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Wirtschaft

60 Millionen Euro für drei Standorte

Die Vollversammlung der Handwerkskammer befasst sich mit ihrer Investitionsstrategie. Die ist in Coburg ein Reizthema - doch das soll sich wieder ändern.



Die Spitze der Handwerkskammer: HWK-Vizepräsident Matthias Graßmann, ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer, HWK-Präsident Thomas Zimmer, Pierre Vera, Präsident der Handwerkskammer im südfranzösischen Departement Aude, und den neuen HWK-Vizepräsidenten Harald Sattler. Foto: Stefan Dörfler
Die Spitze der Handwerkskammer: HWK-Vizepräsident Matthias Graßmann, ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer, HWK-Präsident Thomas Zimmer, Pierre Vera, Präsident der Handwerkskammer im südfranzösischen Departement Aude, und den neuen HWK-Vizepräsidenten Harald Sattler. Foto: Stefan Dörfler  

Bayreuth - Da hatte sich die Handwerkskammer (HWK) für Oberfranken am Montag jede Menge vorgenommen. Erst gab es die letzte Vollversammlung der alten Wahlperiode, dann die konstituierende Sitzung der neuen unter anderem mit Präsidiums- und Vorstandswahl und schließlich abends noch einen Sommerempfang.

Jahresrechnung 2018

Das Haushaltsvolumen der HWK lag bei 32,7 Millionen Euro, die sich auf 29,9 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt und rund 2,9 Millionen Euro im Vermögenshaushalt aufteilten. Das Jahresergebnis lag bei 1,67 Millionen Euro. Davon wurden 824 000 Euro den Rücklagen zugeführt, die auf 6,7 Millionen Euro stiegen.

Die Einnahmen der Kammer kamen vor allem aus drei Bereichen: 44 Prozent Kursgebühren, 38 Kammerbeiträge und 14 Prozent zweckgebundene Zuschüsse.

Von den Ausgaben (ohne Investitionen) entfielen 15 Prozent auf die klassische Kammerverwaltung. Der Rest floss in den Dienstleistungsbereich mit dem Schwergewicht berufliche Bildung (60 Prozent).

1323 (Vorjahr: 1285) Kurse mit gut 103 000 Stunden und 15 437 Teilnehmern hat die HWK im vergangenen Jahr durchgeführt. sts


Große Ehre für Thomas Zimmer

Da war Thomas Zimmer, der gerade wiedergewählte Präsident der Handwerkskammer (HWK) für Oberfranken, dann doch sichtlich gerührt - und das gleich zwei Mal.

Zunächst wurde er bei der konstituierenden Sitzung der Vollversammlung von Hans Peter Wollseifer, dem Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), mit dem Handwerkszeichen in Gold und damit der höchsten Auszeichnung der Wirtschaftsgruppe überhaupt ausgezeichnet.

"Wie du von Präsidiumssitzungen in Berlin nach Hause fährst und dich dann nachts um zwei Uhr in die Backstube stellst - das macht man nur, wenn man Überzeugungstäter ist", lobte Wollseifer seinen ZDH-Präsidiumskollegen.

Während Zimmer mit dieser Ehrung wohl rechnen durfte, wurde er kurz darauf von Pierre Vera, dem Präsidenten der Handwerkskammer im südfranzösischen Departement Aude und HWK-Partnerkammer, sichtlich überrascht. Der überreichte ihm die "Goldmedaille der Anerkennung des französischen Handwerks", also des Dachverbands im Nachbarland.

Damit ist Thomas Zimmer der Erste, der diese Auszeichnung außerhalb Frankreichs erhält. Was ihm für einen Moment schon etwas die Sprache verschlug. sts


17 neue Gesichter gab es unter den insgesamt 40 anwesenden von 42 Mitgliedern der neuen Vollversammlung, die jetzt bis 2024 im Amt sein wird. Aus seiner Mitte wählte das Parlament des oberfränkischen Handwerks das dreiköpfige Präsidium plus sechs weitere Vorstandsmitglieder. Präsident Thomas Zimmer (Bayreuth) wurde einstimmig wiedergewählt. Ebenfalls eine weitere Amtszeit als Vizepräsident der Arbeitgeberseite geht Matthias Grassinger (Bamberg) an, der 37 Stimmen bekam. Neuer Vizepräsident der Arbeitnehmerseite (38 Stimmen) ist Harald Sattler (Tröstau), der Karl-Peter Wittig (Kronach) ablöst.

Wittig ist weiter im Vorstand und erklärte das auf Nachfrage damit, dass die Wahlgemeinschaft aus Gewerkschaften und Kolpingwerk vereinbart habe, ihren Vizepräsidenten spätestens nach drei Wahlperioden abzulösen. Außerdem werde wohl die Übernahme des elterlichen Kfz-Betriebs, in dem er bislang angestellt ist, nicht mehr so lange auf sich warten lassen.

Die letzte Vollversammlung der abgelaufenen Wahlperiode befasste sich unter anderem mit der Jahresrechnung 2018, vor allem aber auch mit der mittelfristigen Investitionsstrategie der Handwerkskammer. Und die hat sich in den vergangenen Monaten zum Reizthema vor allem im Raum Coburg entwickelt. Sie sieht nämlich vor, sich bei den Berufsbildungs- und Technologiezentren (BTZ) künftig auf die Standorte Hof, Bayreuth und Bamberg zu konzentrieren und dort insgesamt rund 60 Millionen Euro für Modernisierung und Neubauten auszugeben. Davon sollen rund 45 Millionen Euro als öffentliche Förderung fließen, wie Peter Stein vom bayerischen Wirtschaftsministerium bestätigte. Der zeitliche Horizont erstreckt sich bis mindestens 2025.

Coburg soll auf jeden Fall langfristig als zweiter Verwaltungssitz neben Bayreuth erhalten bleiben, betonte Kammerpräsident Zimmer. Darüber hinaus solle in Coburg - gegebenenfalls mit Partnern wie der örtlichen Hochschule - ein innovativer Lernort für Aus- und Weiterbildung geschaffen werden. "Da lernen dann Handwerker vielleicht zusammen mit Studenten", sagte Zimmer. Das entsprechende Konzept solle zusammen mit der Kreishandwerkerschaft Coburg entwickelt werden, die Vollversammlung stimmte dem zu. Die 60 Millionen Euro für die Neuausrichtung der übrigen drei BTZ verteilen sich den Planungen zufolge wie folgt: 17 Millionen für Sanierung und Teilneubau in Hof, wo ein entsprechendes Grundstück bereits gekauft wurde. Hier hoffen die Verantwortlichen auf einen baldigen Beginn. 13 Millionen Euro sollen später nach Bayreuth fließen.

Der Löwenanteil mit 30 Millionen Euro ist für einen BTZ-Neubau in Bamberg vorgesehen. Die Stadt habe der HWK bereits ein Grundstück in der Nähe der Brose-Arena angeboten, sagte HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller. Die Vollversammlung beauftragte die Geschäftsführung, das neue Konzept voranzutreiben und insbesondere in Grundstücksverhandlungen mit der Stadt Bamberg einzutreten. Um die nötigen Eigenmittel für alle drei BTZ in Höhe von etwa 15 Millionen Euro aufzubringen, müsse auch in den kommenden Jahren strikte Finanz- und Kostendisziplin eingehalten werden, sagte Koller, der die Kostenschätzungen für die Maßnahmen in Bayreuth und Bamberg als noch sehr grob bezeichnete. Bislang betragen die Rücklagen 6,7 Millionen Euro.

HWK-Präsident Zimmer sagte, dass es dem oberfränkischen Handwerk gut gehe und nannte als Herausforderungen für die Zukunft unter anderem die Themen Fachkräftegewinnung, Betriebsnachfolge, Digitalisierung und Bürokratie.

Damit lag er auf einer Wellenlänge mit Hans Peter Wollseifer, dem Präsidenten des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Der sagte vor der neu gewählten Vollversammlung, dass er angesichts der nicht enden wollenden Personaldebatten in Brüssel fassungslos sei. Zugleich gebe auch die Bundesregierung kein gutes Bild ab. Die drängenden Probleme der Gesellschaft würden nicht angegangen. Es werde Klientelpolitik gemacht, während die Leistungsträger aus dem Blickfeld gerieten.

Wollseifer forderte unter anderem eine komplette Abschaffung des Solidarbeitrags, einen Verzicht auf die geplante Mindest-Ausbildungsvergütung und eine echte Bildungswende hin zur kompletten Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung.

Was man alles gemeinsam erreichen könne, zeige, dass die Wiedereinführung der Meisterpflicht für manche Gewerke unmittelbar bevorstehe (ein ausführliches Interview mit ZDH-Präsident Wollseifer lesen Sie in einer unserer nächsten Ausgaben). Thomas Zimmer sagte, dass gerade der Meisterbrief das Handwerk auch für Abiturienten attraktiv mache.

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Stefan Schreibelmayer
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
01. 07. 2019
19:52 Uhr

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Stefan Schreibelmayer

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01. 07. 2019
19:52 Uhr



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