt. "Das Problem ist nicht weg, wenn wir es totschweigen", weiß Pfarrer Rosenzweig.

Autor

Sebastian Stamm
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Veröffentlicht am:
28. 06. 2019
21:32 Uhr

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Autor

Sebastian Stamm

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Veröffentlicht am:
28. 06. 2019
21:32 Uhr



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