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Wirtschaft

Bayern plant Express-Züge nach Erfurt

Zwei Landesregierungen schreiben EU-weit den elektrischen Zugverkehr aus. Von 2024 an sollen neue Züge rollen. Die Anforderungen an den Bahnbetreiber sind hoch.



Diese elektrischen Züge unter dem Namen Franken-Thüringen-Express werden im Dezember 2023 in Nordbayern aus dem Verkehr gezogen und durch neue Fahrzeuge ersetzt.
Diese elektrischen Züge unter dem Namen Franken-Thüringen-Express werden im Dezember 2023 in Nordbayern aus dem Verkehr gezogen und durch neue Fahrzeuge ersetzt.   Foto: Werner Rost

Nürnberg/Coburg/Erfurt - Die Freistaaten Bayern und Thüringen haben im EU-Amtsblatt eine gemeinsame Ausschreibung für den elektrischen Regionalzugverkehr veröffentlicht. Dies ist der Nachfolge-Auftrag für die Franken-Thüringen-Express-Züge unter dem bisherigen Betreiber DB Regio. Die beiden Regionalzugbesteller - die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) und das Thüringer Ministerium für Infrastruktur - ziehen in Erwägung, auch auf der Neubaustrecke zwischen Coburg und Erfurt Regionalexpress(RE)-Züge zu bestellen. Bislang rollen auf der ICE-Schnellfahrstrecke nur südlich von Coburg RE-Züge mit Doppelstockwaggons.

Hohe Anforderungen und hohe Förderung durch die Freistaaten

Linien-Netz: Wie aus der Ausschreibung hervorgeht, soll der Verkehrsvertrag jährlich 5,4 bis maximal 5,7 Millionen Zugkilometer umfassen. Dabei hält die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) am bisherigen Konzept der Zugteilung und Vereinigung auf der fränkischen Seite fest. Zwischen Nürnberg und Bamberg sollen die Züge zweiteilig fahren. Von Bamberg aus teilt sich die Linienführung via Coburg nach Erfurt, via Lichtenfels und Coburg nach Sonneberg, via Kronach nach Saalfeld sowie via Schweinfurt nach Würzburg. Dabei steht die Weiterführung der RE-Züge von Coburg nach Erfurt noch unter Vorbehalt. "Als Eventualposition sind fünf tägliche Zugpaare auf der Neubaustrecke Coburg-Erfurt in den ICE-Zwischenlagen anzubieten", heißt es dazu in der Ausschreibung.

 

Zwei Fahrzeug-Typen: Für viele Bahnbeobachter überraschend ist die Vorgabe aus München und Erfurt, dass der künftige Bahnbetreiber Neufahrzeuge einsetzen muss. Damit scheiden die bisherigen Triebwagen vom Typ "Talent 2" von DB Regio aus. Je nach dem Linien-Ast müssen die künftigen Züge bis zu Tempo 160 oder Tempo 190 schnell sein, wobei die schnellere Variante auf der Neubaustrecke auch druckdicht sein muss. Dieses Kriterium erfüllen die bislang zwischen Nürnberg und Coburg eingesetzten Doppelstockwaggons nicht. Die Fahrgäste verspüren in den Tunnelabschnitten südlich von Coburg deshalb einen leichten Druck auf den Ohren.

 

Mehr Sitzplätze: Mit dem künftigen Fahrzeug-Konzept auf der fränkischen Seite sorgt die BEG im stark frequentierten Abschnitt zwischen Bamberg und Nürnberg für mehr Kapazität, denn in Bamberg werden künftig zwei Zugteile mit jeweils 360 Sitzplätzen in der zweiten Klasse vereinigt. Wegen der Länge der Bahnsteige gehen Bahnbeobachter davon aus, dass die Wettbewerber mit Doppelstockzügen planen müssen.

 

Finanzielle Anreize: Der Ausschreibung zufolge bieten die Auftraggeber außergewöhnliche Anreize dafür an, dass der Zugverkehr bereits zum Betriebsstart reibungslos klappt. In den vergangenen Jahren gab es auf vielen Regionalnetzen in der Startphase erhebliche Einschränkungen, weil die Betreiber noch nicht genügend Personal hatten oder die Hersteller die Fahrzeuge nicht rechtzeitig mit einer uneingeschränkten Zulassung liefern konnten. Bayern und Thüringen stellen Zuschüsse für die Ausbildung von Lokführern in Aussicht sowie eine Prämie in Höhe von 250 000 Euro für den Fall, dass zum Betriebsstart im Dezember 2023 das nötige Personal vollzählig zur Verfügung stehen wird.

 

Die beiden Freistaaten vergeben einen Zwölf-Jahres-Vertrag von Dezember 2023 bis Dezember 2035. Die Bewerber müssen ihre Angebote bis zum 7. Januar 2020 einreichen. Somit haben alle interessierten Bahngesellschaften, allen voran DB Regio, fünf Monate Zeit, mit den Fahrzeug-Herstellern zu verhandeln, mit dem sprichwörtlichen spitzen Bleistift zu kalkulieren und ihre Angebote abzugeben. Aufgrund der Angebots-Bindungsfrist bis Mai 2020 ist davon auszugehen, dass die BEG spätestens zu diesem Zeitpunkt bekannt geben wird, wer den Zuschlag erhalten soll.

 

Einige Stammfahrgäste und die Fahrgastverbände verfolgen die Entwicklung gespannt. Gerd Weibelzahl von der Kreisgruppe Coburg des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) hebt nach einer ersten Beurteilung des neuen Konzeptes die Verkürzung einer Linie hervor. "Es fehlt der RE zwischen Saalfeld und Leipzig", betont Weibelzahl. Wie berichtet, haben Bayern und Thüringen die Verlängerung der Linie nach Leipzig erst im vergangenen Jahr vereinbart, um einen Ersatz für den Fernverkehr im Saaletal anzubieten. Weibelzahl geht davon aus, dass die DB die IC-Linie zwischen Karlsruhe, Stuttgart, Nürnberg, Bamberg, Lichtenfels, Saalfeld, Jena und Leipzig ab Ende 2023 im Zweistundentakt bedienen wird, sodass auf diese Weise weiterhin stündliche Reisemöglichkeiten via Saalfeld nach Leipzig bestehen werden.

Kein abschließendes Urteil fällt der VCD-Sprecher zur künftigen Anbindung von Coburg in Nord-Süd-Richtung. "Für den Raum Coburg hat eine regelmäßige ICE-Verbindung im Zweistundentakt mit acht Zugpaaren sowohl nach Berlin wie auch nach München die größte Priorität", betont Weibelzahl. Der VCD lege Wert auf umsteigefreie Verbindung zu diesen Zentren. Eine RE-Linie Nürnberg-Coburg-Erfurt führe zu Umsteigeverbindungen in Nürnberg und Erfurt und sei weniger attraktiv als ein durchgehender ICE. "Bei nur fünf RE-Verbindungen wirken sich Anschlussverluste in Erfurt gravierend auf die Fahrtzeit von Berlin nach Coburg aus", befürchtet Weibelzahl. "Wer wartet schon gerne in Erfurt zwei Stunden auf die nächste Verbindung", gibt er zu bedenken.

Weibelzahl bezieht sich auf eine Verlautbarung des CSU-Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach, wonach die DB von 2021 an ein verbessertes ICE-Angebot über Coburg plane. "Eine entsprechende Aussage von DB Fernverkehr gibt es dazu aber bislang nicht", zeigt sich der VCD-Sprecher skeptisch. "Acht ICE- und zusätzlich fünf RE-Zugpaare wären ein sehr gutes Angebot zwischen Coburg und Erfurt", sagt Weibelzahl zur bestmöglichen Kombination. Dabei schiebt er gleich einen Anschlusswunsch hinterher: "Vom Fahrplan her wäre es optimal, wenn die fünf RE-Verbindungen an die Sprinterzüge Frankfurt-Erfurt-Berlin anknüpfen würden."

Der VCD bedauert, dass für die geplanten RE-Züge kein weiterer Halt in Südthüringen möglich ist. Beim Bau der ICE-Strecke sei die Chance vertan worden, beim Überholbahnhof Ilmenau-Wolfsberg die Gleise so zu verlegen, dass dort nachträglich Bahnsteige errichtet werden können.

Wie Weibelzahl abschließend hervorhebt, ist für den Raum Coburg neben einer besseren Nord-Süd-Verbindung auch die Schaffung einer West-Ost-Verbindung wichtig. Damit spielt der VCD-Sprecher auf den Bahnlückenschluss nach Südthüringen ins Werratal an. "Eine Direktverbindung nach Eisenach kann durch eine Umsteigeverbindung über Erfurt nicht ersetzt werden", betont der VCD-Bahnexperte. Als östliche Verlängerung plädiert Weibelzahl für zweistündliche Direktverbindungen von Coburg nach Bayreuth und Hof.

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Werner Rost
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Veröffentlicht am:
06. 08. 2019
19:46 Uhr

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Werner Rost

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Veröffentlicht am:
06. 08. 2019
19:46 Uhr



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